Drei Personen stehend im Büro, wobei eine Person mobilitätseingeschränkt ist. | © Pexels/Kampus

Alltag organisieren

Was bedeutet das Leben und den Alltag organisieren für einen jungen Menschen mit einer Behinderung? Welcher Beschäftigung kann dieser Mensch nachgehen, um dem Tagewerk eine Struktur zu geben? Zeigt sich der Weg auch manchmal hinderlich, so gibt es immer wieder eine Reihe faszinierender Momente sich entwickelnder Potentiale, die bereichern können.

Markus Gerhardt lebt seit seiner komplikationsreichen Geburt und anschliessender Reanimation mit der Behinderung Zerebralparese (Wenn Sie mehr über erfahren wollen, empfehlen wir Ihnen unseren Artikel: «Zerebralparese und ihre Folgen»). Markus arbeitet und lebt in einem Wohnheim mit Werkstätten, da die Selbstsorge nicht ausreichend ist. An den Wochenenden verbringt er Zeit bei seinen Eltern in Liestal, die beim Alltag organisieren mithelfen.

Digitale Begleitstelle: Hilfe für Eltern von Kindern mit Behinderungen

Als Eltern eines Kindes mit Behinderungen haben Sie im Alltag viele zusätzliche Herausforderungen zu meistern. Hier finden Sie Hilfe in jeder Lebensphase Ihres Kindes – mittels Informationen sowie Austauschmöglichkeiten im Forum.

Zur Begleitstelle für Eltern 

Eltern sitzen mit ihrer kleiner Tochter und einem Laptop auf den Knien auf dem Sofa und informieren sich. | © Pexels / Kampus Production

Wie sieht bei dir der berufliche Teil des Tages aus?

Ich bin den ganzen Tag in der Eingliederungsstätte für Behinderte in Liestal. Ich webe mit der Gruppe an einem Teppich, auch werden zum Beispiel Handtücher bei uns hergestellt. Ich habe mir eine Beschäftigung gewünscht, die sinnvoll ist. Diese Arbeit am Webstuhl ist eine gute Lösung, ich habe Freude daran. Ich habe dort auch Kontakt gesucht und konnte anknüpfen in der Gruppe. Stephan ist ein Kollege, wir verstehen uns relativ gut, er ist in einer anderen Gruppe beschäftigt als ich.

Markus Gerhardt webt einen Teppich.  | © Privat

Ich arbeite in der Eingliederungsstätte für Behinderte an einem Teppich. Diese Arbeit mache ich gerne. (Foto: E. Gerhardt)

Wie gestaltet sich nach getaner Arbeit deine Freizeit?

Jeweils Mittwochs besuche ich das Freizeithaus Insieme in Basel. Dort kann ich Klavier oder auch mal Memory spielen. Am liebsten spiele ich aber Klavier. Ich spiele beispielsweise «Bunt sind schon die Wälder». Auch kann ich mit einer Begleitperson vierhändig am Klavier spielen, das macht mir viel Freude. Besonders gefällt mir klassische Musik wie das Stück «Spatzenmesse» von Wolfgang Amadeus Mozart oder andere Klavierstücke von Diabelli.

Ich spielte auch Theater, das hat mir recht Freude gemacht. Ein Stück von Wilhelm Tell oder «Der eingebildete Kranke» von Moliere gehört dazu. Es waren für mich sogar Doppelrollen mit verschiedenen Figuren dabei.

Mit Hannes und Andreas, das sind zwei Leiter in unserem Freizeithaus Insieme, durfte ich auch einmal zusammen etwas kochen. Ich wünsche mir, dass ich mir mal ein Gericht aussuchen kann, was ich mit anderen gemeinsam kochen kann. Das würde mir Freude machen.

Markus Gerhardt in der Küche.  | © Privat

Ich wünsche mir, mit anderen gemeinsam zu kochen. (Foto: E. Gerhard)

Ich gehe auch zum Turnen in die Heilpädagogische Tagesschule Liestal. Es ist eine kleine Gruppe mit bis zu sechs Teilnehmern. Ich gehe gerne zum Turnen. Am Mittwoch gehe ich auch noch zum Schwimmen in ein Hallenbad. Dort werde ich betreut von Nicole, meiner Begleiterin. Manchmal gehe ich im Sommer sehr gerne in den Rhein schwimmen. Mein Instruktor von der Schweizer Lebensrettungsgesellschaft kennt sich mit Fluss-Schwimmen sehr gut aus und begleitet mich dabei.

Markus Gerhardt auf dem Fussballfeld. | © Privat

Ich gehe gerne zum Turnen in die Tagesschule. (Foto: E. Gerhardt)

Wie schaut die Wohnsituation aus?

Momentan wohne ich in einem Wohnheim in Liestal. Ich träume von meiner eigenen Doppelzimmerwohnung, die ich mir einrichten kann, wie es mir gefällt. Bei meinen Eltern zu Hause bekomme ich Unterstützung von der Spitex bei der Körperpflege. Ich komme gut damit klar, die Pflegemitarbeitenden stellen sich auf meine individuellen Bedürfnisse ein, wenn man einen anderen Termin hat.

Markus Gerhardt staubsaugt sein Zimmer.  | © Private

Ich träume von meiner eigenen Doppelzimmerwohnung. (Foto: E. Gerhardt)


Anmerkung der Redaktion

Eine Variante, Menschen mit Behinderungen auf dem Weg im Erwachsenenalter beim Alltag organisieren zu unterstützen, bietet die EnableMe Community. Hier gibt es die Möglichkeit, alle Fragen rund um das Alltag organisieren, Familie, Partnerschaft, Freunde, Beruf et cetera zu stellen und Antworten zu erhalten. Der Austausch in der Community kann Sie oder Ihr Kind wieder ein Stück weiterbringen und birgt eine Möglichkeit, auf diesem Weg Verbündete oder vielleicht gar Weggefährten zu begegnen. 

Weitere Informationen finden Sie hier:


Dieser Artikel richtet sich an Eltern von Kindern mit Behinderungen und ist Teil der digitalen Begleitstelle. Haben Sie ergänzende Bemerkungen? Wir freuen uns über Ihre Rückmeldung per Mail an info@enableme.ch.


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