Eine Frau auf einem Feld voller Sonnenblumen.

Elis Bern lebt soziale Verantwortung

Zur Jahrtausendwende wirtschaftlich praktisch am Boden, präsentiert sich die frühere Zentralwäscherei Bern heute als Elis Bern als erfolgreiches Unternehmen mit einem grossen sozialen Engagement.

Seit 2000 ist die ehemalige Zentralwäscherei Bern teilprivatisiert und firmiert unter Elis Bern. Pro Tag werden rund 27 Tonnen Wäsche verarbeitet. Täglich verlassen im Durchschnitt 16‘000 hygienisch verpackte Wäschepakete und 25‘000 Berufskleider das Haus.

5 Prozent der Arbeitsplätze reserviert

Die Elis Bern blickt auf eine Dekade innovativen Textilservice zurück und ist landesweit eine der grössten Anbieterinnen von Dienstleistungen rund um die Wäscheversorgung von Betrieben des Gesundheitswesens und der hygienesensiblen Industrie.

Direktor Hans Sieber und seinem Team ist es gelungen, aus der vor zehn Jahren in grossen Schwierigkeiten steckenden Zentralwäscherei ein innovatives und wirtschaftlich erfolgreiches Unternehmen zu machen. Die soziale Verantwortung ist dabei nicht auf der Strecke geblieben, ganz im Gegenteil: Im Zentrum des sozialen Engagements von Elis Bern stehen Menschen mit einer physischen oder psychischen Behinderung. Ziel ist es, zu deren Akzeptanz und beruflicher Wiedereingliederung beizutragen. Die Infrastruktur der Elis Bern wurde für den Einsatz von Mitarbeitenden mit einer körperlichen Behinderung überprüft und auf die Bedürfnisse angepasst.

Bewusster Verzicht auf Automatisierung

Dabei geht man so weit, dass man in diesem Geschäft mit einem hohen Automatisierungsgrad einfache handwerkliche Arbeiten und Konfektionierungen bewusst nicht automatisiert, und schafft damit die Voraussetzung für eine sinnvolle Beschäftigung beeinträchtigter Menschen.

Sie werden bei einem Beschäftigungsgrad von 50 - 90% in der Produktion oder der Logistik eingesetzt, wo geeignete, einfachere Arbeiten wie saubere Wäsche sortieren, falten und stapeln anfallen oder Wäscheteile in die Mangel- und Faltmaschine einzugeben sind. Mittelfristig will man aber auch Angebote in der Verwaltung bereitstellen.

Elis Bern verzichtet zum Teil bewusst auf die Automatisierung von Arbeitsvorgängen. (Foto: Unsplash)

Zusammenarbeit mit Institutionen

Die Firma fördert aber auch die Zusammenarbeit mit sozialen und gemeinnützigen Institutionen wie den Universitären Psychiatrischen Dienste Bern UPD, den Werkstätten des Blinden- und Behindertenzentrums Bern oder der Band-Genossenschaft Bern.

Seit 2003 besteht beispielsweise die Zusammenarbeit mit dem Job Coach Placement (JCP) der UPD. Die Aufgabe des JCP besteht in der Integration von Menschen mit psychisch bedingten Leistungseinschränkungen in den privaten Arbeitsmarkt. Die Teilnehmenden werden durch eine IV-Stelle dem JCP zugewiesen.

Ein Job-Coach sucht zunächst eine geeignete Einsatzfirma wie Elis Bern mit Trainingsarbeitsplätzen im ersten und Wiedereingliederungs-Arbeitsplätzen im zweiten Schritt. In der Zusammenarbeit geht es darum, dass die Teilnehmenden wieder eine Struktur in ihr Leben bringen und durch ein gestärktes Selbstvertrauen ihre Lebensqualität, ihr soziales Netzwerk und ihre Akzeptanz in der Gesellschaft steigern können.

Qualität vor Quantität

In ihrer Beschäftigung geht es um eine schrittweise Heranführung an Leistung. In erster Linie steht die Qualität, Quantitätsziele folgen zu einem späteren Zeitpunkt. Die Überprüfung der geleisteten Qualität erfolgt über eine regelmässige Kontrolle durch die Elis Bern-Verantwortlichen. 

2009 erhielt die Elis Bern die Anfrage, ob sie bereit sei, Einsatzmöglichkeiten von Mitarbeitenden der Werkstätten des Blinden- und Behindertenzentrums Bern zu prüfen. Auch hier zeigte sich das Unternehmen dafür offen, soziale Verantwortung in die Tat umzusetzen. Nach einer akribischen Prüfung der möglichen Aufträge erteilt Elis Bern heute Aufträge im Outsourcing-Verfahren. Das Aussenteam des Blinden- und Behindertenzentrums kommt jeweils mit grosser Freude in Begleitung eines Gruppenleiters und unterstützt die Elis Bern-Mitarbeitenden in der Produktion, wo so vorübergehende personelle Unterbesetzungen aufgefangen werden können.

Ethik und Wirtschaftlichkeit vereinen

Es ist die grosse Herausforderung, soziale Ethik und Wirtschaftlichkeit zu vereinen. Und so wird beim sozialen Engagement der Elis Bern der betriebswirtschaftliche Aspekt natürlich nicht vernachlässigt. Die Vergütungen erfolgen auf fairer Basis und orientieren sich an den Leistungs- und Qualitätsvorgaben. Elis Bern legt Wert darauf, dass es sich um Aufträge mit konkretem Zweck und Nutzen, nicht um Spenden handelt.

Die Zusammenarbeit mit sozialen Institutionen wird priorisiert – wenn das Ergebnis der Auftragsabwicklung respektive der Dienstleistung mit dem eines Unternehmens in der freien Marktwirtschaft vergleichbar ist. Als Voraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung des sozialen Engagements im Betrieb erachtet Elis Bern, dass das Modell von den Kadermitarbeitenden mitgetragen wird. Sie müssen sich mit der Idee des sozialen Engagements identifizieren können und die beeinträchtigten Mitarbeitenden kompetent betreuen und begleiten.

Elis Bern sieht die Einbindung von behinderten Menschen und sozialen Institutionen in ihre Arbeitsabläufe als Chance, ihre Unternehmenskultur mit einem Wertesystem zu prägen, das sich nicht nur an betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten orientiert, sondern eben auch nach sozialen Aspekten ausgerichtet ist. Auch in weiteren Bereichen stellt die Elis Bern ihr soziales Engagement unter Beweis. Für den Schweizer Markt nicht mehr konforme Wäscheteile werden Hilfswerken unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Die Wäscheteile werden aufbereitet, desinfiziert, in recyclebaren Säcken verpackt und bis zur Abholung zwischengelagert. Die gesamten Kosten dieses Prozess übernimmt die Elis Bern. Im vergangenen Jahr betrug das Spendevolumen fast 50 Tonnen Betriebswäsche und Berufskleider. 

Das Engagement von Elis Bern wird registriert und gewürdigt, bei den Betroffenen, bei Organisationen, aber auch in der Wirtschaft. So war das Unternehmen 2010 für den Swiss Ethics Award nominiert und ausserdem auch Finalist des Unternehmerpreises Espace Mittelland. Aber auch intern sind die positiven Impulse für die Unternehmenskultur spürbar und motivierend, hält Elis Bern fest.