Ein Mann sitzt auf einer Frau auf einem Sessel gegenüber. Diese hat einen Notizblock und Stift in der Hand und spricht mit dem Mann. Beide sind elegant gekleidet, im Hintergrund sieht man einige Pflanzen. | ©  Pexels/Tima Miroshnichenko

Für jede Krankheit die richtige Therapieform

Verschiedene Therapieformen für verschiedene Krankheiten. Das gilt nicht ausschliesslich für die Behandlung körperlicher Leiden, sondern auch für psychische.

Der klassischen Gesprächstherapie stehen weitere Behandlungsmethoden gegenüber. Welche am besten geeignet sind, entscheiden Patient*innen zusammen mit Fachpersonen.

Gesprächstherapie

Eine der verbreitetsten Therapieformen. Sie zielt darauf ab, dass sich die Patient*innen besser kennenlernen, problematische Denkmuster verstehen und im besten Fall auflösen können. Sich öffnen braucht Vertrauen. Deshalb ist das Verhältnis zwischen Psychiater*in und Patient*in bei dieser Behandlungsmethode zentral.


Psychiater? Psychotherapeut? Psychologe?

Psycholog*innen haben Psychologie studiert. Sie therapieren, verschreiben jedoch keine Medikamente. Psychotherapeut*innen haben sich nach dem Studium weiterbilden lassen. Auch sie behandeln nicht selbstständig medikamentös. Psychiater*innen haben Medizin studiert und dürfen deshalb Medikamente wie Antidepressiva verschreiben. Sie bieten meist weitere Therapieformen wie Gesprächstherapie an. Die ganze Berufsgattung unterliegt dem 2013 in Kraft getretenen Bundesgesetz zu den Psychologieberufen «PsyG». Dort sind Qualitätskriterien sowie weitere Punkte geregelt.


Kognitive Verhaltenstherapie

Eine Therapieform, bei der Betroffene aktiv mitarbeiten. Im Gegensatz zu Gesprächstherapie oder Psychoanalyse zielt sie weniger auf die Vergangenheit ab. Im Fokus stehen aktuelle Probleme und deren Lösung. 

Schematherapie

Ist eine Unterform der kognitiven Verhaltenstherapie.Schematherapien gründen auf der Annahme, dass jeder gewisse Muster in sich trägt. Als problematisch angesehen werden vor allem Verhaltensmuster (sogenannte Schemata), denen wir automatisch folgen. Gemäss dieser Lehre wird sich ein Erwachsener, welcher als Kind häufig alleingelassen wurde, an andere Menschen klammern, weil er ein erneutes Verlassenwerden verhindern will. Der Therapeut kann Schemata erkennen und für eine bewusstere Reaktion des Patienten sorgen. 

Psychoanalyse

Analog zur Gesprächstherapie steht hier der Dialog zwischen Patient und Therapeuten im Vordergrund. Frühere Konflikte werden bearbeitet. Psychoanalyse ist langwieriger und geht tiefer als reguläre Gesprächstherapie. Bei dieser Behandlungsmethode muss die Chemie zwischen den involvierten Personen stimmen.

Traumatherapie

Ist geeignet für Menschen, welche seelische Wunden durch Unfälle oder Missbrauch erlitten haben (was ein Trauma genau ist, erfahren Sie hier). Ziel ist es, den Umgang mit den traumatisierenden Erfahrungen zu verbessern und die Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) zu lindern. Das kann durch Gespräche oder körperorientierte Methoden gelingen. Unter Letztere fällt die EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing). Sie basiert auf der Beobachtung, dass sich psychische Belastungen verringern, wenn die Augen schnell und rhythmisch bewegt werden. Vereinfacht gesagt denkt der Patient an sein Trauma, respektive spricht darüber, während er die Augen in einem vorgegebenen Rhythmus bewegt. Das stimuliert bestimmte Hirnareale, was zur Traumaverarbeitung beitragen soll. Wie diese Stimulation wirkt, ist noch nicht erforscht, Betroffene berichten jedoch von ihrer Wirksamkeit.

Paar- und Familientherapie

Hier werden Konflikte als ein Problem der sozialen Gruppe gesehen, die es gemeinsam zu bewältigen gilt. Häufig stehen die Kommunikation sowie das gegenseitige Verständnis im Vordergrund.

Gruppentherapie

Kommt bei Depressionen und Suchterkrankungen zum Einsatz. Vielen Betroffenen hilft das Wissen, dass sie mit ihren Beschwerden nicht alleine sind. Daneben wird der gegenseitige Austausch als heilsam empfunden. Gruppentherapien werden von einer Fachperson moderiert.

In einer Turnhalle sitzen vier Frauen und vier Männer auf Stühlen im Kreis. Einer von den Männern steht und erzählt gestikulierend.

Die Gruppentherapie kann bei verschiedenen Krankheiten eingesetzt werden und kommt häufig zur Behandlung von Suchterkrankungen zur Anwendung. Pexels/Tima Miroshnichenko

Bewegungs- und Tanztherapie

Für aktive Menschen eine gute Ergänzung zu anderen Therapieformen. Unter anderem geht es darum, das Gleichgewicht zwischen Körper und Psyche herzustellen, Sinneswahrnehmungen zu schulen sowie um die Stärkung der Sozialkompetenz. Das kann durch Tanzen oder andere Bewegungen geschehen. Wichtig ist, dass sich die Teilnehmer wohlfühlen und Therapeut*innen einen angemessenen Rahmen schaffen. 

Kunsttherapie

Wird meistens bei stationären Aufenthalten eingesetzt. Patient*innen lernen, ihre Gefühle durch Zeichnen, Malen oder andere künstlerische Tätigkeiten auszudrücken. Ein schöner Nebeneffekt gerade in Bezug auf einen Klinikaufenthalt ist, dass solche Beschäftigungstherapien einen geregelten Tagesablauf sicherstellen.

Ergotherapie

In eine ähnliche Richtung geht die Ergotherapie (einen ausführlichen Artikel dazu gibt es hier). Unter Anleitung oder frei wird hier allerlei gestaltet. Das Gruppensetting kann zusätzlich dem Rückzug entgegenwirken, die kreative Betätigung soll Wahrnehmung, Selbstbewusstsein und Lebenskraft der Patient*innen stärken. 

Hypnosetherapie

Wird ebenfalls ergänzend angewendet. Sie gründet auf der Überzeugung, dass wir durch spezielle Techniken wie Trance Zugriff auf unser Unterbewusstsein erhalten und dadurch Probleme lösen können. 

Körpertherapie

Ein Sammelbegriff für Therapiemethoden, welche körperliche und seelische Leiden als gleichwertig ansehen. Wie bei der Bewegungstherapie steht die Wiederherstellung des Gleichgewichts zwischen Körper und Psyche im Fokus. Nicht nur für psychische Erkrankungen kann eine Körpertherapie hilfreich sein. Bei Schmerzen können Physiotherapie oder Massageformen wie Shiatsu Abhilfe schaffen.

Atemtherapie

Bei der Atemtherapie steht die Wechselwirkung zwischen Atem, Körperfunktionen, Denken und Fühlen im Zentrum. Durch bewusstes Atmen können sowohl körperliche Symptome, wie Verspannungen oder Schmerzen, als auch bei psychischen Erkrankungen, wie Ängste oder depressive Verstimmungen gelindert werden. Ausserdem kann die Atemtherapie dabei helfen in Stresssituationen gelassener zu reagieren, Stress abzubauen und sich zu entspannen.

Medikamentöse Behandlung

Als Ergänzung zu den obigen Therapieformen verschreiben Psychiater*innen geeignete Medikamente. Das können je nach Erkrankung Antidepressiva, Beruhigungs- oder Schlafmittel sowie angstlösende Medikamente und Neuroleptika sein. Als zentral gilt die Absprache mit den Patient*innen, denn nicht alle Medikamente wirken bei allen Menschen gleich. Oftmals ist es so, dass verschiedene Inhaltsstoffe ausprobiert werden müssen, bis es passt. Bei der Einnahme von Medikamenten sollte man sich auf die Psychiater*innen verlassen. Gerade Antidepressiva müssen wegen sogenannten Absetzerscheinungen, nicht zu verwechseln mit Entzugserscheinungen, kontinuierlich und über Wochen abgesetzt  werden (sogenanntes Ausschleichen).

Alternativmedizin/ Alternative Therapien

Sammelbegriff für Therapieformen, die nicht zu den klassischen Behandlungsmethoden gehören. Darunter fallen unter anderem Traditionelle chinesische Medizin (TCM), Naturheilmethoden sowie alles im Bereich Komplementärmedizin. 

Diese Liste ist nicht abschliessend und welche Therapieform geeignet ist, hängt von der Persönlichkeit des Betroffenen ab. Meistens verspricht eine kombinierte Therapie am meisten Erfolg. Menschen mit psychischen Krankheiten wenden sich an eine Beratungsstelle oder Fachperson. Wichtig ist, nicht den Mut zu verlieren, wenn eine Behandlung nicht sofort die gewünschte Wirkung erzielt. Genauso verhält es sich mit der Suche nach einem geeigneten Psychiater sowie passenden Medikamenten. Mehr Informationen zu den verschiedenen Therapieformen finden Sie auch bei Pro Mente Sana.