Ein Assistenzhund liegt im Wald auf dem Laubboden. | © Unsplash / Dzmitry Dudov

Wie komme ich zu einem Assistenz- oder Blindenführhund und wer bezahlt? Fragen und Antworten.

Assistenzhunde unterstützen Menschen mit Behinderungen im Alltag. Assistenzhunde können ganz verschiedene Aufgaben übernehmen. Zu den bekanntesten zählen Blindenführhunde, Assistenzhunde für Personen mit Mobilitätseinschränkung, Diabetes- und Epilepsiewarnhunde sowie Autismusbegleithunde. Doch was muss ich beachten, wenn ich überlege, einen Assistenzhund zu halten? Wie viel kostet ein Assistenzhund? Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um das Thema Assistenzhund finden Sie hier.

Wer mit dem Gedanken spielt sich einen Assistenz- oder Blindenführhund zuzulegen, stellt sich verschiedene Fragen. Lesen Sie mehr darüber was es bedeutet einen Hund zu halten, wie Sie zu einem Assistenzhund kommen und wie es finanziell geregelt ist.

Was ist ein Assistenzhund?

Assistenzhund ist ein allgemeiner Begriff für einen Blindenführ-, Signal- oder Assistenzhund, der speziell dafür ausgebildet ist, Aufgaben zu übernehmen, um die Person mit einer Behinderung bei alltäglichen Aufgaben zu unterstützen. Das Vorhandensein eines Hundes zum Schutz, zur persönlichen Verteidigung oder zum Trost qualifiziert diesen Hund nicht als Assistenzhund. Ein Assistenzhund ermöglicht eine höhere Lebensqualität und es ergeben sich teilweise auch soziale Kontakte, da durch den Hund Barrieren zu Mitmenschen abgebaut werden. 

Welche verschiedenen Assistenzhunde gibt es?

Es gibt Assistenzhunde mit verschiedenen Aufgaben. Die bekanntesten sind:

  1. Blindenführhunde

    Blindenführhunde sind Hunde, die Menschen mit einer Sehbehinderung helfen, Alltagswege eigenständig und sicher zu bewältigen. Blindenführhunde helfen beispielsweise beim Auffinden von Fussgängerstreifen, Ampelpfosten oder freien Sitzplätzen. Dadurch ermöglichen sie Menschen mit einer Sehbehinderung mehr selbständige Mobilität und sind nebenbei auch treue Begleiter. 

  2. Assistenzhunde für mobilitätseingeschränkte Personen

    Assistenzhunde für Personen mit Mobilitätseinschränkung helfen Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, mit alltäglichen Aufgaben. Zum Beispiel öffnet und schliesst ein Assistenzhund Türen oder Schubladen, hebt Gegenstände vom Boden auf, räumt Wäsche ein und aus, betätigt Lichtschalter und vieles mehr. Aber ein Assistenzhund ist auch ein ständiger Begleiter und erleichtert es, neue Kontakte mit anderen Menschen zu knüpfen. Lesen Sie hier mehr über Assistenzhunde.

  3. Diabetikerwarnhunde

    Diabetikerwarnhunde reagieren, wenn die Blutzuckerwerte zu tief oder hoch sind. Sie warnen Menschen mit Diabetes vor einer drohenden Unter- oder Überzuckerung, bevor diese tatsächlich eintritt. Diese Warnfähigkeit besitzen nur sehr wenige Hunde und sie kann nicht erlernt werden. Weitere Informationen finden Sie beim Schweizerischen Assistenzhunde-Zentrum.

  4. Epilepsiewarnhunde

    Epilepsiewarnhunde helfen Menschen mit Epilepsie und warnen sie vor Anfällen. Dadurch erhalten Epiletiker:innen mehr Sicherheit und Selbständigkeit. Gleich wie bei den Diabetikerwarnhunden ist die Warnfähigkeit nicht erlernbar, entweder ein Hund besitzt sie oder nicht. Weitere Informationen finden Sie beispielsweise unter Epidogs for Kids.

  5. PTBS-Assistenzhunde

    PTBS-Assistenzhunde sind keine Therapiehunde, sondern zählen ebenfalls zu den Assistenzhunden. Sie begleiten Menschen mit einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) und helfen, Einschränkungen im Alltag zu mindern. Sie geben Menschen mit PTBS draussen Sicherheit und helfen, andere Menschen auf Abstand zu halten. PTBS-Assistenzhunde können beispielsweise auch helfen, Dissoziationen zu unterbrechen, bei Albträumen Licht machen und durch ihre Nähe beruhigen.

  6. Autismusbegleithunde für Kinder

    Autismusbegleithunde begleiten das autistische Kind sowie seine Familie im Alltag und schützt es vor Gefahren. Das Kind ist über einen Gurt mit dem Hund verbunden und ein Elternteil führt den Hund an der Leine. So kann der Hund beispielsweise das Kind stoppen, bevor es auf die Strasse rennt. Zudem ist der Hund für das Kind eine emotionale Stütze im Alltag. Langfristig kann ein Autismusbegleithund dem Kind helfen, die Umwelt besser wahrzunehmen und dadurch möglichst selbständig zu werden. Weitere Informationen finden sich bei der Schweizerischen Schule für Blindenführhunde Allschwil.

  7. Vertrauenshunde für Autisten

    Vertrauenshunde sind speziell ausgebildete Hunde, die Menschen mit Autismus begleiten. Dies ermöglicht autistischen Menschen, den Alltag ohne die sonstigen Überforderungen zu bewältigen, beziehungsweise diese Überforderungen zu mindern. Der Vertrauenshund kann beispielsweise die Folgen von Wahrnehmungs-Überreizungen kompensieren. 

Wie komme ich zu einem Assistenzhund?

Als Erstes sollten Sie ein seriöses Assistenzhunde-Programm suchen. Unterstützung bietet zum Beispiel Assistance Dogs International (ADI), die akkreditierte Mitglieder haben. In der Schweiz sind die Mitglieder von ADI Le Copain und die Schweizerische Schule für Blindenführhunde Allschwil. Jedes Programm hat seine eigenen Anforderungen für die Ausbildung und Vermittlung von Assistenzhunden an künftige Halter:innen. Sie unterscheiden sich durch die Art der Hunde, die sie ausbilden, ihr Vermittlungsgebiet, ob sie einen eigenen Hund ausbilden, die Struktur ihres Ausbildungsprogramms und die finanziellen Mittel. Bei einigen Anbietern bekommen Sie einen fertig ausgebildeten Assistenzhund. Eine Alternative ist, dass Sie die Ausbildung zum Assistenzhund mit einem Welpen beginnen. 

Bevor Sie einen Assistenzhund erhalten, wird in der Regel eine Abklärung gemacht. Dabei wird unter anderem Ihr Tagesablauf geklärt und Ihr Wohnort besucht. Bei manchen Ausbildungsstätten bekommen Sie einen Assistenzhund auf Probe zur Seite gestellt. Dabei werden auch verschiedene Abläufe wie das Füttern und die Pflege des Hundes geübt. So können Sie erleben, wie es ist, einige Tage das Leben mit einem Assistenzhund zu verbringen. Aufgrund der vielen Abklärungen, die im Vorhinein gemacht werden müssen, kann es vom ersten Kontakt mit einer Ausbildungsstätte bis zum Einzug des Assistenzhundes bis zu zwei Jahre dauern. Denn zuerst muss für die Person der passende Hund gefunden werden. Die anschliessende Ausbildung des Hundes ist ausgerichtet auf die spezifischen Bedürfnisse der Halterin oder des Halters.

Was muss ich beachten, wenn ich mir überlege, einen Assistenzhund zu halten? Gibt es konkrete Anforderungen, die ich als Halter:in erfüllen muss?

Natürlich sollten Sie sich zuerst aber gut überlegen, ob Sie in der Lage sind, über mehrere Jahre hinweg die Verantwortung für einen Hund zu übernehmen und diesen artgerecht zu halten (Lesen Sie dazu: Freunde fürs Leben – Haustiere können wertvolle Begleiter sein). Dazu müssen Sie in der Lage sein, verständlich zu kommunizieren oder deutliche Handzeichen zu geben. Zudem sollten Sie fähig sein, den Hund möglichst selbstständig zu betreuen und mit ihm alleine unterwegs zu sein. Je nach Grad der Beeinträchtigung ist zudem wichtig, dass Personen im Umfeld mit der Betreuung des Hundes helfen können.

Wenn Sie sich für einen Assistenzhund entscheiden, müssen Sie sich überlegen, ob Sie einen fertig ausgebildeten Assistenzhund möchten oder ob Sie einen Hund in Selbstausbildung oder in gemischter Ausbildung ausbilden wollen. Ein fertig ausgebildeter Assistenzhund bleibt während des ganzen Trainings in der Ausbildungsstätte. Bei einer Selbstausbildung sucht die Person sich den Hund selbst aus. Dieser wird dann in regelmässigen Trainings mit Unterstützung der Ausbildungsstätte ausgebildet. Bei der gemischten Ausbildung erfolgt die Wahl des Hundes und die Grundausbildung durch die Ausbildungsstätte. Danach bildet der oder die Halter:in den Hund bei sich zu Hause mit Unterstützung weiter aus.

Wie sieht es finanziell aus? Wie viel kostet ein Assistenzhund und woher bekomme ich finanzielle Unterstützung?

Die meisten von ADI akkreditierten Mitglieder erhalten finanzielle Unterstützung von Spender:innen. Dadurch können die Mitglieder ihre Assistenzhunde häufig zu niedrigen Preisen oder kostenlos anbieten. Jedoch haben alle Mitglieder ihre eigenen Gebühren. Dazu gehören teilweise auch Bewerbungsgebühren, Gebühren für die Ausbildung, Reisekosten, usw. Manche Organisationen unterstützen ihre Kund:innen beim Finanzieren eines Assistenzhundes.

Wer sich bei der Schweizerischen Schule für Blindenführhund meldet, erhält einen Assistenzhund kostenlos. Im Gegenzug bleibt der Hund im Besitz der Schule. Bei anderen Anbietern gibt es verschiedene Finanzierungswege. Die IV leistet bei Erwachsenen mit schwerer Körperbehinderung, die eine Hilflosenentschädigung mittleren oder schweren Grades beziehen und zu Hause wohnen, einen Kostenbeitrag von 15’500 Franken. Ausserhalb der Regelung der Hilfsmittelverordnung finanziert die IV Assistenzhunde unter Umständen teilweise mit. In manchen Fällen übernehmen Stiftungen die übrigen Kosten. Wenn Sie keinen Anspruch auf einen Kostenbeitrag der IV haben, ist eine weitere Option, mithilfe eines privaten Spendenaufrufs selber Spenden zu sammeln.

Muss ich für meinen Assistenzhund bezahlen, wenn er mich im Zug begleitet?

Assistenzhunde im Einsatz werden in der Schweiz gratis im Zug befördert – sowohl in der 1. als auch in der 2. Klasse. Damit Sie die Fahrvergünstigungen beanspruchen können, gelten folgende Voraussetzungen:

  • Die Begleitperson eines Assistenzhundes muss im Besitz eines gültigen Fahrausweises sein.
  • Die Begleitperson des Hundes muss im Besitz einer speziellen Ausweiskarte für Assistenzhunde sein.
  • Assistenzhunde müssen mit einer speziellen Marke am Halsband gekennzeichnet sein.
  • Blindenführhunde müssen mit einer Schabracke (Gstältli) der ausbildenden Institution sowie mit einer speziellen Marke am Halsband gekennzeichnet sein.

Eine Ausweiskarte für ihren Assistenzhund erhalten Sie im Normalfall von der Organisation, die den Assistenzhund ausbildete. Mehr Informationen dazu finden Sie auf SBB.ch unter «Vergünstigungen für Assistenzhunde».
 


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