Das Gesicht einer Frau bunt bemalt | © Jean Philippe / unsplash

Warum es sich lohnt, Menschen mit Behinderungen zu beschäftigen

Von der Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen profitieren sowohl Arbeitnehmende als auch Arbeitgeber. Menschen mit Behinderungen haben Fähigkeiten, die für Unternehmen von besonderem Wert sein können.

Im Jahr 2011 galt jede neunte Person im erwerbstätigen Alter in der Schweiz per Definition als behindert (Quelle: BFS). Das Thema der (Re-)Integration von Menschen mit Behinderungen im Berufsalltag hat stark an Bedeutung gewonnen. Unter anderem auch durch den Druck der Politik zur Entlastung der Sozialversicherungen.  

Für Menschen mit Behinderungen ist die Teilhabe am Arbeitsleben eine wichtige Voraussetzung für ein gleichberechtigtes Leben in der Gesellschaft. Arbeit gilt für sie als Beleg für Vollwertigkeit und Leistungsfähigkeit. Aber nicht nur Menschen mit Behinderungen profitieren von der Beschäftigung. Auch Unternehmen haben ein Interesse an der Beschäftigung von Arbeitnehmer:innen mit Behinderungen. 

Diversity Management als Grundlage 

Als Grundlage der Nutzenüberlegungen für Unternehmen dient der Diversity-Management-Ansatz. Der Umgang mit personeller Vielfalt in Organisationen wird als Diversity Management oder auch als Managing Diversity bezeichnet. Diversity Management nutzt und fördert gezielt die personelle Vielfalt, um negative Aspekte zu verringern und aufzufangen. Das Konzept des Diversity Managements beruht darauf, die Vielfalt der Mitarbeitenden gezielt zu nutzen und damit wirtschaftliche Interessen und soziale Aufgaben in Einklang zu bringen. 

Der ökonomische Nutzen für Unternehmen 

Die Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen durch gelebte Diversity-Politik eröffnet Unternehmen vielfältige Möglichkeiten. Entscheidend ist, dass sich die Unternehmen auf die Stärken und Fähigkeiten der Mitarbeitenden konzentrieren – also, sogenanntes Ability Management betreiben. 

Nachfolgend werden wichtige unternehmerische Themenbereiche aufgezählt, welche entscheidenden Einfluss auf den Unternehmenserfolg haben.   

Einigung | © Pixabay

In Zeiten von Fachkräftemangel verbessert die Wahrnehmung sozialer Themen die Personalrekrutierung. (Foto: Pixabay)

  1. Produktivitätssteigerung und tiefere Fluktuation gewährleistet

    Menschen mit Behinderung, die das Anforderungsprofil erfüllen und eine barrierefreie Arbeitsumgebung vorfinden, haben keine eingeschränkte Leistungsfähigkeit. Vielmehr können Arbeitnehmende mit Behinderung unter vorteilhaften Bedingungen ein aussergewöhnlich grosses Engagement und eine überdurchschnittliche Leistungsbereitschaft an den Tag legen. 
    Mitarbeitende mit einer Behinderung sind sich der erschwerten Arbeitsplatzsuche bewusst und versuchen oft ihre Defizite durch Leistungen zu kompensieren. Durch die vielen Hürden und Grenzen im Alltag wollen sich Menschen mit Behinderung im Arbeitsalltag umso mehr beweisen. Sie bringen deshalb dem Unternehmen eine deutlich höhere Loyalität entgegen und sind mit Eifer bei der Sache. Eine weitere wichtige Nebenerscheinung dieser speziellen Loyalität der Angestellten mit Behinderung sind tiefere Fluktuationskosten. Angestellte mit einer Beeinträchtigung sind dem Unternehmen länger treu und verursachen deshalb tiefere Personalkosten. 

  2. Profit durch kreative Denkmuster

    Menschen mit Behinderungen sind im Alltag immer wieder mit Herausforderungen konfrontiert. Sie sind gewohnt, Lösungen zu suchen, welche Flexibilität, Kreativität und Offenheit voraussetzen. Von diesem kreativen Denk- und Handlungsmuster profitiert das ganze Unternehmen. Durch das Umdenken im Problemlösungsprozess, welche Mitarbeitende mit Behinderung mitbringen, entstehen kreativere Lösungen. Diese Art des Umdenkens kann sich zudem auch auf die ganze Mitarbeiterschaft ausdehnen, so dass im ganzen Unternehmen, auch bei Teams ohne Mitarbeitende mit Behinderung, kreativere Denkmuster entstehen. 

  3. Öffentliches Image

    Durch Wahrnehmung der gesellschaftlichen Verantwortung bei sozialpolitischen Themen wie Gleichstellung oder Antidiskriminierung kann sich das arbeitgebende Unternehmen mit sozialer Verantwortung und sozialem Engagement präsentieren. Dadurch kann sich das Unternehmen von der Konkurrenz abheben und seine Unternehmensphilosophie in der Öffentlichkeit präsentieren.
     
    Die erfolgreiche Integration von Menschen mit Behinderung führt zu einem Reputations- und Imageeffekt. Dieser Reputations- und Imageeffekt kann ein entscheidender Faktor im Kaufentscheidungsprozess und damit eine erfolgsrelevante Grösse für Unternehmen darstellen. Nebst den positiven Auswirkungen bei der Kundschaft und dem liefernden Unternehmer sind auch Angestellte stärker motiviert, für ein Unternehmen zu arbeiten, das einen guten Ruf hat. 
     
    Eine Studie von Towers Watson zeigt, dass das Ansehen des Unternehmens wesentlich dazu beiträgt, Mitarbeitende für das Unternehmen zu gewinnen. So profitiert das Unternehmen also auch von einer verbesserten Personalrekrutierung. In Zeiten von Fachkräftemangel und «war on talents» ist dies ein wichtiger Faktor in der Personalrekrutierung.


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