Person hält Burger in ihren Händen | © Unsplash

Bulimie – Ess-Brechsucht

Bulimie ist eine Essstörung, die gekennzeichnet ist durch Erbrechen oder andere Massnahmen, mit denen die Nahrungsaufnahme rückgängig gemacht werden soll. Sehr oft kommt es dabei auch zu Essanfällen, in denen unkontrolliert viel Nahrung aufgenommen wird. Bulimie kann ernsthafte körperliche Begleiterscheinungen haben.

Bulimie (Bulimia nervosa/Ess-Brechsucht) ist eine Essstörung. Betroffene leiden unter Essanfällen, in denen sie unkontrolliert sehr viel essen und/oder darunter, dass sie schon kleinste Nahrungsmengen als zu viel empfinden. Wenn die Betroffenen das Gefühl haben zu viel gegessen zu haben, versuchen sie dieses durch bewusstes Erbrechen wieder loszuwerden, und zwar unabhängig davon, wie gross die zu sich genommene Menge wirklich war. Einige Betroffene greifen dabei auch auf Abführ- und Entwässerungsmittel zurück, andere treiben nach dem Essen exzessiv Sport. Sollte bei Ihnen oder bei Ihnen bekannten Personen solche Symptome auftreten, ist die Wahrscheinlichkeit gross dass Sie/diese Personen unter Bulimie leiden.

Auch bei einer Magersucht-Erkrankung kann es zu ähnlichen Symptomen kommen. Die Bulimie unterscheidet sich allerdings von der Magersucht, da Betroffene nicht von Untergewicht betroffen sind, sondern über ein mehr oder weniger normales Körpergewicht verfügen. Ebenfalls lässt sich die Bulimie vom sogenannte «Binge Eating» unterscheiden, da die davon betroffenen Personen zwar Essanfälle haben, aber nach diesen nicht Erbrechen. 

Wer ist betroffen und was sind die Ursachen?

Von Bulimie sind überwiegend junge Frauen betroffen. 90-95 Prozent aller Betroffenen sind Frauen im Alter zwischen 17 und 30. Dabei sind circa 1 Prozent aller Frauen in dieser Altersklasse von Bulimie betroffen. In Einzelfällen kann Bulimie aber auch bei Männer bzw. Jungen oder auch bei älteren Menschen auftreten. 

Bulimie tritt meistens aufgrund einer Kombination von psychischen und gesellschaftlichen Gründen auf. Eine bedeutende Rolle spielt dabei die in unserer Gesellschaft verbreiteten Vorstellung von Schlankheit als Schönheitsideal. Ebenfalls können Traumata, familiäre Konflikte oder eine persönliche Veranlagung von Bedeutung sein.

Weshalb kommt es bei Bulimie zu Essanfällen?

Es gibt fast nichts, das so einfach geht wie Essen. Und die Belohnung dadurch kommt sofort. Durch den Zuckergehalt und die Botenstoffe, die das Essen im Körper freisetzt, können sich Menschen sehr einfach entspannen und beruhigen.

Deshalb liegt die Versuchung nahe, unangenehme Zustände und Stimmungen durch Essen in den Griff zu bekommen und dadurch das Bedürfnis nach Lust und Genuss, Wärme und Geborgenheit zu stillen. Betroffene von Bulimie erleben ihre Essanfälle oft als die beste, oder sogar einzige, Möglichkeit loszulassen und ganz bei sich selbst zu sein. 

Warum erbrechen Betroffene nach dem Essen?

Bei Betroffenen von Bulimie werden beim Erbrechen Botenstoffe aussgeschüttet, die für die unter Bulimie leidenden Menschen entspannend wirken. Durch die Entspannung und das intensive Körpererleben fühlen sich die Betroffenen nach dem Erbrechen besser als vor dem Essanfall. 

Das Erbrechen leert ausserdem den nach dem Essanfall unangenehm gefüllten Magen und vermindert Schuldgefühle und die Angst, zu dick zu werden. Zusätzlich erleben einige Betroffene nach dem Erbrechen verschiedene weitere Gefühle, die von schmerzhafter Selbstbestrafung bis zu orgasmus-ähnlichen Hochgefühlen reichen.

Frau mit Kuchenteller | © Unsplash

Essanfälle und anschliessendes Erbrechen sind die typischen Symptome einer Bulimie. (Foto: Unsplash)

Nachdenken über die eigene Bulimie – der erste Schritt zur Heilung

Der erste Schritt beim Kampf gegen die Bulimie ist es das eigene bulimisches Verhalten und Erleben zu verstehen. Deshalb ist es wichtig, dass Betroffene sich mit ihrer Krankheit und ihrem Verhalten auseinandersetzen. Wichtig ist dabei auch insbesondere die Ursache für die Krankheit bei der betroffenen Person zu finden.

Hier finden Sie eine Liste mit Beispielfragen, die Ihnen beim  Erkennen und Verstehen der eigenen Krankheitsursachen helfen kann:

  • Führen Sie eine Diät durch? Könnte es sein, dass Ihr Körper deshalb nicht genug bekommt?
  • Wie stehen Sie zu Ihrem eigenen Körper? Wie wohl fühlen Sie sich in ihm? Mögen Sie ihn? Mit welchen Aspekten Ihres Körpers sind Sie nicht zufrieden?
  • Wie stehen Sie dazu eine Frau/ein Mann zu sein? Wie sicher fühlen Sie sich als Frau/als Mann? Fühlen Sie sich in Ihrem Geschlecht verankert? Was finden Sie schwierig am Frau- sein/Mann-sein?
  • Wie zufrieden Sind Sie mit Ihrer momentanen Lebenssituation? Machen Sie das, was Sie eigentlcih tun möchten? Sind Sie an einem Ort, der Ihnen gefällt? Können Sie sich im Alltag oder in der Freizeit erholen bzw. ausleben? Womit in Ihrem Leben sind Sie nicht zufrieden?
  • Wie zufrieden Sind Sie mit Ihrem Sozialleben? Verüfgen Sie über echte Freunde, mit denen Sie alles besprechen können? Inwiefern erleben Sie Kontakte als unbefriedigend?
  • Wie zufrieden Sind SIe mit Ihrem Beziehungsleben? Sind Sie in einer erfüllenden Partnerschaft? Wenn dies nicht der Fall sein sollte, woran könnte das liegen? Was fehlt Ihnen? Aus welchen Gründen konnten Sie den fehlenden Punkt (noch) nicht erreichen?
  • Wie wohl fühlen Sie sich mit Ihrer Sexualität? Kennen Sie sexuellen Genuss und sexuelle Befriedigung? Können Sie beim Sex loslassen und sich gehen lassen?
  • Können Sie sich gut entspannen? Wenn nein, wieso nicht?
  • Wie gut haben Sie Ihre Gefühle im Griff? Können Sie diese gut regulieren? Können Sie diese ausleben? Mit welchen Gefühlen können Sie nicht gut umgehen?
  • Wie sehr mögen Sie sich selbst? Welche Aspekte Ihrer Persönlichkeit mögen Sie gegebenenfalls nicht? Woher kommt es, dass Sie diesen Aspekt nicht mögen?
Der erste Schritt, der Bulimie heraus zu kommen, ist dass du dein bulimisches Verhalten und Erleben verstehst. | © Unsplash

Der erste Schritt um die Bulimie zu bekämpfen, ist das eigene bulimisches Verhalten und Erleben zu verstehen. (Foto: Unsplash)

Was Betroffene tun können:

Wenden Sie sich unbedingt an eine Beratungsstelle, wie zum Beispiel die Arbeitsgemeinschaft Ess-Störungen, wenn Sie vermuten, dass Sie Bulimie haben könnten. Dabei gilt: Je früher, desto besser. Denn Bulimie kann empfindlich auf die Lebensqualität schlagen. Ausserdem kann es helfen folgende Punkte zu beachten

  • Machen Sie eine Therapie, um die Themen und Probleme anzugehen, die hinter Ihrer Bulimie stecken. Beratungsstellen können Ihnen geeignetes therapeutisches Fachpersonal und Fachpersonen aus der Ernährungsberatung empfehlen.
  • Lassen Sie sich ärztlich untersuchen. Beratungsstellen können Ihnen ärztliches Fachpersonal empfehlen, die sich mit der Bulimie Thematik auskennen. Wenn Sie mehr als einmal täglich erbrichst, sollten Sie regelmässig zur ärztlichen Kontrolle.
  • Frag Sie sich was Sie aufgeben würden, wenn Sie keine Essanfälle/kein Erbrechen mehr hätten: Was erleben Sie während und nach einem Essanfall, das Sie sonst nicht kennen? Suchen Sie sich gezielt Beschäftigungen um diese Gefühle zu erhalten und damit die Bulimie zu ersetzen.
  • Fragen Sie sich generell, welche Verhaltensweisen Sie entwickeln oder ausbauen könnten, um zu Lust und Genuss zu kommen, herunterzukommen, zu entspannen, sich fallen zu lassen oder einfach mal loszulassen.
  • Üben Sie diese Verhaltensweisen. Gehen Sie ausserdem nicht davon aus, dass diese sich gleich so gut anfühlen werden wie ein Essanfall. Aber: Ihr Gehirn wird durch viele Wiederholungen lernen, dass diese Verhaltensweisen sich gut anfühlen. Dadurch wird sich die Wirkung langsam steigern.
  • Suchen Sie nach Möglichkeiten der lustvollen Bewegung und des lustvollen Erlebens Ihres Körpers. Denn das ist die beste Methode, (wieder) in ihn hineinzufinden. Dabei kann auch eine Körpertherapie helfen.