Nacken- und Schulterbehandlung beim Physiotherapeuten | © Jesper Aggergaard/unsplash

Spastik bei Multipler Sklerose (MS)

Ein typisches Symptom der Multiplen Sklerose (MS) ist die Spastik. Damit bezeichnet man eine erhöhte Muskelspannung und damit verbundene schmerzhafte Verkrampfungen der Muskulatur (Spasmen). Spastik kann den Alltag und das Wohlbefinden von MS-Betroffenen beeinträchtigen. Was lässt sich dagegen tun?

Mehr als 30 Prozent aller an Multiple Sklerose (MS) erkrankten Menschen leiden unter einer schweren Spastik, weitaus mehr sind von einer leichten Form betroffen. Damit gehört die Spastik zu den häufigsten Begleiterscheinungen der Multiplen Sklerose. Die Ausprägung reicht von Beeinträchtigungen der Muskelkraft und Feinmotorik bis hin zur kompletten Lähmung.

Ausprägung der Spastik bei MS ist sehr unterschiedlich und nicht immer sichtbar

Die Ausprägung der Spastik ist sehr unterschiedlich. Sie reicht von einer Beeinträchtigung der Muskelkraft und Feinmotorik bis hin zur kompletten Lähmung. Ersichtlich wird das beispielsweise, wenn eine betroffene Person ihren Arm nur noch in der Beugung halten kann oder das Bein beim Gehen nachzieht. Gleichwohl ist eine Spastik nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. Sie kann auch an Stellen entstehen, an denen es nicht offensichtlich ist – beispielsweise in der Beckenbodenmuskulatur oder der Rückenmuskulatur.

Durch die Spastik werden zahlreiche Körperfunktionen beeinträchtigt und einige Erkrankungen erst ausgelöst. So kann es beispielsweise zu Atemwegsinfektionen kommen, wenn Betroffene aufgrund der erhöhten Muskelspannung nicht genügend durchatmen können. Druckgeschwüre können entstehen, wenn Betroffene nicht in der Lage sind, sich richtig zu bewegen. Sind Rachen- und Gesichtsmuskulatur betroffen, führt das mitunter zu Schluckbeschwerden und Sprachstörungen. Wenn es zu Beeinträchtigungen der Blase oder des Darms kommt, erleben Betroffene häufig ein Gefühl der Scham, sind auf Hilfe angewiesen und ziehen sich zurück. Das führt zu sozialer Isolation – einem der grössten Probleme, das mit chronischen Erkrankungen wie der Spastik bei Multipler Sklerose verbunden ist.

Wandern | © Pixabay

Eine Spastik sorgt oft für Mühe beim Gehen. (Foto: Pixabay)

Die Auslöser einer Spastik vermeiden und Mängel gezielt beheben

Es gibt eine Reihe von Faktoren, die eine Spastik auslösen und verstärken können. Hierzu zählen beispielsweise eine volle Blase, Verdauungsstörungen, Schmerzen oder auch ein falsch angepasster Rollstuhl. Kennt man die Auslöser, lassen sich die Auswirkungen der Spastik besser kontrollieren. So führen beispielsweise die Bekämpfung von Schmerzen und ein individuell auf die Patientin bzw. den Patienten angepasster Rollstuhl zu einer Reduzierung der Spastik.

Behandlung: Physiotherapie und Medikamente

Spastiken, wie sie auch bei Multipler Sklerose auftreten, lassen sich gut behandeln (lesen Sie dazu auch mehr über Behandlung und Therapie bei Spasmen). So wenden Fachleute aus der Medizin häufig eine Stufentherapie an. Bei dieser wird zunächst mit Physiotherapie begonnen und im Bedarfsfall schliesst sich eine medikamentöse Behandlung an. Es gibt eine Vielzahl von Techniken, mit denen Fachpersonen aus der Physiotherapie eine erhöhte Muskelspannung behandeln können, sodass der Tonus gesenkt wird und die Bewegungsfähigkeit der betroffenen Person erhalten bleibt oder gar zunimmt. Hierzu zählen unter anderem die manuelle Therapie, Physiotherapie nach Bobath oder die medizinische Trainingstherapie.

Welche Massnahmen für Menschen mit Multipler Sklerose geeignet sind und wie sie kombiniert werden können, muss im Einzelfall vom ärztlichen und therapeutischen Fachpersonal entschieden werden. Zusätzlich zur Physiotherapie können auch Medikamente eingesetzt werden, um die Muskelspannung zu senken. Hierbei stehen einerseits Präparate zur Verfügung, die oral verabreicht werden, andererseits gibt es Medikamente, die direkt in den betroffenen Muskel injiziert oder dem Nervenwasser beigegeben werden.

Die Herausforderung bei der medikamentösen Behandlung einer Spastik besteht darin, die richtige Dosierung zu finden. Wird das Medikament zu sparsam eingesetzt, ist die Wirkung nicht ausreichend, wird zu viel von einem Wirkstoff verabreicht, kann das dazu führen, dass die spastische Extremität schwach wird. Um einen individuellen Behandlungsplan zu erstellen und den grösstmöglichen Erfolg zu erzielen, prüfen Ärztinnen und Ärzte ausserdem, zu welchem Zeitpunkt eine betroffene Person die Medikamente am nötigsten hat.

Eigeninitiative trägt zum Wohlbefinden bei

Um die Spastik zu lindern, sollten Betroffene sich aber nicht allein auf ärztliches und physiotherapeutisches Fachpersonal verlassen. Eigeninitiative hilft, um die Symptome der Erkrankung zu lindern und das Wohlbefinden zu steigern. Regelmässiges Training, etwa auf dem Laufband oder durch Fahrrad fahren, sorgt dafür, dass die Muskeln bewegt und der Tonus gesenkt wird. Dehnungsübungen tragen zusätzlich dazu bei, die Muskulatur zu lockern und zu entspannen. Schliesslich ist es ratsam, die Auslöser einer Spastik herauszufinden und zu vermeiden.


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