Lähmung – was steckt dahinter und wie sehen die Behandlungsmethoden aus?

Weltweit sind mehr als 2,7 Millionen Menschen von einer Lähmung betroffen und jedes Jahr kommen 130'000 mehr dazu. Doch was genau ist eine Lähmung und welche Arten kann man unterscheiden?

Begriffsbestimmung  der Lähmung

Eine Lähmung ist der vollständige oder teilweise Funktionsverlust eines Körperteils oder Organsystems aufgrund der gestörten neuralen Reizweiterleitung im peripheren Nervensystem beziehungsweise in den betreffenden Regionen des Zentralnervensystems (ZNS). Die Heilung einer Lähmung ist nach heutigem Stand nur bedingt möglich, die Einschränkungen können jedoch in der Regel in der Therapie gelindert werden. Grundsätzlich unterscheidet sich eine Lähmung nach dem Ausmass. Je nach Schwere der Lähmung werden im Wesentlichen drei Formen unterschieden:

Plegie: vollständige Lähmung der Skelettmuskeln 
Paralyse: vollständige Lähmung, die sowohl Muskeln als auch Blutgefässe einschliessen kann 
Parese: unvollständige Lähmung 

Die Ausprägung einer motorischen – das heisst: die Muskelkraft betreffende Lähmung – wird festgestellt, indem man die Muskelgruppen gegen Widerstand prüft. Das Ergebnis lässt sich durch folgende Kraftgrade ausdrücken, die das British Medical Research Council (BMRC) 1978 festgelegt hat:

0: fehlende Muskelkontraktion 
1: Muskelspannung ist gerade sichtbar 
2: Gliedmassenabschnitt kann bei Ausschaltung der Schwerkraft bewegt werden 
3: aktive Bewegung gegen die Schwerkraft möglich 
4-: aktive Bewegung gegen leichten Widerstand möglich 
4: aktive Bewegung gegen mässigen Widerstand möglich 
4+: aktive Bewegung gegen stärkeren Widerstand möglich. Jedoch ist der betroffene Gliedmassenabschnitt schwächer als auf der Gegenseite. 
5: normale Kraft

Ursachen für eine Lähmung

Die Ursachen für eine Lähmung sind sehr vielfältig. Sie lassen sich in drei Gruppen einteilen:

  1. Zentrale Lähmung

    Die Ursache der Lähmung liegt im Gehirn. Mögliche Auslöser können Gehirnblutungen, Durchblutungsstörungen im Gehirn (zum Beispiel durch Schlaganfall oder die Verengung von Blutgefässen) oder Entzündungen im Bereich des Gehirns sein.

  2. Periphere Lähmung

    Die Ursache für die Lähmung sind Schädigungen der Muskelfasern oder des Kontakts zu den Muskelzellen. Hierzu zählen Einquetschungen der Nerven (zum Beispiel durch Unfall oder bei einem Bandscheibenvorfall), Einklemmung der Nerven durch Entzündungen von Knochen und Bändern, Entzündungen von Nerven oder des Rückenmarks, Tumore, Vergiftungen, Autoimmunerkrankungen.

  3. Muskuläre Lähmung

    Die Ursache für die Lähmung liegt in den Muskeln selbst. Grund für die Lähmung können der Abbau der Muskeln, eine angeborene Muskelschwäche oder Entzündungen der Muskeln sein.

Von der körperlich bedingten Lähmung ist die psychisch bedingte Lähmung zu unterscheiden. Obwohl keine Schädigungen an Nerven oder Muskeln vorliegen, verlieren Betroffene ihre Bewegungsfähigkeit ganz oder teilweise. Sie haben Koordinationsstörungen und sind nicht in der Lage, Bewegungen zu kontrollieren. Das kann sich auch auf das selbstständige Gehen und Stehen auswirken. 

Mann in Rollstuhl, Frau läuft nebenher.  | © Pixabay

Der Grad der Lähmung unterscheidet sich von Person zu Person. (Foto: Pixabay)

Behandlung und Therapie von Lähmung

Die Behandlung von Lähmungen ist insofern komplex, als sie sich je nach Ursache und Schwere der Beeinträchtigung unterscheidet. Um eine bestmögliche Versorgung zu ermöglichen, sollten Betroffene sofort zum medizinischen Fachpersonal gehen, wenn sie eine Bewegungseinschränkung feststellen. Häufig stehen diese nämlich mit einer schweren Erkrankung (beispielsweise einem Schlaganfall) in Zusammenhang. Die Fachperson aus der Medizin wird den Betroffenen gründlich untersuchen, um die Ursache der Funktionsstörung zu herauszufinden. Je nach Diagnose kann eine Lähmung durch Medikamente gelindert werden (beispielweise bei Muskelentzündungen) oder eine aufwändigere Behandlung erfordern (beispielweise im Falle von Tumoren als Auslöser der Lähmung). 

Sind Lähmungen neurologisch bedingt, so kann man sie nach dem heutigen Stand der Medizin nicht vollständig heilen. In diesem Fall ist die Zielsetzung, den Gesundheitszustand des Betroffenen durch Physiotherapie, Massagen, Bäder und ähnliche Massnahmen so weit wie möglich zu stabilisieren und zu verbessern. Welche Kombination aus operativer, medikamentöser oder krankengymnastischen Behandlung möglich und sinnvoll ist, unterscheidet sich im Einzelfall deutlich. Daher ist es unbedingt notwendig, dass sich Betroffene an das medizinische Fachpersonal wenden, um sämtliche Schritte der Behandlung detailliert zu besprechen. 

Lähmung als Schwerbehinderung 

Für Menschen, die von einer Lähmung betroffen sind, kann das eine dauerhafte Einschränkung bedeuten, die erhebliche Auswirkungen auf das tägliche Leben hat. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn keine vollständige Heilung möglich ist. So müssen sich beispielsweise Menschen mit einer Querschnittslähmung neben der Rehabilitation auch darum kümmern, dass ihr persönliches Umfeld auf ihre Bedürfnisse ausgerichtet ist. Hierzu zählt unter anderem die barrierefreie Ausstattung der Wohnung, die Umrüstung des Fahrzeugs sowie die Gestaltung der Freizeit, etwa in einer Sportgruppe für Menschen mit Handicap. Um sämtliche Hilfen in Anspruch nehmen zu können, sollten sich Betroffene nicht davor zurückschrecken, Hilfe von anderen Betroffenen oder Fachpersonen anzunehmen. 

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