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Arbeitslosigkeit erhöht die Depressionsgefahr

Die Arbeit ist ein wichtiger Pfeiler des menschlichen Daseins. Bricht dieser Pfeiler weg und man wird arbeitslos, steigt für Betroffene die Gefahr einer psychischen Krankheit wie Depression. Häufig werden die Erkrankungen aber nicht erkannt.

Mann mit leeren Hosentaschen

Arbeitslosigkeit erhöht das Risiko, an einer Depression zu erkranken. (pixabay)

In der EU waren Ende 2025 schätzungsweise über 13 Millionen Menschen arbeitslos (statistisches Amt der Europäischen Union Eurostat). Im Euroraum beträgt die Arbeitslosenquote 6,2 Prozent, im Durchschnitt der EU-Mitgliedsländer liegt sie bei 5,9 Prozent. Mit einer Quote von drei Prozent (Staatssekretariat für Wirschaft SECO) liegt diese in der Schweiz vergleichsweise sehr tief. 

Arbeitslosigkeit – Ein grosser Einschnitt ins Leben

Dies sind aber nur Zahlen – entscheidend ist, wie die Betroffenen die Arbeitslosigkeit verkraften. Nicht für alle ist die Arbeitslosigkeit gleich schlimm. Die staatliche Unterstützung ist unterschiedlich und es gibt Menschen, die die Zuversicht nicht verlieren, die in der Arbeitslosigkeit auch die Chance für einen Neuanfang sehen. Für ganz viele Betroffene ist sie aber ein grosser Einschnitt. Oft sind psychische Erkrankungen wie eine Depression die Folge. 

Arbeit als Mittelpunkt des Lebens

Ein Grund für die Probleme, die Arbeitslosigkeit mit sich bringt, ist in unserer Einstellung gegenüber der Arbeit. In der Antike war Arbeit noch verpönt. Und auch im Mittelalter wurde Arbeit bis zur Reformation noch als Mühsal, ja eigentlich Strafe aufgefasst. Erst viel später entwickelte sich die sogenannte protestantische Arbeitsethik. Sie ist gekennzeichnet durch die Vorstellung von Arbeit als Pflicht und von der Arbeit als Mittelpunkt des Lebens, um den herum die Freizeit gestaltet wird.

Als Grundmodell dienen diese Vorstellungen heute noch, aber natürlich ist die Entwicklung fortgeschritten. Arbeit muss heute nicht Pflicht sein und einzig dem Broterwerb dienen. Sie kann mit Leidenschaft erfüllt werden, Spass und Freude machen sowie spannend und herausfordernd sein. Arbeitszeitmodelle ermöglichen heute mehr Flexibilität. Und Unternehmen sind heute sehr oft auch ein Teil des sozialen Lebens der Beschäftigten. 

Das Wort Bewerbung mit Scrabble Steinen geschrieben Absagen auf Stellenbewerbungen schwächen das Selbstwertgefühl. (pixabay)

Der ökonomische Faktor

Als weitere Gründe für die häufig auftretenden psychischen Probleme nennt Mohr, dass Menschen, die nicht arbeiten, in der Gesellschaft diskriminiert und stigmatisiert würden. Der Druck, jeden Tag mit – zum Teil – sehr wenig Geld auskommen zu müssen, ist ein weiterer Stressfaktor.
 
Und nicht nur der Ausbruch einer Depression ist von sozialen Umständen abhängig, sondern auch der weitere Verlauf. Der Depressionsforscher Kenneth Kendler hat herausgefunden, dass ökonomische Schwierigkeiten sich am ungünstigsten auf die depressive Entwicklung auswirken. 

Arbeitslose häufiger von einer Depression betroffen

Die Arbeit ist also ein Hauptpfeiler des menschlichen Daseins. Und entsprechend dramatisch können die Folgen sein, wenn dieser Pfeiler wegbricht – oft von einem Tag auf den anderen. Aktuelle Studien zeigen, dass Arbeitslosigkeit eng mit psychischen Erkrankungen verbunden ist. Besonders häufig treten affektive Störungen wie Depressionen auf (Roser et al., 2025).

Laut der Psychologin Gisela Mohr von der Universität Leipzig belastet viele Arbeitslose der Zwang, möglichst schnell wieder eine Arbeit und zurück zur oben erwähnten protestantischen Arbeitsethik zu finden. «Je höher die Arbeitsorientierung bei einem Menschen ist, umso stärker sind die Auswirkungen auf die psychische Gesundheit in der Situation der aussichtslosen Arbeitslosigkeit.»

Eine einzelne Holzfigur, die einer Gruppe Holzfiguren gegenübersteht. Arbeitslosigkeit bedeutet auch, nicht mehr dazuzugehören. Betroffene fühlen sich alleine. (pixabay)

Wenn das soziale Umfeld wegbricht

Auch die Anforderung, dass Betroffene für eine neue Stelle bereit sein sollten ihren Wohnort zu wechseln, wirkt sich nach Mohrs Einschätzung negativ auf die psychische Gesundheit aus. «Vor allem, wenn man eine Familie hat, ist das ein grosses Problem», schätzt Mohr. «Bei jedem Umzug verliert man sein soziales Umfeld und muss sich ein neues aufbauen», warnt sie. Dabei sei ein gutes soziales Netz wichtig für Arbeitslose. Es könne ihnen helfen, eine neue Arbeit zu finden.

Ablehnung schwächt das Selbstwertgefühl

Der psychischen Gesundheit ebenfalls nicht förderlich ist nach Ansicht Mohrs die Anforderung, möglichst viele Bewerbungen in einem definierten Zeitraum zu verschicken. Werden die Vorgaben nicht eingehalten, droht eine Leistungskürzung. Dabei ist gemäss der Psychologin kein Zusammenhang feststellbar, dass viele Bewerbungen die Erfolgsaussichten verbessern würden. Hingegen würden viele erfolglose Bewerbungen die psychische Gesundheit gefährden. Jede Ablehnung oder Absage gelte als Misserfolg und schwäche das Selbstwertgefühl. 

Psychische Erkrankungen bei Arbeitslosigkeit oft nicht erkannt

Es gibt zahlreiche Ursachen, die bei arbeitslosen Menschen zu einer Depression führen können. Doch nicht alle Betroffenen erhalten rechtzeitig Hilfe. Der Nationale Gesundheitsbericht 2025 des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums (Obsan) zeigt ein klares Stadt-Land-Gefälle: Während die psychiatrische Grundversorgung in Städten gut ausgebaut ist, bleibt sie in ländlichen Regionen schwer zugänglich. Hinzu kommt ein wachsender Druck durch steigende Nachfrage und Fachkräftemangel, was die Versorgungsqualität gefährdet.

Quellen:

  • Roser, P., Manz, K., Scherbaum, N. et al. Prevalence of mental disorders and work ability among unemployed individuals in Germany: a register-based analysis of socio-medical assessments by the Federal Employment Agency between 2016 and 2021. BMC Public Health 25, 475 (2025). DOI
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