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Das zweite Leben des Dr. Nils Jent

Nils Jent, Leiter des Diversity Center des Instituts für Führung und Personalmanagement (IFPM) an der Universität St. Gallen, ist eine durch und durch beeindruckende Persönlichkeit. Am 26. September 2011 wurde mit «Unter Wasser atmen» ein Film über sein Leben am Zurich Film Festival 2011 gezeigt.

Foto eines Waldes mit Bäumen und Gräsern. | © pixabay

Seit einem Unfall lebt Nils Jent mit Behinderungen, entmutigen lässt er sich davon nicht. (pixabay)

Es gibt Menschen, die einen innerhalb weniger Momenten tief beeindrucken können, durch ihre Erfahrungen, durch ihr Leben und ihre Geschichte. So auch Nils Jent. Der Professor der Betriebswirtschaft, überlebte mit achtzehn Jahren einen schweren Motorradunfall, mit weitreichenden Folgen.

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Ein Mann hält den Daumen hoch. | © pexels

Ein zweites Leben

Als Jent vier Wochen nach dem Unfall aus dem Koma erwachte, konnte er sich nicht bewegen, war blind geworden und hatte seine Sprechfähigkeit verloren. Doch Schritt für Schritt kämpfte er sich ins Leben zurück. Trotz seiner Behinderung lernte er nicht nur weitgehend selbständig zu leben, sondern schlug auch eine akademische Laufbahn ein.

«Wo wäre ich heute, wenn ich damals stehen geblieben wäre – im sinnlosen Nachsinnen und der Frage nach dem Warum? Eine Frage, auf die es nie eine Antwort geben wird», sinniert Jent. Er lotete die neuen Grenzen seines Körpers aus und setzte konsequent auf das, was unversehrt geblieben ist: seine Intelligenz. Damit baut er sich ein zweites Leben auf, das auch namensgebend war für den Film «Unter Wasser atmen – Das zweite Leben des Dr. Nils Jent».

Doch nicht nur im Film kommt er zu Wort. Der Schweizer Moderator Röbi Koller verfasste mit «Ein Leben am Limit» ein spannendes Buch über Nils Jent und seinen aussergewöhnlichen Werdegang. Dieses Buch ist beim Verlag Wörtersee erschienen.   

Lernen von der Vielfalt

Ursprünglich wollte Jent wie viele andere Jungs Pilot oder Architekt werden. Doch schliesslich wandte er sich der Betriebswirtschaft zu und liess seine persönlichen Erfahrungen mit Behinderung hineinfliessen. In seiner Doktorarbeit zeigte er erstmals auf, wie sich durch die Zusammenarbeit von Behinderten und Nichtbehinderten nicht nur soziale, sondern auch wirtschaftliche Vorteile ergeben könn(t)en. Heute gehört er dem Team des Center for Disability and Integration (CDI) der Universität St. Gallen an, dem Partnerinstitut der Stiftung MyHandicap. Seinen grössten Erfolg sieht er selbst allerdings darin, dass er nie aufgegeben hat. Eine Erfolgsgeschichte, die Ihresgleichen sucht, wie man an seinem Lebenslauf unschwer erkennen kann.

«Jent besitzt aussergewöhnliche Kreativität und intuitives Arbeiten in Kombination mit analytischer Brillanz, Merkfähigkeit und Genauigkeit», so ein Kollege über ihn. Das ist genau richtig für seine Aufgabe im Kompetenzbereich «Learning from Diversity». Dort legt man den Fokus auf die speziellen Fähigkeiten von ganz verschiedenen Menschen, auch von Menschen mit Behinderungen. Dass natürlich auch sie – selbst mit einer schweren Mehrfachbehinderung – durchaus ihren Beitrag in der Arbeitswelt leisten können, zeigt Jent direkt am eigenen Beispiel.

Ein ganzes Leben in einem Film

Doch bevor er diesen Weg gehen konnte, musste er die Welt überzeugen, was noch immer in ihm steckt. Dies macht der Film «Unter Wasser atmen» schnell deutlich. Noch im Spital entwickelten er und seine Mutter eine Kommunikationsgrundlage mit Blinzeln und Alphabetaufzählen. Als 27-Jähriger holte er die Matura nach – mündlich, seine Mutter hatte ihm den gesamten Schulstoff auf Tonbandkassetten gesprochen – und studierte schliesslich an der HSG.

Dafür hatte er ein Gerät entwickelt, das ihm die Kommunikation erheblich erleichtert. Er entwickelte eine Tastatur für seinen sprechenden Computer, mit der er mit dem Daumen der rechten Hand, seinem beweglichsten Finger, alle Möglichkeiten der elektronischen Datenverarbeitung auszuschöpfen kann. Seither ist seine Korrespondenz sprachlich perfekt und fehlerfrei.   

«Unter Wasser atmen» führt die Zuschauer behutsam und doch eindrücklich an diesen Verlauf heran. Eltern, Freunde und vor allem alte Super-8-Familienfilmausschnitte erzählen die Geschichte eines Mannes, der nie aufgab.


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