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Hörbehinderungen

Bei einem Menschen mit einer Hörbehinderung funktioniert das Gehör nicht mehr problemlos. Unter diesem Sammelbegriff gibt es dennoch, je nach Grad des Hörverluste, weitere Bezeichnungen für hörbehinderte Menschen.

Junge Frau von hinten mit Hörgerät sieht auf ein verschwommenes Plakat. | © Gesellschaftsbilder.de Hörbehinderung ist nicht gleich Hörbehinderung. Es gibt mehrere Abstufungen. (Gesellschaftsbilder.de)

Gemäss Schätzungen des Schweizerischen Gehörlosenbundes sind in der Schweiz über eine Million Menschen von einer Hörbehinderung betroffen. Rund 10'000 Menschen in der Schweiz sind gehörlos. Dieser Zahlenvergleich verdeutlicht, dass Hörbehinderung nicht gleich Hörbehinderung ist. Die Bandbreite reicht von leichten Hörverlusten, wie sie etwa bei älteren Menschen häufig vorkommen, über hochgradige Schwerhörigkeit bis hin zu Gehörlosigkeit.

Hörbehinderung aus medizinischer Sicht

Aus medizinischer, beziehungsweise aus audiologischer Sicht, bestehen mehrere Abstufungen der Hörbehinderung. Diese sind abhängig vom durchschnittlichen Resthörvermögen, auch «mittlerer Hörfrequenzbereich» genannt. Mithilfe eines sogenannten Audiogramms kann der Grad des Hörverlustes ermittelt werden.

  • Unter Schwerhörigkeit wird ein mittlerer Hörverlust bei etwa 50 Dezibel (dB) verstanden. Zudem gibt es wiederum leichte Schwerhörigkeit (20 bis 40 dB Hörverlust) sowie hochgradige Schwerhörigkeit (60 bis 80 dB Hörverlust).
  • Resthörigkeit definiert sich über einen Hörverlust ab etwa 90 Dezibel. Darunter wird auch «an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit» verstanden.   
  • Gehörlos beziehungsweise taub ist man, wenn der Hörverlust mehr als 120 dB beträgt. 

Zur Veranschaulichung: Das Ticken einer Armbanduhr ist etwa 20 Dezibel und ein normales Gespräch ist 55 Dezibel laut. Normaler Verkehrslärm beträgt etwa 75 Dezibel während das Dezibel-Level einer Autohupe bei zirka 105 dB liegt. 

Zu hörbehinderten Menschen werden ebenfalls spätertaubte Menschen mitgezählt. Diese werden unabhängig vom Ausmass des Hörverlustes separat berücksichtigt, wenn der Verlust des Hörvermögens postlingual erfolgte. Das bedeutet, nach dem natürlichen Spracherwerb – in der Regel ab dem 3. Lebensjahr. Die Betroffenen hatten die Lautsprache also bereits auf natürlichem Wege erlernt. Diese Unterscheidung ist wichtig für die auf das Erlernen der Lautsprache ausgerichtete Frühförderung. Dementsprechend sind unterschiedliche Förderkonzepte erforderlich. Im Webinar «Gehörlosigkeit was bedeutet das?» erfahren Interessierte mehr über die Gebärdensprache und Kultur gehörloser Personen.

Ursachen einer Hörbehinderung

Gehörlosigkeit

Gehörlosigkeit kann genetisch bedingt sein. Auch können Krankheiten während der Schwangerschaft oder Sauerstoffmangel unter der Geburt mögliche Ursachen für einen Hörverlust darstellen. Einige nachgeburtliche Erkrankungen, die zu einer Ertaubung führen können, sind Meningitis (Hirnhautentzündung), Scharlach oder Masern. Auch Medikamente kommen als Auslöser für eine Hörbehinderung infrage. Der Verein zur Förderung der Gebärdensprache bei Kindern setzt sich für diese Kinder ein und bietet hilfreiche Informationen an.

Schwerhörigkeit

Gemäss Pro Audito Schweiz, ist die wohl häufigste Ursache für einen Gehörverlust die altersbedingte Schwerhörigkeit, welche durch permanente Überbeanspruchung entsteht. Zirka ein Drittel der Menschen im Alter von 60 Jahren oder mehr sowie mehr als 80 Prozent der 80-Jährigen sind von einem Hörverlust betroffen. Lärm ist ein weiterer Grund, welcher zur Verminderung der Hörqualität führt. Bereits ein Schallpegel von 85 dB führt zur Schädigung der Haarzellen im Innenohr.

Ein Paar spricht in Gebärdensprache an einer Bar. | © Gesellschaftsbilder.de Die Gebärdensprache wird von vielen gehörlosen Menschen genutzt, um sich auszudrücken. (Gesellschaftsbilder.de)

Unterstützung bei Hörbehinderungen

Der medizinische Fortschritt bietet Möglichkeiten an, den Hörverlust, zumindest zum Teil, auszugleichen. 

Gehörlosigkeit

Prothesen

Das Cochlea Implantat (CI) ist eine Innenohrprothese, bei welcher Elektroden mittels einer Operation in die Hörschnecke eingeführt werden. Dieses kann verbesserte Hör-Resultate bei einer grossen Bandbreite von wahrnehmbaren Tonfrequenzen ermöglichen, funktioniert aber nicht in allen Fällen. Die übertragenen Töne können für gehörlose Personen auch als störend empfunden werden, sodass sie sich gegen ein CI entscheiden.

Technische Hilfsmittel

Es gibt eine Reihe von elektronischen Hilfsmitteln, die akustische in visuelle oder taktile Signale umwandeln und so hörbehinderten Menschen zugänglich gemacht werden. Beispiele sind Lichtklingel, Vibrationswecker sowie das Einblenden von Untertiteln beispielsweise auf Zoom oder in Microsoft Teams.

Gebärdensprachdolmetschende

Gehörlose Menschen, die über die Gebärdensprache kommunizieren, können für Gespräche mit nicht-gebärdensprachkompetenten Menschen Gebärdensprach-dolmetscher hinzuziehen. Diese können unter anderem über «procom»linguaduct sowie über das Netzwerk Gebärdensprachlmetschen gefunden werden. Am Arbeitsplatz übernimmt die IV in der Regel bis zu ca. zehn Dolmetschsstunden. Die im öffentlichen Bereich geltenden Regeln hat der Schweizerische Gehörlosenbund auf seiner Homepage zusammengefasst: Dolmetschende: Wann? Wo? Wie? Im Privatbereich ist die gehörlose Person selber für die Bezahlung zuständig.

Schwerhörigkeit

Hörgeräte

Das verbreitetste Hilfsmittel für schwerhörige Menschen ist das Hörgerät. Moderne, digitale Hörgeräte können bereits einen Hörverlust von mehr als 50 Dezibel ausgleichen, je nach Schädigung.

Schriftdolmetschende

Eine weitere Alternative sind sogenannte Schriftdolmetscher, welche das Gesprochene zeitgleich in die Schriftsprache übersetzen. Sie sind besonders hilfreich für spätertaubte Menschen, die keine Gebärdensprache benutzen. «Swiss TXT» und «Pro Audito Schweiz» bieten entsprechende Angebote. Für gehörlose Personen hingegen sind Schriftdolmetschende nicht die korrekte Wahl. Weil sie die Lautsprache nicht auf natürlichem Weg erlernen müssen, kann das direkte Mitlesen eine Schwierigkeit für sie darstellen.

Darüber sprechen hilft

Eine Hörbehinderung bringt verschiedene Herausforderungen mit sich. Sie sind jedoch nicht alleine! Sich mit anderen Betroffenen auszutauschen hilft, neue Lösungen und Perspektiven zu finden. Teilen Sie Fragen und Herausforderungen bei einem persönlichen Peer-Austausch oder stellen Sie Ihre Fragen anonym und kostenlos in unserer Community.

Zu den Austausch-Programmen

Gehörlosigkeit und Kultur

Gehörlose Menschen sehen sich weniger als Menschen mit einer Behinderung, sondern vielmehr als Teil einer kulturell-sprachlichen Minderheit. Im Zentrum ihrer Gemeinschaft steht die Gebärdensprache. Die Gebärdensprachen entwickeln und orientieren sich weltweit an den in den Ländern gesprochenen Sprachen. Die drei Landessprachen der Schweiz werden somit auch in drei Gebärdensprachen übersetzt:

  • DSGS: Deutschschweizerische Gebärdensprache
  • LSF: Langue des signes francaise
  • LIS: Lingua die segni italiano

Die richtige Wortwahl für gehörlose Menschen

Gehörlose Menschen identifizieren sich als der Gehörlosenkultur zugehörend. Von Gehörlosigkeit zu sprechen sowie den Ausdruck «taub» zu verwenden ist somit vollkommen in Ordnung. Vom Ausdruck «taubstumm» zu sprechen, ist hingegen ein No-Go! Gehörlose Menschen haben genauso wie hörende eine Stimme und sind nicht stumm, zudem steht das Wort dem etymologischen Wort «dumm» nahe und wird als diskriminierend aufgefasst.


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