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SKOS: Armut von Menschen mit Behinderung bekämpfen

Eine Behinderung führt leider noch immer oft zu Armut und sozialer Ausgrenzung. Auch in der Schweiz soll deshalb intensiv an der Verringerung der Armut gearbeitet werden.

Laut Handicap International leben in Entwicklungsländern 80 Prozent der Menschen mit Behinderung von weniger als einem Euro pro Tag. Gleichzeitig haben 20 Prozent der ärmsten Menschen auf der Welt eine Behinderung. Dies lässt darauf schliessen, dass Armut und Behinderung zusammenhängen.

31 Massnahmen der SKOS

In der Schweiz ist die Lage zum Glück nicht so prekär, aber auch hier rutschen viele Menschen mit einer Behinderung unter die Armutsgrenze. Diese liegt je nach Familiensituation bei zwischen CHF 2200 und CHF 3700 Einkommen pro Monat.

Deshalb hat die Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe (SKOS) dem Bundesrat 31 Massnahmen vorgeschlagen, die die Armut-verursachenden Probleme in der Schweiz verringern sollen. Diese Massnahmen wie Prävention, Finanzierungsumverteilungen, bessere Aufklärung von Aussenstehenden sowie von Betroffenen, umfassen die Kernthemen Arbeitswelt, Gesundheit, Wohnumfeld und Ausländerintegration. Dazu gehören auch Gesundheitsprobleme wie körperliche, geistige oder psychische Behinderungen.

Der SKOS geht es hauptsächlich darum, dass im Bundesrat der Armutsbekämpfung als Querschnittaufgabe höhere Priorität zugestanden wird. Der Fokus liegt auf Langzeitarbeitslosen, doch um dieses Problem zu beheben, muss die Ursache für die lange Arbeitslosigkeit eruiert werden, die in vielen Fällen eine körperliche, geistige und/oder psychische Behinderung sein kann. Durch die Stigmatisierung von Behinderungen ist es für Menschen mit einer Behinderung schwierig, eine Anstellung zu finden. Der Weg zurück ins Arbeitsleben nach Unfall oder Krankheit ist ein langwieriger Prozess.

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Auch in der Schweiz leiden viele unter Armut. (Foto: Pixabay)

Armut macht krank

2007 gaben 4,3 Prozent der Menschen mit Behinderung in der Schweiz an, Ergänzungsleistungen zu beziehen, 2,7 Prozent sind auf die Sozialhilfe angewiesen. Bei diesen Zahlen des Bundesamts für Statistik handelt es sich um 15 - 64-jährige Menschen mit Behinderung, die in einem Privathaushalt leben. Somit sind zum Beispiel Alleinerziehende mit einem Kind, das von einer Behinderung betroffen ist, oder Heimbewohner nicht eingeschlossen, was die ohnehin schon deutlich höheren Zahlen als jene der Sozialhilfebezüger ohne Behinderung noch erhöhen würde.

Die Studie der Caritas «Armut macht krank» zeigt auf, dass es Unterschiede im Vorkommen von Invalidität, Sterblichkeit und Lebenserwartung in den verschiedenen Gesellschaftsschichten gibt.
Einfach gesagt: Wer arm ist, ist häufiger krank und stirbt früher. Deshalb ist ein Arbeitspunkt in den Massnahmen der SKOS die Gesundheit. Diese Massnahmen beinhalten unter anderem auch effektivere Gesundheitsprävention und die Sensibilisierung des ärztlichen Personals auf ungleiche Behandlung. Diese Thematik soll in allen Spitälern aufgegriffen und eine umsetzbare Strategie mit Diskussionen und Aktionsplänen ausgearbeitet werden. In Sachen Gesundheitsprävention soll vor allem darauf geachtet werden, dass diese auch für sozial schwache Gesellschaftsschichten zugänglich sind.

Auf Bundesebene koordinierte Strategie

Zwar kämpfen verschiedene Organisationen, wie zum Beispiel die Caritas Europa mit dem Projekt «Zero Poverty», bereits für dieses Ziel. Das SKOS strebt jedoch eine auf Bundesebene koordinierte Strategie an, die nicht nur die Arbeitslosen- und Invalidenversicherung, sondern auch die Sozialhilfe einbezieht. Wie die Finanzierung aussehen soll, lässt die SKOS offen. Bisher werden nur 10 Prozent der Sozialtransfers für die Armutsbekämpfung verwendet. SKOS-Präsident Walter Schmid ist aber überzeugt: «Wenn die Schwerpunkte versetzt würden, entstünden keine neuen Kosten.»