Sieben Erwachsene sitzen und stehen um einen Tisch herum, auf dem ein Laptop steht. Alle sind fröhlich und lächeln. | © Pexels

Schnupperlehren: praktische Hilfe bei der Berufswahl

Durch Schnuppern erhalten junge Frauen und Männer vertiefte Einblicke in den Berufsalltag ihres Traumjobs. Gerade für Jugendliche mit Behinderungen ist dies unerlässlich, um zu prüfen, ob sich die Wunschausbildung für sie eignet. Im folgenden Beitrag finden Betroffene wertvolle Tipps.

Es ist die Frage, mit der sich alle Schulabgänger:innen früher oder später auseinandersetzen: Was will ich werden? Für die Wahl einer Ausbildung, die zu den eigenen Interessen und Fähigkeiten passt, sind Schnupperlehren unerlässlich. Sie bieten einen praxisnahen Einblick in den jeweiligen Beruf, geben Jugendlichen die Möglichkeit, ihren Traumberuf näher kennenzulernen und mit zukünftigen Berufskolleg:innen zu sprechen. Schnupperlehren können in so gut wie allen Lehrberufen absolviert werden. In der Regel finden sie während der Schulferien statt. Sollte das bei einem Betrieb nicht gehen, können sich Jugendliche mit einem entsprechenden Gesuch vom Unterricht befreien lassen. Beliebt für Schnupperlehren sind die Sport- und Sommerferien im zweitletzten Schuljahr. Viele Schulen planen zudem feste «Schnupperwochen» ein.

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Unterschiedliche Menschen haben gemeinsam Spass. | © Pixabay

Drei Arten von Schnupperlehren

Schnuppern ist nicht gleich schnuppern. Es gibt drei verschiedene Arten von Schnupperlehren. Diese unterscheiden sich je nach Intention in Dauer und Ablauf:

  • Schnupperbesuch für die Berufswahl: Die Jugendlichen besichtigen den Betrieb einen Tag lang und lernen grundlegende Arbeiten rudimentär kennen, gewinnen aber nur einen oberflächlichen Einblick.
  • Schnupperlehre für die Berufswahl: An einem bis fünf Tagen arbeiten die Jugendlichen aktiv im Betrieb mit. Dabei lernen sie den Berufsalltag vertieft kennen und haben die Chance, den Angestellten Fragen zu stellen.
  • Schnupperlehre für die Lehrstellenbewerbung: Vergleichbar mit Probearbeiten. Lehrbetriebe laden Jugendliche ein, die sich auf eine Lehrstelle beworben haben und prüfen, ob sie sich für die Stelle eignen. 

Schnupperstelle finden

Am Anfang jeder Schnupperlehre steht ein Telefongespräch. Immerhin muss geklärt werden, ob der Wunschbetrieb diese Möglichkeit zum Kennenlernen eines Berufs überhaupt anbietet. Berufsberatung.ch bietet hierfür eine Checkliste mit den wichtigsten Fragen zum Download an. Es lohnt sich, Schnupperlehren bei einem Unternehmen zu absolvieren, das auch Lehrlinge ausbildet. So kann man sich nach dem Schnuppern gleich für einen Ausbildungsplatz bewerben. Eine Liste mit Lehrbetrieben, die für Schnupperlehrlinge offen sind, findest du hier oder in Berufsbildungszentren. Jugendliche können zudem bei ihren Eltern, Lehrpersonen oder Bekannten nachfragen, ob sie interessante Unternehmen kennen. Zeichnet sich ab, dass der Betrieb eine schriftliche Anfrage vorzieht, gilt es, eine Bewerbung zu verfassen. Diese ähnelt einer regulären Bewerbung, ist jedoch weniger umfangreich. In der Regel verlangen Betriebe ein Anschreiben, einen Lebenslauf sowie ein Motivationsschreiben. Das Amt für Jugend und Berufsberatung des Kantons Zürich stellt online einen Musterbrief für die Schnupperbewerbung zur Verfügung. Im Beitrag «Erfolgreich bewerben mit Behinderung» gehen wir zudem vertieft auf die Frage ein, ob man ein Handicap bereits in der Bewerbung erwähnen soll.

Tipps für die Schnupperlehre

Wenn alles geklappt hat und der Schnupperlehre nichts mehr im Wege steht, ist eine gute Vorbereitung wichtig. Die folgenden Tipps sorgen dafür, dass der Einblick in den Beruf ein voller Erfolg wird.

Vor der Schnupperlehre:

  • Über das Telefongespräch mit deinen Eltern, Lehrpersonen oder Kolleg:innen.
  • Informiere dich vorgängig über den Betrieb und allfällige Regeln oder Kleiderordnungen.
  • Merk dir den Namen deiner Ansprechperson und plane genug Zeit für die Ankunft ein.
  • Schreibe dir Fragen auf, die du den Vorgesetzten oder Mitarbeiter:innen stellen möchtest (zum Beispiel: Warum hat sich die Person für diesen Beruf entschieden? Was gefällt ihr besonders gut? Was nicht so? Wie sind die Arbeitszeiten?)
  • Bereite dich darauf vor, dass du manchmal «nur» zusehen wirst und mache dir bewusst, dass du auch dadurch einen guten Einblick in den Berufsalltag erhältst.

Während der Schnupperlehre:

  • Erscheine stets pünktlich und gepflegt.
  • Bitte die für dich verantwortliche Person darum, diesen Bericht auszufüllen. So erfährst du, welchen Eindruck du hinterlassen hast.
  • Erledige deine Aufgaben sorgfältig und frage nach, wenn du etwas nicht verstanden hast.
  • Melde dich bei deiner Ansprechperson, wenn du etwas erledigt hast. Wartest du, bis sie von selbst auf dich zukommt, verlierst du nur wertvolle Zeit.
  • Sei offen und frage ganz konkret nach, ob der Betrieb Lehrlinge mit Behinderungen einstellt.
  • Sammle möglichst viele Informationen über Beruf und Betrieb und halte diese schriftlich fest, zum Beispiel in einem Schnuppertagebuch.

Nach der Schnupperlehre:

  • Fülle den folgenden Fragebogen aus. Er kann dir dabei helfen, Gedanken zu sortieren und Pros und Contras der Erfahrung festzuhalten.
  • Kündige beim Schnupperbetrieb an, dass du dich gerne für eine Lehrstelle bewerben möchtest, wenn es sich um einen Ausbildungsbetrieb handelt und es dir gefallen hat. 
  • Sprich mit deinen Freund:innen, Eltern oder Lehrpersonen über die Schnupperlehre.
  • Lass dich nicht entmutigen, wenn dir Betrieb oder Beruf nicht gefallen haben! In der Schweiz gibt es über zweihundert Ausbildungsberufe, da ist bestimmt einer für dich dabei. Besuche Berufswahlmessen, unsere Lehrstellenbörse oder die kantonalen Berufsberatungs- und Informationszentren, um dich inspirieren zu lassen.
  • Weitere Informationen zum Thema findest du im Beitrag «Lehre für Menschen mit Behinderungen», im folgenden Q&A beantwortet einer unserer Expert:innen zudem häufige Fragen.

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