Eine Frau mit blonden Haaren und rotem T-Shirt sitzt vor dem Laptop und hat den Kopf auf die Hände gestützt. | © Pexels/Andrea Piacquadio

Arbeiten mit Depressionen

Können Menschen, die unter Depressionen leiden, noch am Arbeitsleben teilnehmen? Sind Betroffene verpflichtet, ihren Arbeitgeber zu informieren? Der folgende Beitrag klärt wichtige Fragen zum Thema Arbeiten mit Depressionen und zeigt, mit welchen Massnahmen sich der Berufsalltag entschleunigen lässt.

Depression: Symptome

Gemäss der Weltgesundheitsorganisation WHO zeigen sich Depressionen durch «anhaltende Traurigkeit und mangelndem Interesse an zuvor angenehmen Aktivitäten». Kurz: Betroffene verlieren die Freude an ihren Hobbys, ziehen sich zurück oder fühlen sich dauerhaft niedergeschlagen. Weitere Symptome können sein:

  • Appetitlosigkeit oder gesteigerter Appetit
  • Müdigkeit
  • Schlafstörungen
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Schuldgefühle
  • Grübeln
  • Suizidgedanken

Die Auslöser für Depressionen sind vielfältig. Sowohl zu viel Stress als auch traumatische Ereignisse können, meist zusammen mit erblichen Voraussetzungen, die Krankheit begünstigen. Hier lesen Sie mehr über Depressionen und verschiedene Behandlungsmöglichkeiten.

Muss ich meine Vorgesetzten informieren?

Vorweg: Sie sind nicht verpflichtet, Arbeitgeber oder Kolleg:innen über Ihre Erkrankung in Kenntnis zu setzen, sofern sie Ihre Aufgaben nicht wesentlich erschweren. Es gibt gute Gründe dafür, eine psychische Erkrankung erstmal für sich zu behalten. Angst vor Diskriminierung zum Beispiel, oder Scham, um nur einige zu nennen. Allerdings kann das Verschleiern einer Krankheit unter Druck setzen, Energie rauben und das Arbeiten mit Depressionen verkomplizieren. Der offene Umgang hingegen kann eine Menge Stress ersparen. Zum Beispiel verhindert er, dass Sie sich für allfällige Fehltage rechtfertigen müssen. Wenn Sie nicht recht wissen, wie Sie mit Ihrem Vorgesetzten darüber sprechen sollen, bietet es sich an, die wichtigsten Punkte auf einen Zettel zu schreiben und diesen zum Gespräch mitzubringen. Oder Ihr:e Psychiater:in kann den Dialog mit Ihnen gemeinsam vorbereiten. Und keine Sorge: eine Kündigung aufgrund Ihrer Krankheit ist rechtlich unhaltbar, da sie gegen das Diskriminierungsverbot (Artikel 8 Absatz 2 der Bundesverfassung) verstösst.

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Ein Mann hält den Daumen hoch. | © Pexels / Rodnae Productions

Depressionen: Arbeiten oder krankschreiben?

Ganz wichtig: arbeiten trotz Depression ist möglich. Je nachdem, in welchem Stadion Sie sich gerade befinden, kann ein geregelter Tagesablauf mit einer sinnvollen Beschäftigung Ihre Genesung fördern. Allenfalls können Sie auf Ihre Vorgesetzten zugehen und gemeinsam entlastende Massnahmen erarbeiten. Eine Reduktion des Pensums zum Beispiel oder längere Pausen. Auch regelmässige Gespräche mit der Personalleitung können hilfreich sein und Ihnen das Arbeiten mit Depressionen erleichtern. Falls Sie aufgrund Ihrer Symptome nicht oder nicht mehr in der Lage sind, zur Arbeit zu gehen, können Sie sich krankschreiben lassen. In der Regel muss nach dem dritten Abwesenheitstag ein Arztzeugnis eingereicht werden. Ärzt:innen bzw. Psychiater:innen stellen diese Zeugnisse aus. Darin enthalten sind Informationen über Beginn, Dauer und Grad der Arbeitsunfähigkeit sowie den Hinweis, ob es sich um eine Krankheit oder einen Unfall handelt. Die genaue Diagnose fällt unter das Arztgeheimnis, und darf deswegen nur mit Ihrem Einverständnis weitergegeben werden. Ihr Arbeitgeber weiss also zwar, dass Sie aufgrund einer Krankheit ausfallen, nicht jedoch, dass Sie eine Depression haben. Während einer Krankschreibung muss sich Ihr Unternehmen an das Arztzeugnis halten. Heisst konkret: Ihre Vorgesetzten dürfen Sie weder zur Weiterarbeit drängen, noch mit Anrufen belästigen. 

Während einer Krankschreibung muss Ihnen Ihr Unternehmen für eine gewisse Zeit den vollen Lohn auszahlen (sogenannte Lohnfortzahlung). Wie lange genau, richtet sich entweder nach Arbeits- bzw. Gesamtarbeitsvertrag oder nach den Basler, Berner oder Zürcher Skalen. Diese von Gerichten festgelegten Fristen gibt es auf der Homepage des Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) zum Nachlesen. Nach einer gewissen Zeit entfällt die Lohnfortzahlungspflicht und Sie erhalten üblicherweise Krankentaggeld. Eine Krankentaggeldversicherung ist nicht obligatorisch, viele Arbeitgeber:innen verfügen jedoch darüber. Sie erhalten in der Regel 80% Ihres Lohnes, wenn Sie Krankentaggeld beziehen, bezahlt wird der Betrag von der Versicherung. Sind Sie unsicher, wie es in Ihrem Unternehmen ist, empfiehlt es sich, bei Ihrem Arbeitgeber nachzufragen. Übrigens: vom Betrag wird nichts für die 1. Säule (AHV/IV/EO) abgezogen, da nach einigen Monaten Krankheit eine Prämienbefreiung eintritt. Während Ihrer Arbeitsunfähigkeit sind Sie zudem für eine gewisse Zeitspanne vor einer Kündigung geschützt:

  • dreissig Tage im ersten Dienstjahr,
  • neunzig Tage vom zweiten bis fünftem Dienstjahr  
  • und 180 Tage ab dem sechsten Dienstjahr.

Während dieser Fristen ausgesprochene Entlassungen sind ungültig. Sollte Ihnen dennoch gekündigt werden, können Sie Ihren Arbeitgeber schriftlich auf seinen Fehler aufmerksam machen. Weitere Informationen sowie einen entsprechenden Musterbrief gibt es bei Guider. Arbeitnehmer:innen müssen sich nebenbei nicht an die oben genannten Fristen halten und dürfen auch während der Krankschreibung jederzeit kündigen.

Depression und Arbeit: Unterstützungsmöglichkeiten

Sie sind nicht alleine! Psycholog:innen, bzw. Psychiater:innen helfen Ihnen mit verschiedenen Therapieformen und geeigneten Medikamenten aus der Depression. Sollten sich Ihre Symptome verschlechtern oder gar Suizidgedanken auftreten, sprechen Sie umgehend mit einer Fachperson, die einen stationären Klinikaufenthalt organisieren kann. Für den Umgang mit Ihrer Krankheit am Arbeitsplatz gibt es zudem sogenannte Care Manager. Diese vermitteln, geben Tipps und suchen Wege, wie Betroffene weiterhin ihrem Beruf nachgehen können. Wenn Sie nach einer längeren Krankschreibung an Ihren Arbeitsplatz zurückkehren, kommt üblicherweise das Prinzip Supported Employment zum Einsatz. Job Coaches begleiten dann von der Stellensuche bis hinein in den Arbeitsalltag und sind Ansprechpartner für das berufliche sowie soziale Umfeld. Wie eine Coachin arbeitet, erfahren Sie in diesem Fachbeitrag. Wertvolle Tipps gibt es zudem im Artikel über psychische Erkrankungen am Arbeitsplatz.


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