Ein Mann liegt auf einer Behandlungsliege und der Therapeut führt Übungen mit der Hand des Patienten aus. | © Pexel / Ryutaro Tsukata

Behandlung und Therapie von Dystonie

Die Symptome von Dystonien können durch verschiedene Behandlungsmöglichkeiten gelindert werden. Dystonien werden durch die Behandlung zwar nicht geheilt, jedoch ermöglicht eine Therapie eine Verbesserung der betroffenen Körperfunktionen. Dies erleichtert alltägliche Aktivitäten. Auch Schmerzen können durch eine geeignete Behandlung reduziert werden.

Welche Behandlung gewählt wird, ist unter anderem von der Dystonieform abhängig (lesen Sie dazu auch Dystonie – eine Krankheit mit vielen Formen). So ist bei fokalen Dystonien die Therapie mit Botulinum-Neurotoxin sehr wirksam. Aber auch bei zervikaler Dystonie, Blepharospasmus (Lidkrampf) und laryngealer Dystonie (Stimmkrampf) können die Symptome mithilfe von Botulinum-Neurotoxin gelindert werden. Wenn die betroffene Person nicht auf die Behandlung mit Botulinum-Neurotoxin anspricht, werden teilweise Medikamente zur oralen Einnahme verschrieben. Bei schwierigen Einzelfällen können auch operative Verfahren zum Einsatz kommen.

Botulinum-Neurotoxin-Therapie

Botulinum-Neurotoxin ist ein Sammelbegriff für mehrere neurotoxische Proteine (Nervengifte). Botulinum-Neurotoxin hemmt die Erregungsübertragung von den Nervenzellen zum Muskel, wodurch die Verkrampfung des Muskels schwächer wird oder ganz ausfällt. Der Wirkstoff wird direkt in die betroffene Muskulatur gespritzt. Dadurch wird der Muskeltonus (Muskelspannung) gesenkt.

Wie stark die Wirkung ist, hängt von der Dosis ab. Die Dosis wird individuell festgelegt aufgrund des Spannungs- und Funktionszustands der Muskulatur. Die Injektion muss in regelmässigen Abständen durchgeführt werden, da die Wirkung des Botulinum-Neurotoxins nach einigen Monaten nachlässt. Manchmal ist hier von Betroffenen Geduld gefragt, denn bis die ideale Dosis und der richtige Injektionsintervall gefunden wird, braucht es teils einige Behandlungen.

Behandlung mit Medikamenten

Wenn Betroffene zu wenig auf eine Therapie mit Botulinum-Neurotoxin ansprechen, kommt auch eine medikamentöse Behandlung der Dystonie in Frage. Die Neurologin oder der Neurologe verschreibt dazu muskelentspannende Medikamente in Tablettenform. Solche Medikamente (beispielsweise L-Dopa) greifen in die Funktion des Nervensystems ein. Wenn die Patientin oder der Patient unter Schmerzen leidet, werden auch Schmerzmittel verschrieben. Bei oral aufgenommenen Medikamenten müssen Betroffene mit erheblichen Nebenwirkungen rechnen, da solche Medikamente auf den gesamten Körper wirken. Oral aufgenommene Medikamente werden hauptsächlich bei generalisierten Dystonien angewendet, also Dystonien, die sich auf mehrere Körperregionen ausdehnen.

Operative Verfahren

Wenn die Therapie mit Botulinum-Neurotoxin oder Medikamenten erfolglos ist, kommen bei schweren Bewegungsstörungen operative Verfahren zum Einsatz. Dazu gehört beispielsweise die tiefe Hirnstimulation – umgangssprachlich auch «Hirnschrittmacher» genannt. Bei einer tiefen Hirnstimulation werden in einem neuro-chirurgischen Verfahren Sonden in das Gehirn eingesetzt und Stromstösse an das Gehirn abgegeben. Durch die Stromstösse werden krankhafte Gehirnaktivitäten gehemmt.

In ganz schweren Einzelfällen kommt es möglicherweise zu chirurgischen Eingriffen. Dabei ist wichtig, dass sich die betroffene Person und das ärztliche Fachpersonal über den Eingriff einig sind und der Entscheid gut überdacht ist.

Begleitende und alternative Therapien

Begleitende Therapien wie Physiotherapie, Logopädie, Ergotherapie oder Psychotherapie sind eine wichtige Ergänzung und können die Lebensqualität verbessern. Eine Physiotherapie kann bei diversen Dystonien die Bewegung von betroffenen Körperregionen verbessern. Gleichzeitig werden auch die gesunden Muskeln gestärkt. Logopädie hilft bei Menschen mit einer laryngealen Dystonie, also einem Kehlkopfkrampf, die Stimme zu stärken bzw. Schluckprobleme zu lindern. Bei Schreib- oder Musikerkrämpfen können mithilfe einer Ergotherapie die Bewegungsstörungen verbessert werden. Zum Beispiel können einfache Hilfsmittel wie ein anderes Schreibgerät bereits einen Unterschied machen.

Wenn die Dystonie Betroffene psychisch stark belastet, kommt möglicherweise eine Psychotherapie in Frage. Diese kann Betroffenen besonders beim Umgang mit der Krankheit und den Reaktionen vom Umfeld helfen.

An wen können sich Dystonie-Betroffene wenden?

Ärztliche Fachpersonen sind da, um Ihnen zu helfen. Deshalb ist ein offener Austausch wichtig. Die Diagnose und Therapie von Dystonie sollte zwischen Fachpersonen aus der allgemeinen Medizin, Neurologie, Physiotherapie und allenfalls Logopädie abgestimmt werden. Die Schweizerische Dystonie-Gesellschaft (SDG) bietet zudem Unterstützung für Betroffene und Angehörige. Interessierte können sich auch näher über die neue Patientenwebsite www.dystonie-info.ch über die Dystonie-Erkrankung sowie deren unterschiedliche Dystonie-Formen, die Diagnose von Dystonie und Behandlungsmöglichkeiten informieren. Des Weiteren hilft sie Betroffenen dabei, Dystonie-Spezialisten in ihrer Umgebung zu finden.

Mit freundlicher Unterstützung der Merz Pharma (Schweiz) AG


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