Schwester küsst seinen | © Unsplash

Geschwisterkinder

Ein Kind mit Behinderung oder Krankheit erfordert nicht nur von den Eltern viel Kraft und Verantwortung, sondern auch von Geschwisterkindern. Martina Dumelin, Geschwisterkind und Geschäftsführerin vom Verein Raum für Geschwister beantwortet einige Fragen zu diesem Thema.

Was können Eltern machen, damit Geschwisterkinder zuhause nicht vernachlässigt werden?

Wichtig ist, dass die Eltern transparent mit den Kindern kommunizieren. Die Geschwisterkinder haben ein hohes Bedürfnis, zu wissen, wie es dem Kind mit Behinderung oder Krankheit geht. So können die Kinder erfahren, wie die Situation genau ist und somit Ängste abbauen. 

Es gibt Geschwisterkinder, die übernehmen gerne Verantwortung, zum Beispiel in dem sie sich intensiv an der Pflege und Betreuung der Kinder mit Behinderung oder Krankheit beteiligen. Die Eltern sollten dieses Engagement der Geschwisterkinder aber nicht als Selbstverständlichkeit betrachten. Oft stellen die Kinder ohne Behinderung oder Krankheit erst im Rückblick fest, dass die Situation eine grosse Belastung für sie gewesen ist. Wenn die Kinder früh über diese Situation sprechen können, hilft ihnen das. 

Was auch noch ein grosses Bedürfnis ist, ist exklusive Zeit mit dem Geschwisterkind zu verbringen. Dem Geschwisterkind soll die Freiheit gewährt werden, ein Kind zu sein und sich auch dementsprechend zu verhalten. Ziel sollte sein, dass das Kind hemmungsfrei mit den Eltern unterwegs sein kann. Hemmungsfrei bedeutet, dass niemand sich Sorgen darüber machen muss, ob das Kind mit Behinderung oder Krankheit gut versorgt ist. Darum haben wir das Projekt «Zeit schenken» ins Leben gerufen, mit welchem wir die Betreuung für zusätzliche Pflege- und/oder Betreuungs-Stunden finanzieren, damit sich die Eltern Zeit für das Kind ohne Behinderung oder Krankheit nehmen können. Bei der Betreuung ist es aber sehr wichtig, dass das Kind von der gewohnten Person betreut wird. Sonst machen sich Eltern und Geschwister Sorgen über das Wohlbefinden des Kindes mit Behinderung oder Krankheit, anstatt die gemeinsame Zeit zu geniessen. 

Spielerisches Kind | © Unsplash

Dem Geschwisterkind soll die Freiheit gewährt werden, ein Kind zu sein. (Foto: Unsplash)

Wie kann ich meine Kinder alle fair behandeln?

Ich bin mir nicht sicher, ob es wirklich ein «faires Behandeln» gibt, da jedes Kind individuell ist. Ich schätze ein, dass Geschwisterkinder sich grundsätzlich nicht benachteiligt fühlen, weil die  Geschwisterkinder realisieren, dass es ihnen gesundheitlich gut geht. Das Wichtigste ist, viel Raum für die Emotionen der Kinder zu geben und mit ihnen auch zu sprechen. Vetrauliche Gespräche alleine mit den Eltern helfen, die Situation ehrlich zu besprechen und die Hemmung abzulegen, das eingeschränkte Geschwister schützen oder schonen zu müssen. 

Was können Eltern machen, damit sie ihren Kindern ohne Behinderung oder Krankheit unbewusst nicht zu viel Verantwortung übergeben?

Fragen Sie die Kinder, ob sie sich dieser Verantwortung bewusst sind und diese auch annehmen möchten. In diesem Zusammenhang soll das Kind ohne Behinderung oder Krankheit die Möglichkeit haben, zu erfahren, wie es ist, die Verantwortung nicht zu übernehmen. So können die Eltern auch hin und wieder etwas in der Freizeit unternehmen ohne ihr Kind mit Behinderung oder Krankheit.  


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