Eine Person hält die Hand einer anderen.

Hilflosenentschädigung und Intensivpflegezuschlag

Wer ein Kind mit Cerebralparese oder einer anderen Behinderung zu Hause pflegt (oder dies neben der Heilpädagogischen Schule auch nur tageweise bei sich zuhause in Obhut hat), hat Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung (HLE) und eventuell auch auf einen Intensivpflegezuschlag (IPZ). Doch wie unterscheiden sich diese und was muss man beachten?

Beide Ergänzungsleistungen sollten möglichst früh bei der Invalidenversicherung (IV) beantragt werden, um nicht rückwirkend Leistungen einfordern zu müssen. Denn rückwirkend können Leistungen nur 12 Monate gefordert werden. Hier finden Sie eine Liste der IV-Stellen nach Kantonen geordnet. 

Die Hilflosenentschädigung (HLE) 

Die HLE wird als Tagespauschale an die betroffenen Familien ausbezahlt – unabhängig davon, ob den Familien durch Mithilfe Dritter Kosten entstanden sind. Die HLE dient also auch als Abgeltung des eigenen Mehraufwands und ermöglicht damit den Eltern, ihre Erwerbstätigkeit zugunsten der Betreuung ihrer Kinder mit Behinderungen zu reduzieren. Diese Ergänzungsleistung wird quartalsweise nach Einreichen des Gesuchsformulars ausbezahlt. Diese HLE muss im Kanton des Bittstellers angefordert werden.

Die Höhe der Hilflosenentschädigung (sie ist dreistufig leicht/mittel/schwer gegliedert) richtet sich nach einem Gutachten, welches von einer speziell geschulten Abklärungsfachkraft der IV bei der betroffenen Familie, durchgeführt wird. Dabei wird der Aufwand für die tägliche Versorgung von sechs alltäglichen Lebensverrichtungen (siehe Liste unten) festgelegt.

Die drei Grade der Hilflosenentschädigung 

Leichte Hilflosigkeit besteht, wenn die Person trotz Abgabe von Hilfsmitteln in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen (LV) regelmäßig auf Dritthilfe angewiesen ist, einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf oder eine durch das Gebrechen bedingte, besonders aufwändige Pflege benötigt. Weiter, wenn die Person aufgrund einer schweren Sinnesschädigung oder eines schweren körperlichen Gebrechens nur dank regelmäßiger und erheblicher Dienstleistungen Dritter, gesellschaftliche Kontakte pflegen kann. Die Tagespauschale liegt bei CHF 15.80.

Mittelschwere Hilflosigkeit besteht, wenn die Person trotz Abgabe von Hilfsmittel in mindestens vier alltäglichen LV regelmäßig auf die Hilfe Dritter angewiesen ist oder in mindestens zwei alltäglichen LV regelmäßig auf Dritthilfe angewiesen ist und überdies einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf. Die Tagespauschale liegt bei CHF 39.50.

Schwere Hilflosigkeit besteht, wenn eine Person in allen von der Praxis anerkannten sechs alltäglichen Lebensverrichtungen regelmäßig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies der dauernden Pflege oder der persönlichen Überwachung im gesamten Tagesablauf bedarf. Die Tagespauschale liegt bei CHF 63.20.
 
Achtung vor Revisionen: die Beträge sind auf dem Stand des 01. Januar 2019, können sich bei allfälligen Revisionen aber schnell wieder ändern.

Die Tagespauschalen der Hilflosenentschädigung liegen zwischen CHF 15.80 bis CHF 63.20 pro Tag. (Foto: Unsplash)

Die sechs alltäglichen Lebensverrichtungen

Wie bereits erwähnt, gibt es eine Liste mit sechs alltäglichen Lebensverrichtungen die für die Berechnung des Hilflosigkeitsgrades verwendet werden. Zu diesen Lebensverrichtungen gehören:

  • Das Aufstehen, Absitzen und Abliegen 
  • Das Ankleiden und Auskleiden 
  • Das Essen (Nahrung zerkleinern, Nahrung zum Mund führen, Nahrung ans Bett bringen) 
  • Die Körperpflege (Waschen, Kämmen, Rasieren, Baden/Duschen) 
  • Das Verrichten der Notdurft (Ordnen der Kleider, Körperreinigung, unübliche Art der Verrichtung der Notdurft) 
  • Die Fortbewegung (in der Wohnung, im Freien) und Pflege gesellschaftlicher Kontakte

Der Intensivpflegezuschlag (IPZ)

Bei Minderjährigen, die eine besonders intensive Betreuung benötigen, gewährt die IV zusätzlich einen Intensivpflegezuschlag (IPZ). Eine intensive Betreuung ist gegeben, wenn täglich eine behinderungsbedingte Betreuung von durchschnittlich mindestens 4 Stunden benötigt wird.   
Anrechenbar ist in diesem Zusammenhang der Mehrbedarf an Behandlungs- und Grundpflege im Vergleich zu Kindern ohne Behinderung gleichen Alters. Unter die Behandlungspflege fallen z.B. physiotherapeutische Übungen, pflegerische Maßnahmen bei Störungen der Blasen- oder Darmentleerung oder Maßnahmen zur Atemtherapie. Als Grundpflege wird die Hilfe beim Aufstehen, Absitzen oder Abliegen, beim Anziehen und Ausziehen, bei der Körperpflege, beim Toilettengang sowie beim Essen berücksichtigt. Auch der Aufwand bei der Begleitung zu medizinischen Abklärungen und Therapiebesuchen wird angerechnet.

Vorsicht: Nicht angerechnet wird der Zeitaufwand für ärztlich verordnete medizinische Behandlungen, welche durch medizinisches Hilfspersonal vorgenommen werden, sowie für pädagogisch-therapeutische Maßnahmen (Aufenthalte der Kinder in Spezialschulen oder Heime).

Die drei Grade des Intensivpflegezuschlags (IPZ)

Wie bei der Hilflosenentschädigung gibt es auch beim Intensivpflegezuschlag drei Grade mit jeweiligen Tagesätzen. Die betroffenen Person erhält: 

  • CHF 15.70 pro Tag bei einer anrechenbaren Betreuung von min. 4 Stunden 
  • CHF 31.30 pro Tag bei einer anrechenbaren Betreuung von min. 6 Stunden 
  • CHF 47.00 pro Tag bei einer anrechenbaren Betreuung von min. 8 Stunden

Antrag via Formular – ein wiederkehrendes Ereignis 

Diese für Familien so wichtigen Unterstützungsbeiträge werden von den Bittstellern selber mittels einer elektronischen oder ausdruckbaren Liste quartalsweise bei der jeweiligen IV-Stelle beantragt. Die Beiträge können am Ende eines Quartals rückwirkend geltend gemacht werden. Achten Sie dabei auf korrekte Angaben und Vollständigkeit des Gesuches. Die Seite umfasst ein A4-Blatt. 

Was gehört auf das HLE/IPZ-Gesuchsformular?

Das Gesuchs-Formular ist als PDF druckbar oder auch als elektronisches Formular ausfüllbar. Die wichtigen Daten wie AHV-Nummer, NIF-Nummer und Personen- sowie Adressangaben sind immer dieselben – auf jedem Gesuch. Die Anzahl Tage, welche das Kind im Heim oder in einer Institution verbracht hat, werden aufgelistet. An jenen Tagen steht kein finanzieller Anspruch zu. An Tagen und Nächten, an denen das Kind zuhause ist, werden die HLE- und IPZ-Ansätze eingesetzt. 

Wichtig: Nur bei der Pflege zuhause steht der betroffenen Familie eine volle Entschädigung zu. Sollten für Therapien auch Fahrten nötig sein (mit dem ÖV oder mit einem PKW), können diese Kosten separat geltend gemacht werden. Therapien wie Hippotherapie und andere mehr gehören ebenfalls zu den Bereichen die von den Leistungen abgedeckt werden. Die genauen Regelungen zur HLE und zur IPZ finden Sie hier

Die Seite 2 des Gesuchs-Formulars (Download-Link oben) bietet zudem eine hilfreiche Erklärung für das Ausfüllen der Felder. Sollten Sie noch weitere Fragen zu diesen Ergänzungsleistungen verfügen, steht Ihnen bei der IV Ihre Beraterin/Ihr Berater zur Seite.