Eine Person trainiert auf dem Laufband, wobei man nur die Unterschenkel und Turnschuhe sieht. | © Pexels / Andrea Piacquadio

Sportliche Aktivitäten neu erleben – ein Erfahrungsbericht über das Training mit Armprothese aus dem 3D-Drucker

Monika hat von Geburt an einen verkürzten Unterarm. Das ist für sie aber kein Grund, sich in irgendeiner Weise einschränken zu lassen. Heute ist Monika 71 Jahre alt, zeichnet liebend gern und ist ein grosser Fan von Sport und Bewegung. Sei es Tanzen, Spinning oder andere Übungen im Fitnesscenter. Sie ist sehr aktiv, viel mit Freunden unterwegs und probiert gerne neue Aktivitäten aus. In ihrem inspirierenden Erfahrungsbericht schildert sie welchen Zusatznutzen sie durch die Verwendung von speziellen Prothesen-Aufsätzen erlebt, nachdem sie sehr viele Jahre ohne Hilfsmittel ihren sportlichen Aktivitäten nachgegangen ist.

Viele Jahre habe ich für mich kein passendes Hilfsmittel gefunden. Aber seit kurzem ist alles anders, denn ich habe zwei neue tolle «Freunde» gewonnen. Sie heissen «BIKE» und «TWIN». Für die einen sind es Prothesen, für mich sind es wunderbare Hilfsmittel, dank denen ich wieder aktiv sein kann. Sie sind aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken.

«Dass ich mit meinem Prothesenaufsatz «BIKE» nun wieder Spinning machen kann, ist ein grossartiges Gefühl.»
Monika

Was ist anders als vorher? Seit mehreren Monaten benutze ich das Prothesen-System aus dem 3D-Drucker. Es ist auf meinen Arm angepasst, modular. Das heisst, ich kann verschiedene Prothesen-Aufsätze verwenden. Es ist schön designed (ich habe es gerne bunt), sehr leicht und kreativ einsetzbar. Ich finde ständig neue Aktivitäten, die ich mit lediglich zwei Armprothesen, respektive Aufsätzen, durchführen kann (lesen Sie mehr über 3D-Druck als Möglichkeit Prothesen für vielfältige Aktivitäten herzustellen). Ich bin 71 und fühle mich durch das Fitnesstraining mit diesen Hilfsmittel fit und lebendig.

Das Fitnesstraining bringt Freiheit, Freude und unendlich viel guter Laune mit sich

Endlich habe ich wieder meinen Weg zum  gefunden. Ich habe es viele Jahre nicht praktiziert, weil es ohne geeignetes Hilfsmittel keinen Spass mehr gemacht hat. Dass ich diesen Sport nun ausüben kann, und zwar mithilfe des «BIKE», ist ein grossartiges Gefühl. Ich kann es fast nicht beschreiben. Es ist, wie wenn sich eine neue Welt für mich aufgetan hätte. Ein Gefühl von Freiheit, Freude und unendlich viel gute Laune. Und Dankbarkeit. Das Prothesen-Teil ist zuverlässig, stabil und dennoch beweglich. Besonders, wenn es bergauf geht, bewegt sich auch der Oberkörper stark mit. Die Arme müssen den Lenker «fest im Griff» haben. Dieser feste und zuverlässige Griff ist gewährleistet. Dabei ist natürlich die Beweglichkeit des Griffs eine grosse Hilfe. Er verhält sich ähnlich wie ein echtes Handgelenk. Eine Übung beim Spinning ist, dass man während des Fahrens in den Stand geht und stehend weiter trampelt. Das ist natürlich eine sehr starke Belastung für Arme und Hände. Auch diese Übung konnte ich sehr gut machen. 

Ich kann sportliche Aktivitäten ganz neu erleben

Eine Anwenderin mit Handprothese beim Training auf dem Sensopro. | © Monika Sauerteig

Es gibt Fitnessgeräte, die Monika wegen ihres verkürzten Unterarmes nicht ausprobieren konnte, da man dafür beide Hände benötigt. Dank ihrer Armprothese «TWIN» kann sie nun auch auf dem Sensopro trainieren. (Foto: Monika)

Ohne Zuhilfenahme der rechten Hand kann ich meine neue Armprothese angenehm an den Spinning-Lenker ansetzen, aber auch wieder lösen. Ganz neu erleben heisst für mich «links-autonom» Spinning machen. Aber es ist auch toll, dass ich nun einige Dinge neu ausprobieren kann, weil die Hilfsmittel vielseitig einsetzbar sind. Beispielsweise verwende ich einen anderen Aufsatz, das «TWIN», für das aktive Training an Fitnessgeräten.

Eine ganz neue Erfahrung ist für mich das Training am Sensopro. Das ist eine neue Maschine, mit der man den gesamten Muskelapparat schön trainieren kann. Bisher hatte ich keinerlei Möglichkeit es mal auszuprobieren, denn man muss zweihändig an Gummizügen ziehen. Ich habe es dann einfach mal mit dem «TWIN» ausprobiert und es funktioniert genial. Ich kann das Gummiseil einhängen und ziehen. Die Übungen haben bereits einen super Trainingseffekt für meinen kurzen Arm und es ist insgesamt ein schönes Bewegungstraining für die Schultern. 

Es ist angenehm, dass mein kurzer Arm nicht «im Nichts» baumeln muss

Es gibt recht viele Trainingseinheiten, bei denen die Arme nichts machen müssen. Beispielsweise bei der Verwendung der Beinpresse, Brust- und Rückenbeuger sowie Abduktions- und Adduktionsmaschine. Für diese Maschinen braucht man keine Arme. Es ist dennoch angenehm, dass mein kurzer Arm nicht im Nichts baumeln muss, sondern sich mithilfe des Hilfsmittels abstützen kann wie der «grosse Rechte» das auch macht. Bei diesen Trainings liegen die Arme locker auf den Oberschenkeln. Das ergibt eine schöne, bequeme, aufrechte Haltung. Desgleichen bräuchte ich das Hilfsmittel eigentlich nicht fürs Laufband oder für den Zumba-Kurs. Streng genommen hat eine Prothese hierfür keine Funktion. Aber das Tragen der Hilfsmittel wirkt sich positiv aus. Ich stelle fest, dass ich durch das Mitschwingen der Armprothese ein gutes Training und Kräftigung meines kurzen Armes bewirke. Aber vermutlich insbesondere dadurch, weil die Länge und das Gewicht des ganzen Teils genau richtig sind. Man spürt, dass Gewicht dran ist, doch ist es andererseits so leicht, dass es sich nicht anstrengend anfühlt, es zu tragen.

Es hat sich tatsächlich etwas verändert

Eine Anwenderin mit Handprothese beim Zumba. | © Monika Sauerteig

Auch wenn die Prothese beim Zumba keine Funktion hat, ist das Tanzen durch das Mitschwingen der Armprothese viel angenehmer. (Foto: Monika)

Auf dem Laufband laufe ich nun anders. Links läuft es sich genauso kräftig wie rechts. Offensichtlich bin ich vorher mit dem linken Bein weniger stark aufgetreten. Ich laufe mit dem Hilfsmittel jetzt gleichmässig und schön rund. Es ist ein ausgewogener Bewegungsablauf. Super! Und genauso erlebe ich es beim Zumba und anderen Beweglichkeitstrainings. Durch das Mitschwingen der Armprothese habe ich festgestellt, dass ich jetzt ganz anders tanze. Viel leichter und schneller. Die linke und die rechte Körperhälfte sind in Balance. Ich fühle mich nicht so «tramplig». Ich kann mich wunderbar verausgaben und fühle mich leicht und elegant. Ginger Rogers beim Zumba. 

So ergeht es mir nun auch beim klassischen Beweglichkeitstraining. Das Beweglichkeitstraining ist für ältere Menschen angelegt. Es geht um Koordination, Kräftigung und eben Beweglichkeit. Die Arme werden tüchtig gebraucht. Es ist eine tolle Erfahrung, dass «der Kurze» bei den Übungen mitmachen kann. Die Bewegungsabläufe sind geschmeidiger und schön «rundläufig». Links und rechts ist ausgeglichen. Ich fühlte mich bei allen Übungen «mittig». Also weder rechts- noch linkslastig. Einfach schön ausgewogen. Das ist ein richtiger Genuss.

Wir danken Monika herzlich für den spannenden Erfahrungsbericht.


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