Eine junge Frau mit dunklen Locken sitzt ihrer Freundin gegenüber und weint. Letztere hört aufmerksam zu und hat halblanges braunes Haar. | © Pexels/Liza Summer

So hat sich Corona auf unsere Psyche ausgewirkt

Das Bundesamt für Gesundheit hat einen Bericht zur psychischen Gesundheit während der Covid-Krise in Auftrag gegeben. Obwohl die Untersuchung noch nicht abgeschlossen ist, lassen sich interessante Schlüsse ziehen.

Laut dem Fazit der Verantwortlichen vom Büro für Arbeits- und Sozialpolitische Studien BASS AG sowie von B&A Beratung und Analysen ist die Mehrheit der erwachsenen Bevölkerung durch die Pandemie nicht wesentlich in ihrer psychischen Gesundheit beeinflusst worden. Dennoch ist der Behandlungsbedarf bei Erwachsenen gestiegen. Dafür gesorgt haben Unsicherheiten, Belastungen und Stress sowie der «passive Aushaltemodus», in dem wir uns schon länger befinden. All das kann zwar die Lebensqualität beeinträchtigen, ist aber nicht mit klinisch relevanten psychischen Symptomen gleichzusetzen.  

Kinder- und Jugendliche 

Anders sieht es bei Kindern und Jugendlichen aus. Sie sind deutlich stärker betroffen als andere Altersgruppen. Die Fallzahlen in der stationären Kinder- und Jugendpsychiatrie haben sich stark erhöht. Jüngere Kinder sind mehr von Verhaltensauffälligkeiten betroffen, während ältere Kinder und Jugendliche zu Depressivität und Angstsymptomen neigen. Expert:innen der Kinder- und Jugendpsychiatrie beobachten insbesondere einen Anstieg des Behandlungsbedarfs im Zusammenhang mit Suizidgedanken und Suizidversuchen. «Der Handlungsbedarf (…) für die durch die Pandemie besonders stark belasteten jungen Generationen ist unter Expert:innen unbestritten», so die Verfasser:innen des Berichts. Mit dieser Aussage decken sich die Nutzungsdaten der Dargebotenen Hand und der Pro Juventute. Erste Trendeinschätzungen weisen jedoch nicht darauf hin, dass Suizide oder Suizidversuche im Zeitraum der Pandemie zugenommen haben. Dies wirkt zwar erfreulich, sollte aber,  im Hinblick auf die Dunkelziffer und die noch fehlende, aktuellste Todesursachenstatistik mit Vorsicht betrachtet werden.  

In der Infografik sind folgende Fakten festgehalten:  Das Bundesamt für Gesundheit hat einen Bericht über den Einfluss von Covid-19 auf die psychische Gesundheit der Schweizer Bevölkerung in Auftrag gegeben. Die Büros B&A und BASS haben unter anderem untersucht, wie sich die Pandemie auf die psychiatrisch-psychotherapeutische Versorgung in der Schweiz ausgewirkt hat. Während der Pandemie haben sich die Anzahl Suizide und Suizidversuche im Vergleich zu den Vorjahren laut dem Bericht nicht erhöht. Darauf deuten Trendeinschätzungen hin. Beratungsanfragen zum Thema Suizidgedanken im Kontext der Pandemie haben aber zugenommen. Das zeigen Nutzungsdaten der Dargebotenen Hand. Niederschwellige Beratungsangebote sind für viele Menschen zentral. Sie haben während der Pandemie nachweislich mehr Personen erreicht als davor. Menschen ohne gute Kenntnisse der Landessprache konnten laut dem Bericht des Bundesamtes für Gesundheit nicht von den Angeboten erreicht werden. Das ist ein Problem, weil der Zugang zu diesen  Beratungsangeboten angesichts der besonderen Belastung der Migrationsbevölkerung während der Pandemie wichtig wäre. Die vorläufig positive Bilanz sollte nicht den Blick darauf verstellen, dass die Corona-Pandemie bei gewissen Personengruppen mit psychischen Belastungen verbunden ist.

Infografik über psychische Gesundheit während Corona.

Menschen mit psychischen Erkrankungen 

Härter getroffen hat die Covid-Krise Personen, die schon vorher mit psychischen Belastungen zu kämpfen hatten. Denn die Freundeskreise derer sind oft vergleichsweise klein und sie sind nicht selten weniger gut finanziell abgesichert. Das Wegfallen von gewissen Therapieformen aufgrund der Schutzmassnahmen oder die Nichtinanspruchnahme dieser aus Angst vor einer Ansteckung haben ihr Übriges getan. All das kann zu Rückfällen und der Verstärkung der Symptomatik führen, weshalb die psychische Gesundheit der Schweizer:innen weiterhin gut im Auge behaltet werden muss. 

Menschen mit Behinderungen 

Im Bericht auch erwähnt sind Menschen mit geistigen Behinderungen. Sie gelten seit dem vergangenen März als Risikogruppe für eine Ansteckung mit Covid. Auch hier haben Isolation und der beschränkte Zugang zu gewohnten Örtlichkeiten für zusätzliche Belastungen geführt. Die Studienverfasser:innen weisen jedoch darauf hin, dass Menschen mit Behinderungen ein hohes Mass an psychischer Widerstandsfähigkeit gezeigt und sogar neue Wege gefunden haben, besser mit der Krise umzugehen.  

Den ganzen Bericht und weitere Informationen insbesondere über verschiedene Hilfsangebote gibt es auf der Homepage des Bundesamtes für Gesundheit


Niederschwellige Unterstützung bietet auch unser Forum, in denen der Austausch mit anderen Nutzer:innen sowie Expert:innen möglich ist.


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