Suizid – Signale erkennen und rechtzeitig handeln

In der Schweiz begehen jedes Jahr rund 1000 Menschen Suizid – zirka dreimal mehr als bei Verkehrsunfällen ums Leben kommen. Weitere 15'000 bis 20'000 Menschen unternehmen laut Schätzungen einen Selbstmordversuch. Alarmsignale zu erkennen, sich zu informieren und sich helfen zu lassen, kann Leben retten.

Jeden Tag begehen in der Schweiz zwei bis drei Menschen Suizid (ohne Fälle von Suizidhilfe). Gemäss Statistiken und Studien liegt die Suizidrate bei Männern fast dreimal höher als bei Frauen. Beim versuchten Selbstmord ist es umgekehrt: Diese sind bei Frauen 1,5-mal häufiger als bei Männern. Bei Jugendlichen ist Selbstmord die zweithäufigste Todesursache überhaupt. Die Suizidrate ist seit 1980 kontinuierlich gesunken, dennoch ist die Zahl der Selbstmorde, auch wenn man die assistierten Suizide – also Sterbehilfe – herausrechnet, hoch.

Hinter jedem Selbstmord eine persönliche Geschichte

Perspektivlosigkeit, Einsamkeit, Arbeitslosigkeit, Mangel an Geborgenheit, die Folgen sexuellen Missbrauchs, Burnout oder eine Demenz-Diagnose – Betroffene sehen aus den verschiedensten Gründen nur noch einen Ausweg. Hinter jedem Selbstmord oder jedem Suizid-Versuch steht also eine persönliche Geschichte. Gemeinsam haben die meisten Betroffenen, dass eine psychische Erkrankung vorliegt, in rund 70 Prozent aller Suizid-Fälle steht eine Depression im Hintergrund. Erfahren Sie mehr über die Gründe für Suizidgedanken

Lösungen nicht mehr erkennbar

Der Suizid oder der Suizid-Versuch ist in den meisten Fällen eine Impulshandlung. Dieser geht ein Auslöser voraus, der den emotionalen Druck ansteigen lässt und zu einem Gefühl der Ausweglosigkeit führt. Die Wahrnehmung ist eingeengt, Lösungen sind für die Betroffenen nicht mehr erkennbar und es kommt zum verhängnisvollen Schritt. Die meisten Betroffenen wollen jedoch nicht sterben, sie wollen aber so nicht weiterleben.

Haben Sie selbst Suizidgedanken? Oder sind Sie besorgt um jemanden?

Lassen Sie sich helfen! In der Schweiz gibt es zahlreiche Stellen, die rund um die Uhr für Menschen in suizidalen Krisen da sind – vertraulich und kostenlos.

  • Dargebotene Hand: Telefon 143
  • Pro Juventute: Telefon und Chat 147

Die Handlung aus einem Impuls heraus hat meist Vorgeschichte, eine Leidensgeschichte. Beziehungsprobleme, Konflikte im Beruf, Mobbing in der Schule, Isolation, Zukunftsängste, der Tod eines geliebten Menschen, schwere Krankheiten – es gibt viele Beispiele, was Menschen in eine Depression und für sie aussichtslose Situation treiben kann. 

Einsame Person sitzt auf einer Bank bei Sonnenuntergang | © pixabay

Sozialer Rückzug und Isolation sind mögliche Alarmsignale einer erhöhten Suizid-Gefährdung. (Foto: Pixabay)

Auf Warnsignale für Suizidgefährdung achten

Sind diese Menschen auf sich alleine gestellt, ist die Gefahr gross, dass sie in einen Strudel negativer Gefühle geraten, aus dem sie nicht mehr herausfinden. Deshalb ist es wichtig, auf Warnsignale für Suizidgefährdung zu achten. Nur die wenigsten Menschen unternehmen einen Selbstmord-Versuch, ohne ihre Probleme vorher angesprochen zu haben, ohne auf die ihnen mögliche Art und Weise Hilfesignale auszusenden. Für das Umfeld ist es häufig schwierig, diese zu erkennen oder eine mögliche Selbstmordabsicht dahinter zu erkennen.

Wichtige und ernst zu nehmende Alarmsignale vor dem Hintergrund bestimmter Lebenssituationen sind:

  • Geäusserte Suizid-Gedanken oder Suizid-Ankündigungen, denn die immer wieder gehörte Aussage «wer über Selbstmord spricht, macht das eh nicht» ist falsch.
  • Beachtung möglicher erschwerender Lebensumstände wie Krankheit, Arbeitslosigkeit, Einsamkeit, Trennung von einem geliebten Menschen und so weiter
  • Sozialer Rückzug – ein sich Abwenden von Freunden und Familie
  • Ausgeprägte Stimmungsschwankungen
  • Radikale Persönlichkeitsveränderungen
  • Realitätsverlust
  • Starke Angstzustände
  • Selbstzerstörerisches und leichtfertiges Verhalten
  • Obsessive Auseinandersetzung mit dem Tod
  • Krisen nach traumatischen Erlebnissen
  • Alkohol- und Drogenmissbrauch
  • Frühere Selbstmordversuche. Fast jeder Zehnte, der bereits einen oder mehrere Suizidversuche hinter sich hat, stirbt durch Suizid. 

Wer als Angehörige*r, Freund*in, Schulkamerad*in oder Arbeitskolleg*in merkt, dass bei einem Mitmenschen einer oder mehrere dieser Punkte zutreffen, sollte mit der betroffenen Person auf alle Fälle darüber sprechen. Zuzuhören und die Aussagen nicht negativ zu bewerten, ist sehr wichtig. In einem weiteren Schritt kann es sinnvoll sein, ärztliches oder psychologisches Fachpersonal beizuziehen oder weitergehende professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Wie Sie am besten mit Personen mit Suizidgedanken umgehen erfahren Sie im Gespräch mit unserem Fachexperten Hans Schmied.

Trauer und Schuldgefühle bei den Angehörigen

Die Selbsttötung eines Angehörigen ist für die Hinterbliebenen ein traumatisches Erlebnis. Nicht nur müssen sie mit der Trauer und einer unvorstellbaren Leere umgehen, sondern sie werden auch von Schuldgefühlen geplagt. Fragen wie «warum habe ich es nicht bemerkt?» , «hätte ich nicht mehr tun können?»  oder «wie hätte ich diese Tragödie verhindern können?»  verfolgen Angehörige und das Umfeld einer Person, die Selbstmord begangen hat.

Auch für diese Menschen ist es wichtig, über die Geschehnisse sprechen zu können, professionelle Hilfe anzunehmen oder sich mit Menschen, denen Ähnliches widerfahren ist, auszutauschen. Die Verarbeitung der Ereignisse durch Gespräche ist enorm wichtig und kann helfen, aus dem Tief herauszufinden.

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