Inklusion in der Arbeitswelt: Tipps für Arbeitgebende

Menschen mit Behinderungen bereichern Unternehmen mit ihren Fähigkeiten und Kompetenzen. Jedoch nur, wenn Sie diese gleichberechtigt in die Arbeitswelt einbringen können. Erfahren Sie, wie Unternehmen inklusiver werden können und was für Vorteile sie dadurch erfahren.

Ist von einem inklusiven Arbeitsumfeld die Rede, denken wir sofort an Aufzüge statt Treppen, ebenerdige Zugänge, breite Durchgänge und weitere bauliche Massnahmen. Natürlich sind solche Vorkehrungen wichtig, aber Barrierefreiheit und berufliche Inklusion bedeutet sehr viel mehr. Inklusion in der Arbeitswelt heisst, dass alle Zugang zu interessanten Jobs haben, sich gleichberechtigt einbringen können und gefördert werden. Um dies zu erreichen, ist nicht nur die Förderung von Diversity im Unternehmen wichtig, sondern ebenso ein korrekter Umgang mit Kolleg:innen mit Behinderungen am Arbeitsplatz. Wir geben Tipps, wie Arbeitgeber:innen Inklusion in allen Bereichen fördern können.

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Ein Mann hält den Daumen hoch. | © Pexels / Rodnae Productions

Bedeutung von Inklusion in der Arbeitswelt

Die Integration von Menschen mit Behinderungen durch gelebtes Diversity und Ability Management eröffnet Unternehmen vielfältige Möglichkeiten. Unter anderem profitieren sie von ihrem einzigartigen Blickwinkel und kreativen Denkmustern. Auch tragen sie zu einer Unternehmenskultur bei, die geprägt ist von Diversität, Inklusion und Chancengerechtigkeit   (lesen Sie dazu auch: Warum es sich lohnt, Menschen mit Behinderung zu beschäftigen).

Zentral dabei ist, dass eine Behinderung nicht als ein Defizit betrachtet, sondern die Andersartigkeit als Mehrwert wahrgenommen wird. Arbeitgebende müssen sich auf die Fähigkeiten von Menschen mit Behinderungen konzentrieren und die Befähigung ins Zentrum stellen.

Tipps zur Förderung eines inklusiven Arbeitsumfeldes

Damit Unternehmen diese Vorteile nutzen können, müssen gewisse Voraussetzungen zur beruflichen Inklusion erfüllt sein. Sind Umbaumassnahmen nötig, können Zuschüsse von Sozialversicherungen in Anspruch genommen werden. Das Schaffen einer barrierefreien Arbeitsumgebung ist eine Investition in die Zukunft. Auch Arbeitnehmende ohne Behinderungen können durch Krankheit oder Unfall eine bleibende Behinderung davontragen.

Neben baulichen Massnahmen sind die sozialen Komponenten aber genauso wichtig. Oftmals haben Vorgesetzte und Teammitglieder Angst, im Umgang mit ihren Kolleg:innen mit Behinderungen etwas falsch zu machen. Folgende Tipps helfen, Barrieren abzubauen und Berührungsängste zu überwinden:

  1. Unterstützung ist willkommen

    Die meisten Behinderungen treten im Laufe des Lebens auf. Es ist wichtig, dies zu berücksichtigen und die betroffene:n Kolleg:innen nicht von selbst auf die Hintergründe anzusprechen. Sinnvoller ist es, auf die Initiative der betroffenen Person zu warten. Menschen mit Behinderungen sind für andere Arten von Anteilnahme, zum Beispiel in Form von Hilfestellungen, dankbar und wünschen sich keine Sonderbehandlung.

  2. In Gespräche und Entscheidungen einbinden

    Kolleg:innen sollten sich im Arbeitsalltag respektvoll verhalten und mögliche Barrieren vermeiden. Für Menschen mit Behinderungen ist es wichtig, bei allen Prozessen mit einbezogen und stets persönlich angesprochen zu werden, wenn es um Belange geht, die sie betreffen. Die bewusste Integration hat wiederum einen positiven Effekt auf die Arbeitsleistung. Wichtig: Jede:r Mitarbeiter:in mit einer Behinderung hat individuelle Bedürfnisse, die es zu berücksichtigen gilt.

  3. Kommunikation: mehr ist besser

    Austausch ist im Berufsleben das A und O. Dies gilt für gesundheitlich eingeschränkte Menschen ganz besonders, beispielsweise dann, wenn sie eine Hör- oder Sehbehinderung haben. Dann ist es besser «zu viel» zu kommunizieren, als zu wenig. Die sehbeeinträchtigte Person fühlt sich wohl und in den Arbeitsalltag eingegliedert, wenn sie über alle Abläufe Bescheid weiss und sich in das Gespräch eingebunden fühlt. Bei einem Ortswechsel können Kolleg:innen zudem ihre Hilfe bei der Orientierung anbieten. Im Zweifelsfall ist es immer eine gute Lösung, die Person nach seinen Vorlieben zu fragen und die Kommunikation für beide Seiten passgenau zu gestalten.

  4. Die natürliche Distanz einhalten

    Wenn zwei Menschen aufeinandertreffen, gibt es gemeinhin einen Sicherheitsabstand, der als höflich und angemessen gilt. Besonders für Menschen mit Behinderungen hat die erwünschte Distanz eine grosse Bedeutung. Es ist auch für Betroffene ein zwischenmenschliches Vergehen, wenn Kolleg:innen sie ungefragt berühren oder nicht notwendige Hilfsmittel anbieten. Für Blindenhunde gilt: Sie sind bei der Arbeit und sollen nicht gestört werden. Kolleg:innen sollten akzeptieren, wenn sie den Blindenhund nicht streicheln und anfassen dürfen. Lesen Sie dazu auch den Artikel über den Umgang mit Blinden oder mit Menschen mit einer Sehbehinderung.

  5. Die Sache mit gewohnten Redewendungen

    Im Umgang mit Mitarbeitenden mit Behinderungen ist es nicht notwendig, auf bestimmte Redewendungen zu verzichten. Es ist erlaubt, blinde Menschen mit «auf Wiedersehen» zu verabschieden und mit Rollstuhlfahrern «einen Spaziergang» zu machen. Andere Redewendungen, die auf die Behinderungen als solche abzielen, sind zu unterlassen. Auch wenn diese im täglichen Sprachgebrauch üblich sind, können sie kränken oder beleidigen. Verantwortungsbewusste Mitarbeiter:innen sollten im Arbeitsalltag auf keinen Fall diskriminierende Äusserungen von anderen tolerieren und in solchen Fällen das Gespräch mit den Verantwortlichen suchen, beziehungsweise Vorgesetzte oder die Personalabteilung informieren. 

  6. Falsche Informationen und Begriffe können diskriminieren

    Falls die Behinderung zur Sprache kommt, ist grosse Sorgfalt angebracht. Für einen Menschen mit Behinderungen gibt es nichts Schlimmeres, als fehlerhafte Informationen zu seiner Einschränkung zu erfahren. So sind gehörlose Menschen nicht stumm, da sie trotzdem kommunizieren – und zwar mithilfe der Gebärdensprache. Falsche Begriffe sollten erst recht vermieden werden. So ist es etwa bei Trisomie 21. «Mongolismus» ist ein Begriff, den Menschen weiterhin verwenden, der jedoch diskriminierend ist und nicht benutzt werden sollte.

  7. Blickkontakt halten

    Augenkontakt ist höflich und vermittelt Respekt. Dies gilt grundsätzlich für alle Kolleg:innen – aber auch für Menschen mit Behinderungen. Schwerhörige Menschen lesen beispielsweise viel anhand der Mimik und Gestik des Gegenübers ab – dann ist es umso wichtiger, die Person anzusehen und sich nicht während des Gespräches mit anderen Dingen zu beschäftigen. Eine Behinderung oder Krankheit sollte im Arbeitsalltag kein Hindernis im Umgang darstellen. Das ganze Unternehmen profitiert langfristig von Mitarbeitenden mit Behinderungen und deren Fähigkeiten. Sie sind es gewohnt, allen Herausforderungen zu trotzen, zeigen sich im Arbeitsalltag oftmals überdurchschnittlich motiviert sowie leistungsbereit und bereichern das Arbeitsklima mit kreativen, offenen und flexiblen Denkweisen, die alle Teammitglieder positiv beeinflussen können.

Checklisten und Unterlagen für Arbeitgeber:innen

Weiterführende Unterlagen sowie Checklisten zur Vorbereitung finden Sie unter anderem auf der Website der Stiftung Profil: Unterlagen.

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