Erfolgreich bewerben mit Behinderung

Für die meisten Menschen mit Behinderung stellt sich im Bewerbungsprozess die entscheidende Frage: Soll oder muss ich meine Behinderung in der Bewerbung oder im Vorstellungsgespräch erwähnen? Und wenn ja, wann erwähne ich sie?

In der Schweiz existiert keine Verpflichtung zur Anstellung von Menschen mit Behinderung. Allerdings bestehen gemäss Behindertengleichstellungsgesetz SR 151.3 bestimmte Bedingungen bei der Zugänglichkeit zu Gebäuden. So müssen unter anderem Gebäude mit mehr als 50 Arbeitsplätzen diesen Anforderungen genügen.

Das hat zur Folge, dass die Zugänglichkeit zum Arbeitsplatz in vielen Fällen vom Gesetz her gegeben sein muss. Also kann die Zugänglichkeit nicht so einfach als Argument gegen die Anstellung von Menschen mit Behinderung angeführt werden.

Doch was bedeutet das für die Bewerbung? Wie geht man mit einer Behinderung in der Bewerbung um? Und wie reagieren Arbeitgebende darauf, wenn man eine Behinderung erwähnt oder nicht erwähnt?

Vielfältige Ansichten bei Arbeitgebenden

Die Ansichten von Unternehmen zur Beschäftigung von Arbeitnehmer*innen mit Behinderung sind äusserst vielfältig und es ist unmöglich, hier einen generellen Standpunkt zu finden. Gründe gegen eine Beschäftigung können zum Beispiel sein: Vorurteile wie z.B. ein Mensch mit Behinderung sei nicht leistungsfähig oder öfter krank. Aber auch: Es hat sich einfach noch kein Mensch mit Behinderung beworben, der auf die ausgeschriebenen Stellen passt.

Nun wissen Sie natürlich nicht, wie das Unternehmen zur Einstellung von Arbeitnehmer*innen mit Behinderung steht, wenn Sie Ihre Bewerbung schreiben. Leider ist es auch fast unmöglich, dies im Vorfeld herauszufinden. Und somit kann die Frage «Soll die Behinderung erwähnt werden?» auch leider nicht pauschal beantwortet werden. Generell wird die Einschätzung vertreten, dass Sie Ihre Chancen verschlechtern, wenn Sie Ihre Behinderung bereits im Bewerbungsschreiben angeben. Eine sichtbare Behinderung sollten Sie jedoch spätestens vor dem persönlichen Gespräch offen ansprechen, z.B. bei der Terminbestätigung sollten Sie eine sichtbare Behinderung erwähnen.

Ob eine Behinderung erwähnt werden soll, hängt ausserdem auch von der Art der Behinderung und der Arbeit ab. Je nach Arbeit hat die Behinderung einen kleinen oder grösseren Einfluss auf das Erledigen der Aufgaben; bei einigen Arbeitgebenden ist die Barrierefreiheit bereits gegeben, bei anderen nicht. Schlussendlich ist aber auch entscheidend, ob Sie sich wohler fühlen, wenn Sie die Behinderung erwähnen oder nicht.

Keine Verpflichtung zur Offenlegung

Verpflichtet zur Offenlegung Ihrer Behinderung oder chronischen Krankheit sind Sie nicht, sofern diese nicht die Arbeit beeinflusst. Dem Arbeitgeber ist es auch nicht erlaubt, danach zu fragen. Denn eine Behinderung gehört gemäss dem Bundesgesetz über den Datenschutz zu den besonders schützenswerten Personendaten. Ausnahme: Steht die Einschränkung in einem direkten Zusammenhang zu der Fähigkeit, den geforderten Job pflichtgemäss auszuüben, ist die Frage berechtigt oder ein Hinweis Ihrerseits notwendig. Die Auskunftspflicht betrifft aber nur die vorgesehene Beschäftigung.

Wenn Ihre Behinderung Sie in den vorgesehenen Aufgaben nicht einschränkt, bleibt es also Ihnen überlassen, ob Sie Ihre Behinderung erwähnen wollen. Stellen Sie jedoch nicht Ihre Behinderung in den Mittelpunkt Ihrer Bewerbung oder des Vorstellungsgespräches. Den Arbeitgeber interessiert schliesslich als erstes, ob Sie die geforderten Qualifikationen haben, um den Job erledigen zu können. Das Wichtigste sind also Ihre Fähigkeiten.

Zwei Männer sitzen am Tischen und sprechen.  | © Unsplash

Überlegen Sie sich im Voraus wann und wie sie Ihre Behinderung ansprechen wollen. (Foto: Unsplash)

Wann im Vorstellungsgespräch ansprechen?

Wenn Sie die Behinderung im Vorstellungsgespräch erwähnen, so tun Sie dies im Laufe des Gesprächs, nicht ganz am Anfang oder ganz am Ende. Wenn Sie Ihre Behinderung im Bewerbungsschreiben erwähnen möchten, so geben Sie auch gleich eventuelle Einschränkungen mit an und auch, wie Sie diese zum Beispiel technisch ausgleichen können.

Sie können Ihre Behinderung auch verschweigen und sich als «nicht behinderte*r Arbeitnehmer*in» einstellen lassen. Bitte überlegen Sie sich dann aber vorher, ob es Ihnen möglich ist, Ihre Behinderung praktisch täglich in Ihrem Arbeitsleben zu verstecken und ob es Ihnen dies überhaupt wert ist. Stellen Sie sich diese Frage spätestens, wenn Sie eine Einladung zum Vorstellungsgespräch erhalten.