Autofahren ohne Kraft und Mühe

Die immer weiter fortschreitende Technik bringt auch Neuerungen beim behindertengerechten Umbau von Fahrzeugen. Dadurch können heute mehr Menschen mit Handicap am Strassenverkehr teilnehmen als früher. Eines dieser neuen Systeme ist das Space Drive von Paravan.

Ein Schlüsselerlebnis hatte Roland Arnold, Geschäftsführer der PARAVAN GmbH, als er bei strömendem Regen auf einer Autobahnraststätte erlebte, wie eine Frau versuchte, ihren gehbehinderten Mann ins Auto zu heben. Dies veranlasste Arnold, damals Inhaber einer kleinen Kfz-Werkstatt, Menschen mit Handicap technisch und psychisch zu unterstützen, damit sie ein Höchstmass an Mobilität erreichen.

Technik dem Menschen anpassen

Paravan baut schon seit 1997 Fahrzeuge für Menschen mit Handicap um. Dabei versuchte das Unternehmen immer in enger Zusammenarbeit mit den Kunden die passenden Antworten auf Mobilitätsfragen zu finden. «Der Mensch muss im Mittelpunkt stehen», so Roland Arnold «Die technischen Systeme müssen sich dem Autofahrer mit Handicap anpassen und nicht umgekehrt. Jede Behinderung ist einzigartig und verlangt flexible Lösungen von der technischen Seite.»  

Autofahren auch mit schwerer Behinderung

Lange hatten Menschen mit progressiv fortschreitenden Krankheiten oder mit hoher Querschnittlähmung keine Möglichkeit, aktiv am Strassenverkehr teilzunehmen. Die verbauten technischen Hilfsmittel in den Fahrzeugen setzten ein für die Personengruppe zu hohes Mass an Kraft und Beweglichkeit voraus. Eine Lösung dieses Problems ist die drive-by-wire Technik, bei welcher Gas, Bremse und Lenkung nicht mechanisch betätigt werden, sondern elektronisch angesteuert sind. Dieses Steuern von Fahrzeugen ohne mechanische Kraftübertragung stammt aus dem Flugzeugbau und wird auch bei Autos serienmässig zur Steuerung einzelner Bauteile verwendet.

Sicher und komfortabel

Schon seit 2003 baut Paravan die drive-by-wire-Technik in Kundenfahrzeuge ein. Das Space-Drive-System ist nun ein komplettes System, welches in allen Fahrzeugtypen ganz individuelle Anpassungen mittels einzelner Elemente erlaubt. So können die Bauteile ganz nach persönlichen Bedürfnissen ausgewählt und platziert werden. Je nach Bedarf werden Gas-Bremsschieber, Mini-Lenkrad und/oder Joystick eingebaut. Der Joystick kann die Funktionen der Lenkung, der Pedale oder von beidem übernehmen. 

Zudem kann die Fahrerin bzw. der Fahrer mit einem ergonomisch gut platzierten Bedienteil Funktionen wie Licht und Scheibenwischer betätigen. Verändern sich die Bedürfnisse einer Person am Steuer mit Handicap, müssen nur die einzelnen Elemente angepasst oder ausgetauscht werden. Das ganze Space-Drive-System ist durch zwei voneinander getrennt und parallel laufende Systeme doppelt abgesichert. Fällt das Eine aus, übernimmt das Andere. Space Drive ist dementsprechend auch TÜV geprüft.  Ein anderes System bietet das Schweizer Unternehmen Bozzio mit ihrem joysteer System an. 

Controller | © Unsplash

Das System kann auf die Bedürfnisse jeder Fahrerin und jedes Fahrers abgestimmt werden. (Foto: Unsplash)

Eine Vision für die Zukunft?

Mit dieser Technologie können nun auch Menschen mit hoher Tetraplegie, Muskelschwund oder Multiple Sklerose ein Auto lenken. Aber die Entwicklung zu immer mehr elektronischer Unterstützung ist nicht nur im Fahrzeugumbau für eingeschränkte Menschen zu sehen. Auch in modernen Autos und Industriefahrzeugen kommen vermehrt drive-by-wire-Systeme zum Einsatz. Und die innovative Automobilstudie des weltbekannten Schweizer Visionär Frank Rinderknecht und seiner Firma Rinspeed wartet nicht nur mit Elektroantrieb auf, sondern auch mit dem Space-Drive-System von Paravan.