Berufliche Wiedereingliederung

Wenn im Verlauf des Lebens eine Behinderung oder chronische Krankheit eintritt, stellt sich die Frage der beruflichen Wiedereingliederung. Wie sieht es mit der beruflichen Zukunft aus? Kann ich auf dem alten Job wieder einsteigen oder muss ich mich beruflich neuorientieren? Nicht selten kommen Ängste und Unklarheiten auf.

Grundsätzlich haben Sie einen Anspruch auf Wiedereingliederung. Zum Wiedereingliederungsprogramm gehört zum Beispiel, dass Ihr Arbeitgeber Ihnen einen barrierefreien Arbeitsplatz sowie eventuell benötigte Hilfsmittel zur Verfügung stellt. Auch eine Anpassung der Arbeitszeit sowie Ruhephasen und verlängerte Pausenzeiten können Ihnen beim Wiedereinstieg helfen.

Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen der IV

Praktische und finanzielle Unterstützung bei der Wiedereingliederung bietet die Invalidenversicherung (IV). Im Rahmen der Früherfassung können Sie als Versicherte*r unmittelbar nach der Diagnose prüfen lassen, ob eine IV-Meldung angezeigt ist. Stellt die IV einen Leistungsanspruch fest, startet der Wiedereingliederungsprozess, den bei Bedarf ein Coach der IV begleitet. Versicherte mit einer Behinderung oder chronischen Krankheit, welche ihre Arbeitsfähigkeit wesentlich einschränkt, haben Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, welche ihre Erwerbsfähigkeit wiederherstellen, verbessern oder erhalten. Über den Leistungsanspruch entscheidet die IV aufgrund eines Begutachtens.

Im Vordergrund stehen hier Massnahmen zur Integration in den Arbeitsmarkt. Entsprechend dem in der Invalidenversicherung geltenden Grundsatz «Eingliederung vor Rente» wird der Rentenanspruch erst dann geprüft, wenn berufliche Eingliederungsmassnahmen wegen der gesundheitlichen Beeinträchtigung nicht oder nicht mehr möglich sind.  

Frühinterventionsmassnahmen

Frühinterventionsmassnahmen zielen darauf ab, durch rasches Handeln eine Invalidität vorzubeugen. Durch die Massnahmen soll verhindert werden, dass die betroffene Person aus dem Arbeitsprozess herausfällt. Dazu gehört die behindertengerechte Anpassung Ihres Arbeitsplatzes ab. Zudem haben Sie Anspruch auf eventuell benötigte Hilfsmittel. Beides wird von der IV finanziert. Übernehmen Sie aufgrund Ihrer Behinderung eine neue Aufgabe in derselben Firma, beteiligt sich die IV an der Finanzierung eventuell notwendiger Aus- und Weiterbildungskurse. Wenn Sie Ihren bisherigen Beruf überhaupt nicht mehr ausüben können, vergütet die Versicherung erforderliche Umschulungsmassnahmen. Auch bei der Suche nach einer neuen Stelle hilft Ihnen die Invalidenversicherung.

Darüber hinaus gewährt die IV Arbeitgebenden Einarbeitungszuschüsse während der Anlern- oder Einarbeitungszeit im Zuge der Wiedereingliederung. Ziel dieser Massnahme ist es, Arbeitgebende zur Einstellung von Menschen mit Behinderung zu motivieren.

Berufsberatung

Müssen sich Erwachsene aus gesundheitlichen Gründen beruflich neu orientieren, prüft die IV den Anspruch auf eine Berufsberatung. Die Berufsberatung der IV dient der Erfassung des Versichertenprofils. Dabei werden die Fähigkeiten und Interessen der versicherten Person sowie ihre Neigungen im Hinblick auf die Ausübung einer geeigneten, auf die gesundheitliche Beeinträchtigung zugeschnittenen beruflichen Tätigkeit festgehalten. Die Leistung beinhaltet Beratungsgespräche und, falls erforderlich, psychologische Tests. Unter gewissen Umständen können praktische berufliche Abklärungsmassnahmen auf dem Arbeitsmarkt oder in spezialisierten Institutionen durchgeführt werden.

Ein Mann und eine Frau sitzen an einem Tisch und besprechen ein Dokument. | © Gesellschaftsbilder.de

Wenn sich Versicherte aufgrund gesundheitlicher Gründen beruflich neu orientieren müssen, besteht unter Umständen ein Anspruch auf eine Berufsberatung der IV. (Foto: Gesellschaftsbilder.de)

Umschulung

Die Umschulungsmassnahmen der IV zielen darauf ab, die Erwerbsfähigkeit einer gesundheitsbedingt erwerbsunfähigen Person zu erhalten, wiederherzustellen oder zu verbessern. Voraussetzung für die Übernahme einer Umschulungsmassnahme ist, dass die versicherte Person vor Eintritt der Invalidität eine Berufsausbildung abgeschlossen oder ein bestimmtes Erwerbseinkommen erzielt hat. Die IV übernimmt sämtliche Kosten für die Umschulung. Dazu gehören: Berufslehre, Grundausbildung, verschiedene Schulgänge, Sonder- und Weiterbildungskurse, Wiedereinschulung in die bisherige Tätigkeit, Eingliederung in einen anderen Aufgabenbereich, Vorbereitung auf eine Hilfsarbeit. Die Umschulung hat einfach und zweckmässig zu erfolgen. Sie soll der versicherten Person eine Tätigkeit ermöglichen, die ihr ein Erwerbseinkommen gewährleistet, das gleich hoch ist wie das vor der gesundheitlichen Beeinträchtigung erzielte Einkommen.