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Erfolgreich mit ADHS: Die richtige Berufswahl

ADHS und Karriere schliessen sich nicht aus! Warum es für Betroffene dennoch wichtig ist, welche berufliche Laufbahn sie einschlagen, erfahren Sie in diesem Artikel.

Foto eines mit Papierkram überfüllten Schreibtisches. | © pexels

Menschen mit ADHS sind in der Buchhaltung oder im Finanzwesen oft nicht gut aufgehoben. (pexels)

Die Entscheidung, welchen Beruf man erlernt, ist sehr individuell und hängt immer von den eigenen Interessen, Stärken und Schwächen ab. Grundsätzlich können Menschen mit ADHS jeden Beruf ausüben, der ihnen Spass macht und in dem sie ihre Fähigkeiten einbringen können. Dennoch sollten Betroffene gut abwägen, welche Laufbahn am besten zu ihnen passt.

Arbeit gibt dem Alltag eine Struktur, führt zu Erfolgserlebnissen und stärkt soziale Kontakte. Bei Betroffenen kann sich der passende Beruf positiv auf die Symptome von ADHS auswirken. Eine ungeeignete Umgebung hingegen verstärkt Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität, was langfristig zu Frustration, geringer Produktivität und psychischem Stress führt.

Welche Berufe passen zu ADHS?

Menschen mit ADHS haben die grosse Stärke, sich stundenlang auf ein und dieselbe Sache konzentrieren zu können, wenn diese sie interessiert. Diesen sogenannten Hyperfokus können sich Betroffene bei der Berufswahl zunutze machen. Ebenso wie ihre Kreativität, ihre Neugierde, Ehrlichkeit und schnelle Auffassungsgabe. Es ist also eine gute Idee, sich für einen Job zu entscheiden, bei dem diese Stärken zum Einsatz kommen können. 

Menschen mit ADHS finden sich deshalb oft in den folgenden Tätigkeitsbereichen wieder:

  • Handwerkliche Berufe wie Schreiner, Elektriker, Maler oder Gärtner, da hier die Energie direkt in die praktische Arbeit fliessen kann.

  • Berufe, bei denen man oft in Bewegung ist, wie in der Gastronomie sowie als Fitness- oder Sporttrainer.

  • Kreative Jobs wie Grafik- und Mediendesign, in denen die künstlerische Ader ausgelebt werden kann.

  • Tätigkeiten im Bereich Schutz und Rettung, wie beispielsweise Rettungssanitäter, da die schnellen und herausfordernden Situationen einen Dopamin-Rausch auslösen können, wodurch Betroffene in Krisen besser funktionieren.

  • Berufe in der Medienbranche, da sie abwechslungsreich sind und jeden Tag etwas Neues passiert.

  • Soziale Tätigkeiten wie Ergotherapie oder Pflege, da soziales Engagement für viele Menschen mit ADHS wichtig ist.

Ruhigere Bürojobs sind eher für Menschen geeignet, bei denen die Hyperaktivität weniger stark ausgeprägt ist oder für diejenigen, die am Arbeitsplatz über die notwendige Flexibilität und eine gewisse Struktur verfügen.

ADHS im Erwachsenenalter

Gerade in Bezug auf die Berufswahl ist es wichtig zu wissen, dass sich ADHS nicht auswächst, sich die Symptomatik aber im Erwachsenenalter ändert. In unserem Beitrag «ADHS bei Erwachsenen» lesen Sie mehr.

Gibt es Berufe, die gar nicht zu ADHS passen?

Es gibt Tätigkeiten, die für Menschen mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung eher ungeeignet sind, da sie Symptome verstärken können. Mit den folgenden Berufen könnten Betroffene zum Beispiel Schwierigkeiten haben: 

  • Eintönige und repetitive Tätigkeiten wie das Sortieren von Dokumenten oder das Zusammenbauen von immer denselben Teilen, zum Beispiel Arbeiten in Archiven oder am Fliessband.

  • Berufe, in denen kontinuierliche Konzentration erforderlich ist, insbesondere wenn man dabei nicht körperlich aktiv sein kann, zum Beispiel als Sicherheitspersonal vor Überwachungskamera oder als LKW-Fahrer:in.

  • Aufgaben, die eine hohe Feinmotorik erfordern, zum Beispiel Uhrmacher:in.

  • Buchhaltung und Finanzwesen, da präzises und wiederholtes Zahlenverständnis erforderlich ist.

  • Juristische Berufe, da hier längeres Zuhören nötig ist.

Dies bedeutet aber nicht, dass die eben genannten Tätigkeitsbereiche für alle Menschen mit ADHS ausgeschlossen sind! Wenn das Interesse da ist, finden Betroffene oft geeignete Strategien, um Herausforderungen zu überwinden. Auch eine passende ADHS Behandlung, zum Beispiel Verhaltenstherapie oder Medikamente können helfen, Symptome im Griff zu behalten und am Arbeitsplatz erfolgreich zu sein. 

Entscheidung zum Berufsweg: Lehre oder Universität?

Diese Frage sollten Jugendliche mit Hinblick auf ihre Stärken und Fähigkeiten beantworten. Einige junge Menschen mit ADHS blühen in einem praxisorientierten Umfeld richtiggehend auf, während andere eher von der intensiveren theoretischen Auseinandersetzung eines Studiums profitieren können. 

Für eine Berufslehre spricht zum Beispiel der direkte Bezug zur beruflichen Praxis und die klaren Strukturen, die in den meisten Betrieben herrschen. In der Regel können sich Menschen mit ADHS nämlich besser konzentrieren, wenn sie greifbare, konkrete Aufgaben bekommen. Je nach Beruf kann sich auch die körperliche Betätigung positiv auf Betroffene auswirken, da sie überschüssige Energie abbauen können. 

Für ein Studium hingegen sollte sich entscheiden, wer die Möglichkeit haben will, sich intensiv mit einem Thema zu beschäftigen und es schätzt, sich die Zeit zum Lernen selbstständig einteilen zu können.

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Unterschiedliche Menschen haben gemeinsam Spass. | © Pixabay

Wie findet man den passenden Beruf mit ADHS? 

In der Schweiz werden Jugendliche während der Schulzeit bei der Berufswahl und späteren Lehrstellensuche begleitet. Schüler:innen mit ADHS können jedoch aufgrund ihrer Impulsivität und Planungsschwierigkeiten etwas mehr Unterstützung bei der Entscheidungsfindung benötigen. Hier sind Sie als Eltern gefragt! Motivieren Sie Ihr Kind dazu, über die eigenen Stärken nachzudenken. Oft ist es nämlich so, dass Jugendliche mit ADHS viele verschiedene Interessen haben und sich deshalb mit einer Entscheidung schwertun. Hier kann eine Checkliste helfen, um die eigenen Gedanken zu strukturieren. 

Hat sich Ihr Kind für eine Auswahl an Berufen entschieden, sind Praktika und Schnuppertage eine gute Möglichkeit, um diese kennenzulernen. Denn gerade Jugendliche mit ADHS lernen besser durch praktische Erfahrungen. Ausserdem lässt sich durch Schnupperlehren am besten herausfinden, ob der Arbeitsalltag zum eigenen Energierythmus passt und ob man sich im Betrieb gut konzentrieren kann. 

Denken Sie daran: die Suche nach dem passenden Beruf erfordert Zeit und Geduld. Sollten Sie Hilfe benötigen, können klassische Berufsberatungen, auf ADHS spezialisierte Coaches sowie die ADHS-Organisation elpos Schweiz unterstützen. 


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