Zwei Frauen winken in die Webcam eines Laptops. Die eine steht hinten und trägt einen hellen Pulli, eine schwarze Hose und eine Mütze, die andere sitzt vorne und trägt eine hellblaue Bluse und ein helles Kopftuch. | © Geeignete Berufe für Menschen mit Depressionen

Geeignete Berufe für Menschen mit Depressionen

Unabhängig von der Tätigkeit und der Unternehmenskultur ist der (Wieder-)Einstieg in den Job für Menschen mit einer Depression ein wichtiger und oft auch schwieriger Schritt. Dabei kann sich ein strukturierter Arbeitsalltag positiv auf das psychische Wohlbefinden auswirken und den Arbeitenden Halt und Energie geben.

Eine Depression hat verschiedene Ursachen und taucht in der Regel unabhängig von äusseren Umständen auf. Dabei verspürt die Person einen Zustand psychischer Niedergeschlagenheit, der über einen längeren Zeitraum anhält und sich ohne Behandlung selten von selbst bessert. Es handelt sich daher um eine ernst zu nehmende psychische Erkrankung. Falls Sie sich nicht sicher sind, ob Sie von einer Depression betroffen sind, kann unser Selbsttest erste Anhaltspunkte liefern.

Arbeiten mit Depression

Während einer (schweren) Depression werden Menschen in der Regel über einen längeren Zeitraum krankgeschrieben. Manchen Menschen, die eine Depression oder eine andere psychische Erkrankung haben, bereitet der Gedanke, regelmässig arbeiten zu müssen, Bauchschmerzen. Psychische Erkrankungen am Arbeitsplatz können zu einer grossen Belastung werden, insbesondere wenn Betroffene aufgrund der Depression Schwierigkeiten haben, sich zu konzentrieren (hier lesen Sie mehr zum Thema «Arbeiten mit Depressionen»). 

Nach einiger Zeit wird sowohl vom Patienten oder der Patientin als auch vom behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin eine Rückkehr an den Arbeitsplatz ins Auge gefasst. Dies kann sowohl während als auch nach der Behandlung der psychischen Erkrankung erfolgen. Unabhängig von der Unternehmenskultur und der Tätigkeit ist der Wiedereinstieg in den Job ein wichtiger Schritt in Richtung Heilung, denn die Übernahme von Verantwortung stärkt das Selbstwertgefühl und ein geregelter Alltag bringt Struktur in das Leben. Ausserdem bietet ein Arbeitsplatz die Möglichkeit, sich mit anderen Kolleg:innen auszutauschen und es verschafft ein positives Gefühl, Aufgaben erfolgreich erledigt zu haben. Dies kann Menschen mit Depressionen Halt und Energie geben.

Häufig empfehlen Ärzt:innen und Therapeut:innen, in das vorherige Unternehmen wieder zurückzukehren und den bisherigen Job erneut auszuüben. Für diesen Fall bieten Unternehmen eine berufliche Wiedereingliederung an. Hier ist es sehr wichtig, sich Schritt für Schritt wieder in den Arbeitsalltag einzugliedern und Geduld mit den eigenen Ressourcen und Fähigkeiten zu haben.

Um die Mitarbeiter:innen mit Depressionen so gut wie möglich in ihrem Berufsalltag zu unterstützen, können Arbeitgeber:innen viel machen (in unserem Beitrag «Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz» lesen Sie mehr dazu). Als Arbeitnehmer:in hat man jedoch immer die Alternative, sich nach einer anderen Stelle umzusehen, die für die psychische Gesundheit zuträglicher ist. Ein Neuanfang fühlt sich für viele Menschen mit Depressionen erleichternd an und so bevorzugen viele die Möglichkeit der beruflichen Neuorientierung. 

Grundsätzliche Tipps für die Berufswahl von Menschen mit Depressionen

Vor dem Start in das Berufsleben oder vor einem Jobwechsel ist es ratsam, sich genau zu überlegen, welches Umfeld und welche Tätigkeiten einem guttun und welche vielleicht weniger vorteilhaft wären. Manche Menschen arbeiten lieber mit anderen Menschen gemeinsam, während andere hingegen die Kommunikation und Interaktion lieber meiden. Die einen arbeiten lieber mental und die anderen lieber mit den Händen. Dabei ist es sehr wichtig, die eigenen Fähigkeiten und Potenziale nicht zu unterschätzen.

Folgende Fragen können Sie Menschen mit Depressionen für die Berufswahl im Vorfeld stellen:

  • Tut mir die Interaktion mit anderen Menschen gut?
  • Fühle ich mich in der Lage, Verantwortung zu übernehmen?
  • Arbeite ich lieber körperlich oder mental?
  • Welche Tätigkeiten erfüllen mich mit Freude?
  • Bei welchen Tätigkeiten vergeht die Zeit für mich wie im Flug?

Ausserdem ist es wichtig, sich im Vorfeld Gedanken über die zeitlichen und örtlichen Rahmenbedingungen zu machen:

  • Wie viele Stunden am Tag kann ich maximal arbeiten?
  • Wie viele Stunden in der Woche kann ich maximal arbeiten?
  • Arbeite ich lieber im Homeoffice oder tut es mir gut, das Haus zu verlassen?
  • Bin ich lieber allein oder unter Menschen?
  • Arbeite ich lieber in Innenräumen oder an der frischen Luft?
  • Wie weit ist der maximale Fahrtweg, den ich zu meinem Arbeitsplatz auf mich nehmen würde? 

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Ein Mann hält den Daumen hoch. | © Pexels / Rodnae Productions

Der optimale Arbeitsplatz für Menschen mit Depressionen

Unabhängig davon, unter welcher psychischen Erkrankung Sie leiden und welche Art von Beruf Sie ausüben, können bestimmte Vorkehrungen getroffen werden, die die psychische Gesundheit erhalten und berufsbedingte Depressionen vorbeugen. Dabei sollte die Priorität für den oder die Arbeitgeber:in stets darauf liegen, gesunde und zufriedene Mitarbeiter:innen zu haben. Dies können Sie zum Beispiel durch unten aufgeführte Angebote ermöglichen:

  • Flexible Arbeitszeit und Arbeitsort (Möglichkeit auf Homeoffice)
  • Ruhige und entspannte Arbeitsatmosphäre
  • Klare Pausenzeiten oder die Möglichkeit, im Bedarfsfall längere Pausen einzulegen
  • Krankheitsurlaub oder bezahlte Freistellung für die psychische Gesundheit
  • Angenehme Arbeitsbedingungen wie frische Luft, möglichst wenig Lärm und natürliche Lichtquellen in Form von Tageslicht
  • Mitarbeiterhilfsprogramme und unterstützende Führungskräfte 

Geeignete Berufe für Depressive

Hier sind einige Berufsvorschläge, die sich für Menschen mit Depressionen oder psychischen Erkrankungen schon häufig bewährt haben:

Ein mittelgroßer Hund mit hellem Fell und einem roten Geschirr sitzt auf einer Wiese, im Hintergrund geht die Sonne unter. | © Unsplash

Die Arbeit mit Tieren ist sehr vielseitig und erfüllend (Foto: Unsplash).

  1. Tierpfleger:in oder andere Berufe mit Tieren

    Für viele Menschen mit Depressionen ist der Gedanke, im Job viel Kontakt mit anderen Menschen zu haben, unter Umständen abschreckend. Das Arbeiten mit Tieren hingegen ist sehr vielseitig, oft an der frischen Luft, mit regelmässiger Bewegung verbunden und bringt einen auf andere Gedanken. Ausserdem ist es ein gutes Gefühl, die Verantwortung für ein Lebewesen zu übernehmen. Die Arbeitszeiten sind dabei oft flexibel und ermöglichen genug Zeit, sich zu entspannen und psychologische Behandlungen weiterhin wahrzunehmen. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass es oft ein gutes Gefühl gibt, Zeit mit Tieren zu verbringen, die sich freuen, einen zu sehen und dankbar für die Pflege und Unterstützung sind.

  2. Masseur:in oder Physiotherapeut:in

    Wer hingegen im Berufsalltag gerne Kontakt mit anderen Menschen hat, aber dennoch in einer ruhigen Umgebung und entspannten Atmosphäre arbeiten möchte, für den stellt Masseur:in oder Physiotherapeut:in eine gute Berufsmöglichkeit dar. Der grosse Vorteil bei diesem Beruf besteht darin, dass Termine zeitlich flexibel gelegt werden können und somit gut auf beispielsweise Psychotherapiesitzungen abgestimmt werden können. Ausserdem kann es erfüllend sein, anderen Menschen etwas Gutes zu tun.

  3. Florist:in / Gärtner:in oder andere Berufe mit Pflanzen

    Sowohl als Florist:in als auch als Gärtner:in ist man umgeben von grünen Pflanzen und duftenden Blumen. Das Arbeiten mit den Händen bietet eine gute Möglichkeit, abzuschalten und den Kopf freizubekommen. Dabei verbringt man den Arbeitstag oft im Freien, treibt zusätzlich Sport und bekommt eine extra Dosis Vitamin D.

  4. Schneider:in / Innenausstatter:in oder andere kreative Berufe

    Kreative Tätigkeiten ermöglichen es, abzuschalten und sich ganz auf die Arbeit zu konzentrieren. Beispielsweise das Nähen oder Reparieren von Kleidungsstücken oder Einrichtungsgegenständen ist eine sehr kreative Arbeit. Dabei richten Sie Ihre ganze Aufmerksamkeit auf den Gegenstand, als wären Sie in einer anderen Welt.

  5. Bibliothekar:in

    Als Bibliothekar:in verbringen Sie die meiste Zeit mit Büchern, aber auch mit Menschen, die Bücher lieben. Dabei können Sie anderen Menschen bei der Recherche helfen oder mit ihnen gemeinsam ein neues Lieblingsbuch entdecken. Lesen ist eine wunderbare Form der Entspannung, hat zudem einen positiven Effekt auf das psychische Wohlbefinden und hilft, den Kopf freizubekommen. Wenn Ihnen die Arbeit mit Kindern grossen Spass macht, können Sie in der Kinderabteilung arbeiten und zusätzlich Veranstaltungen für Schulen oder Lesetage organisieren. 

Ein Mann mit dunklen Haaren stent vor einem großen Bücherregal in einer Bibliothek. Er trägt eine Jeans und eine dunkle Jacke und steht mit dem Rücken zur Kamera. | © Unsplash

Bibliothekar:in ist ein Beruf, bei dem man die meiste Zeit in einer ruhigen Atmosphäre verbringt (Foto: Unsplash).

Diese Berufe sind eher ungeeignet für Depressive

 Einige Berufe sorgen dafür, dass Menschen mit Depression schneller an ihre Grenzen kommen. Wer bereits Schwierigkeiten hat, den persönlichen Alltag zu meistern, sollte darauf achten, die Psyche im Beruf nicht noch zusätzlich zu belasten. Insbesondere Berufe, die mit einem hohen Stresspegel einhergehen, sind dabei eher ungeeignet für Menschen mit Depressionen. Berufe, in denen viel Kontakt zu anderen Menschen besteht, wie beispielsweise bei Krankenpfleger:in, Erzieher:in oder Sozialarbeiter:in führen zu einer höheren Belastung und können eine bestehende Depression verschlimmern.


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