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Fatigue: warum bin ich nur so müde?

Wenn eine Person anhaltend körperlich und/oder geistig erschöpft ist, spricht man von einer Fatigue. Die Erschöpfung kommt dabei nicht von einer Anstrengung, sondern ist entweder Symptom einer Krankheit, die Folge von Krankheitssymptomen oder eine eigenständige Erkrankung. In diesem Fall spricht die Wissenschaft vom chronischen Erschöpfungssyndrom. Der Artikel geht auf die Symptome, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten der Fatigue ein sowie auf die Auswirkungen, die sie auf das Leben betroffener Menschen hat.

Eine Frau liegt müde auf dem Sofa und starrt erschöpft an die Decke. | © pexels

Mehr als nur müde: Fatigue. (pexels)

Bestimmt kennen Sie das Gefühl überwältigender Müdigkeit. Sie nicken vor dem Fernseher ein oder während Sie ein Buch lesen. Die Gründe sind meist ein harter Arbeitstag sowie anstrengende Freizeitaktivitäten. Müdigkeit ist für viele Menschen also etwas ganz Normales. Doch es gibt auch eine andere Müdigkeit, die ohne klar ersichtlichen Grund auftritt. Da spricht man dann von Fatigue.

Symptome

Die Fatigue kann zu verschiedenen, für die betroffenen Menschen sehr belastenden Symptomen führen. Man fühlt sich körperlich und/oder geistig erschöpft und die Leistungsfähigkeit ist deutlich eingeschränkt. Dieses Gefühl ist in den meisten Fällen anhaltend, also immer da. Auch alltägliche Tätigkeiten wie zum Beispiel Körperpflege, sich mit anderen Menschen unterhalten oder Zeitung lesen können zu einer unverhältnismässig starken Ermüdung führen. Diese Ermüdung kann so überwältigend sein, dass man während einer Tätigkeit (beispielsweise bei einem Abendessen mit Freunden oder beim Telefonieren) einnickt, wenn auch nur kurz. Meistens wacht die betroffene Person gleich wieder auf, weil ihr zum Beispiel der Kopf auf die Seite gekippt ist oder sie ihr eigenes Schnarchen gehört hat.

Auch sehr typisch ist, dass vermehrtes oder längeres Schlafen kaum hilft. Meistens fühlen sich betroffene Menschen nach dem Schlaf oder dem Ausruhen gleich müde wie vorher. Dies ist zum einen sehr frustrierend, kann aber auch andere Auswirkungen haben, auf die wir noch zu sprechen kommen. Das Hauptsymptom der Fatigue ist also eine sehr starke Müdigkeit, die sich durch vermehrtes, längeres Schlafen oder Ausruhen nicht bessern lässt.

Ursachen

Damit es zu einer Fatigue kommt, nimmt man an, dass verschiedene Faktoren zusammenspielen. So können beispielsweise bei Multipler Sklerose die Behandlung, die Psyche (depressive Verstimmungen) und die Symptome (Gefühlsstörungen, Kraftverlust, andauernde Schmerzen) das Auftreten einer Fatigue «begünstigen». 

Symptom einer Krankheit

Häufig ist die Fatigue ein Symptom einer Krankheit. Zum Beispiel:

  • Rheumatoide Arthritis (Rheuma)
  • Multiple Sklerose (MS) (bei mehr als 50 Prozent der betroffenen Menschen)
  • Krebs (schätzungsweise bei über 90 Prozent der betroffenen Menschen)
  • Systemischer Lupus erythematodes (Autoimmunkrankheit mit Schädigung von Organen)
  • Parkinson-Krankheit
  • HIV oder auch manifestes Aids
  • Schlafapnoe (die Atmung setzt beim Schlafen wiederholt für kurze Momente aus)
  • Psychische Faktoren, wie Depressionen

Folge von Krankheitssymptomen

Die Fatigue kann auch die Folge von Krankheitssymptomen oder Behandlungen von Krankheiten sein:

  • dauernde Schmerzen
  • Interferon-Behandlung (bei Hepatitis C oder MS), Chemotherapie und/oder Bestrahlung (bei verschiedenen Arten von Krebs)
  • Mangelernährung
  • zu wenig Blut (Anämie)

Erkrankung am chronic fatigue syndrome (CFS)

Wichtig zu erwähnen ist, dass Fatigue auch eine eigenständige Krankheit sein kann. Die Medizin spricht dann vom Chronischen Erschöpfungssyndrom (chronic fatigue syndrome oder CFS). Das Chronische Erschöpfungssyndrom oder auch Myalgische Enzephalomyelitis (ME) ist gemäss Wikipedia definiert als: Chronische Erkrankung, die als Leitsymptom eine aussergewöhnlich schnelle körperliche und geistige Erschöpfbarkeit aufweist und in ausgeprägten Fällen zu schweren Behinderungen und Pflegebedürftigkeit führen kann. Die Diagnose wird gestellt aufgrund der Symptomatik und wenn andere Krankheiten, die diese Symptome auch verursachen können, ausgeschlossen wurden (wie zum Beispiel Multiple Sklerose, Depressionen, chronische Infektionskrankheiten). Die Ursache ist bisher nicht bekannt. Deswegen ist bisher leider «nur» eine Therapie der Symptome möglich, die aber unterschiedliche Erfolge haben oder manchmal auch keine Besserung zeigen.

Ein Mann sitzt am Rand seines Bettes und stützt erschöpft und frustriert den Kopf auf. | © pexels Wer ständig erschöpft ist, sollte eine Fachperson aufsuchen.

Auswirkungen und Umgang mit Fatigue

Eine Fatigue kann in vielen Bereichen Auswirkungen haben, im Privatleben oder bei der Arbeit. Eine grosse Gefahr ist, dass das eigene Umfeld diese Müdigkeit nicht versteht und der betroffene Mensch als Faulpelz, Simulant oder Hypochonder abgestempelt wird. So ist man beispielsweise am Abend deutlich früher müde, möchte am liebsten immer nach Hause und ins Bett. Darunter kann auch die Beziehung leiden, da es falsch verstanden werden kann, wenn man für sexuelle Aktivitäten zu müde ist oder die Libido (das Verlangen nach Sex) abnimmt. Nicht selten kommt da beim Partner oder der Partnerin der Verdacht auf, dass man betrogen wird und daher das Verlangen nicht mehr oder nur noch selten da ist. Deshalb ist es im Privatleben wichtig, dass Sie Menschen, die Ihnen nahe stehen, über die Fatigue informieren.

Auch bei der Arbeit kommen Betroffene deutlich früher an die Grenzen. War vorher ein 100%-Pensum normal möglich, so ist plötzlich ein 20%-Pensum schon fast zu viel. Dies wird vom Umfeld meistens kaum verstanden. Es ist deshalb empfehlenswert, die Menschen, die einem wichtig sind, über die Gründe der Erschöpfung aufzuklären, um Verständnis aufzubauen. Auch ist es meistens nötig, die Vorgesetzten über die Fatigue und ihre Gründe zu informieren, um am Arbeitsplatz Anpassungen oder Vorkehrungen zu treffen, die sich günstig auf die Fatigue auswirken können (vermehrte Pausen, Reduktion des Arbeitspensums, langsame Steigerung des Pensums).

Leider ziehen sich viele betroffene Menschen immer mehr zurück, was zu Einsamkeit führen und die Symptomatik noch verstärken kann. Dies gilt es möglichst zu verhindern. Auch daher ist es wichtig, dass unsere Gesellschaft auf unsichtbare Behinderungen sensibilisiert wird. Denn wenn alle am gleichen Strang ziehen, wird es Lösungen und Verbesserungen geben.

Mögliche Behandlungen

Um erfolgreich eine Behandlung der Fatigue starten und mögliche Mängel ausgleichen zu können, ist es zunächst wichtig, die Ursachen zu kennen. So kann bei Anämie eine Bluttransfusion, die Einnahme von Eisenpräparaten oder die Untersuchung und Behandlung eines Hormonmangels nötig sein.

Was aber immer einen positiven Effekt hat, ist Bewegung. Wenn Sie mit Fatigue leben, sollten Sie sich angewöhnen, tägliche Spaziergänge zu machen, Velo statt Auto zu fahren (bei nicht zu langen Strecken), oder andere Dinge tun, die Ihnen Spass machen (zum Beispiel im Garten arbeiten). Am besten an der frischen Luft. Aber auch Bewegung auf dem Hometrainer oder Laufband, wenn es draussen regnet, schneit oder zu kalt ist, hat einen positiven Einfluss. Sehr wichtig ist, dass man leichte Sportarten ausübt und keinesfalls an die körperlichen Grenzen kommt, wie beispielsweise beim Ausdauertraining.

Bei der Ernährung sollten Betroffene darauf achten, dass sie ausreichend essen, was die notwendige Kalorienzufuhr betrifft, aber schwere und schwer zu verdauende Speisen möglichst meiden (einzelne, nicht zu häufige Ausnahmen sind erlaubt). Ein weiterer Punkt ist die sogenannte Schlafhygiene (lesen Sie dazu Schlaflosigkeit – nicht in Panik geraten). Gewöhnen Sie sich an, immer mindestens sieben bis acht Stunden zu schlafen und nach Möglichkeit (einzelne Ausnahmen sind auch hier sicher erlaubt) etwa zu den gleichen Zeiten ins Bett zu gehen.

Wir danken med. pract. Markus Schneider, Facharzt für Radioonkologie FMH, Praktischer Arzt FMH, zertifizierter Psychoonkologischer Berater SGPO ganz herzlich für den Fachartikel. Markus Schneider lebt seit 20 Jahren mit einer chronischen Krankheit und hat deshalb viel Erfahrung, was den Umgang mit unsichtbaren Symptomen betrifft.


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