Die Krankschreibung ist ein wichtiger Teil der Burnout-Behandlung | © Unsplash

Krankschreibung bei einem Burnout

Menschen, die unter einem Burnout leiden, müssen oft krankgeschrieben werden. Doch was wird überhaupt unter einer Krankschreibung verstanden und wie wichtig ist ein solcher Eingriff für den Behandlungserfolg?

Personen, die von einem Burnout betroffen sind, leiden unter einer Reihe von einschneidenden Symptomen. Im vielen Fällen sind sie zumindest temporär oder sogar permanent nicht mehr in der Lage zu arbeiten. Deshalb stellt sich bei Burnout-Patienten und -Patientinnen oft die Frage, ob und zu welchem Grad ein Patient oder eine Patientin krankgeschrieben werden sollte. 

Was ist eine Krankschreibung überhaupt?

Eine Krankschreibung ist die ärztliche Feststellung einer gesundheitlich bedingten Arbeitsverhinderung. Diese kann nur durch eine ärztliche Fachperson, beispielsweise den Hausarzt oder die Psychiaterin, erfolgen. Bei einer Krankschreibung wird von der medizinischen Fachperson in einem Arztzeugnis die Ursache, der Beginn, die Dauer, und der Grad der Krankschreibung definiert. Letzterer kann von einigen wenigen Stellenprozenten bis zu einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit von 100 Prozent reichen.

Bei psychischen Erkrankungen und folglich auch bei einem Burnout wird meist eine besondere Art der Krankschreibung, die arbeitsplatzbezogene Krankschreibung, vorgenommen. Bei einer solchen bezieht sich die Krankschreibung ausschliesslich auf den konkreten Arbeitsplatz und nicht auf die Leistungsfähigkeit ausserhalb davon. Das heisst, dass betroffene Personen durchaus dazu berechtigt sind, währenddessen arbeitsplatzunabhängigen Tätigkeiten nachzugehen. Im Falle einer Krankschreibung aufgrund eines Burnouts ist dies sogar zu empfehlen, da dies Teil einer erfolgreichen Behandlung sein kann.

Krankgeschriebene Personen haben Anrecht auf eine zeitlich beschränkte Fortsetzung der Lohnzahlungen. Dies gilt auch für Personen, die aufgrund eines Burnouts krankgeschrieben wurden. Allerdings können krankgeschriebene Personen vom Arbeitgeber für alternative Tätigkeiten eingesetzt werden, sofern diese mit dem Arztzeugnis vereinbar, vorübergehend und zumutbar sind. Generell gilt für Krankgeschriebene auch ein Kündigungsschutz während der Zeitdauer der Krankschreibung. Dieser besteht aber nicht im Fall der arbeitsplatzbezogenen Krankschreibung, was für viele von Burnout betroffene Personen ein grosses Problem darstellt.

Nahaufnahme einer männlichen Hand, die ein Dokument unterzeichnet | © unsplash

Die Krankschreibung ist ein wichtiger Schritt für eine erfolgreiche Burnout-Behandlung. (Foto: Unsplash)

Die Relevanz einer Krankschreibung bei Burnout

Eine zumindest graduelle Krankschreibung ist bei einer Burnout-Therapie für den Behandlungserfolg essenziell. Denn da ein Burnout immer auch durch die Umstände beim und den Stress am Arbeitsplatz verursacht wird, muss auch zuerst an dieser Stelle angesetzt werden. Je nach Fortschritt des Burnout-Prozesses ist dabei ein unterschiedliches Ausmass an Arbeitszeitreduzierung nötig.

Umgekehrt ist es aber auch wichtig, dass betroffene Personen ihre Krankschreibung auch dafür nutzen, die vom Arbeitsplatz unabhängigen Ursachen des Burnouts zu bekämpfen und dass sie sich in eine professionelle Behandlung begeben. Eine Krankschreibungsperiode sollte nicht damit verbracht werden einfach abzuwarten, sondern stellt eine Möglichkeit dar, um an sich selbst und an seiner Lebenssituation zu arbeiten. Gleichzeitig ist es auch nicht zu empfehlen, die ärztlich diagnostizierte Krankschreibung zu ignorieren und Überstunden zu machen oder vorzeitig ins Arbeitsleben wiedereinzusteigen. Denn ein solches Verhalten unterläuft die Behandlungsstrategien direkt und verringert die Heilungschancen eines Burnouts massiv.

Die Burnout-Krankschreibungspraxis in der Kritik

Die gängige Praxis bei der Krankschreibung von unter Burnout leidenden Personen hat aber auch Kritiker. Diese kritisieren vor allem, dass Burnout-Patienten und -Patientinnen zu früh, zu lang und zu schnell zu 100 Prozent krankgeschrieben werden. Dies geschehe durch eine Art Beschützer-Reflex des ärztlichen Personals, das den Schutz der Patienten und Patientinnen vor weiterem Stress zu hoch gewichten würde. Auch wenn dies natürlich aufgrund guter Absichten geschieht, so ist das nach Ansicht der Kritisierenden nicht immer die beste Option, das Problem zu lösen.

Die Befürwortenden dieser These argumentieren stattdessen, dass es oft für alle Beteiligten besser wäre, die Arbeitslast in Absprache mit der Unternehmensseite nur auf eine Teilzeitbeschäftigung zu reduzieren. Denn so wird neben einer Reduzierung des Stresses auch ein beruflicher Wiedereinstieg nach der Burnout-Behandlung deutlich leichter und realistischer – und davon profitieren Arbeitnehmende und Arbeitgebende gleichermassen.


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