Berufliche und schulische Inklusion

Mit Inklusion ist die selbstverständliche gesellschaftliche Zugehörigkeit von allen Menschen gemeint. Der beruflichen und schulischen Inklusion kommt dabei ein besonders hoher Stellenwert zu. Denn Bildung und Arbeit ermöglichen nicht nur ein selbstbestimmtes Leben, sondern sind auch ein wichtiger Aspekt der gesellschaftlichen Teilhabe.

Im Gegensatz zum Konzept der Integration, das noch immer von einem Zweiklassensystem ausgeht, geht die Inklusion von der Einzigartigkeit jedes Menschen aus. Das heisst, jeder Mensch wird in seiner Individualität und mit seinen besonderen Fähigkeiten, sprachlich-kulturellen Hintergründen oder sozialer Herkunft akzeptiert und als Erweiterung der Gesellschaft wahrgenommen. Normalität wird nicht vorausgesetzt. Vielmehr sind Diversität und das Vorhandensein von Unterschieden normal. 

Berufliche Inklusion

Menschen mit Behinderung sind im Vergleich zu Menschen ohne Behinderung mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit auf dem Arbeitsmarkt inaktiv. Demgegenüber stehen jedoch zahlreiche Unternehmen, die aktiv die berufliche Inklusion von Menschen mit Behinderung vorantreiben und unter Gesichtspunkten des demografischen Wandels und der Diversität nicht mehr auf diese wichtige Ressource von potenziellen Arbeitnehmenden verzichten wollen. Solche Unternehmen zeigen, dass eine erfolgreiche Inklusion nicht nur machbar, sondern für die Unternehmen äusserst bereichernd ist. 

Gerade in der Arbeitswelt ist die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Inklusion, dass auf die Stärken von Menschen gesetzt wird und auf die wirkungsvolle Nutzung ihrer Fähigkeiten. Berufliche Inklusion bedeutet, den Fokus auf die Stärken und besonderen Fähigkeiten von Menschen mit Behinderung zu richten. Es steht nicht eine Norm im Vordergrund, sondern der Gedanke, wie die individuellen Fähigkeiten einer Person bestmöglich eingesetzt werden können.

Frau sitzt in einem Rollstuhl und arbeitet am Computer. | © Gesellschaftsbilder

Die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche berufliche Inklusion ist, dass auf die Stärken von Menschen mit Behinderung gesetzt wird. (Foto: Gesellschaftsbilder)

Von der beruflichen Inklusion profitieren sowohl Menschen mit als auch Menschen ohne Behinderung. Menschen mit Behinderung wird ermöglicht, selbständig für den Lebensunterhalt zu sorgen und am sozialen Leben teilzuhaben. Durch Arbeit fühlen wir uns zudem nützlich, was wiederum das Selbstwertgefühl steigert. Von Vielfalt und der Unterschiedlichkeit von Menschen profitieren aber auch Menschen ohne Behinderung. Denn dies eröffnet neue Perspektiven, Ideen und Ansätze, welche für alle Menschen wertvoll sind. 

Schulische Inklusion

Die schulische Integration orientiert sich oft am Einzelfall oder an einer teilzeitlichen Integration von Kindern oder Jugendlichen mit besonderem Bildungsbedarf in eine Klasse der Regelschule. Es wird versucht Kinder mit Behinderung in ein Schulsystem einzugliedern, das hauptsächlich für Kinder ohne Behinderung geschaffen wurde. Im Gegensatz dazu geht es bei der Inklusion darum, die Gesellschaft von Anfang an so zu gestalten, dass jeder Mensch gleichberechtigt an allen Prozessen teilhaben und sie mitgestalten kann. Es sollen ganze Schulsysteme dahingehend so gestalten werden, dass sie integrativ wirken.

Eine Stärkung dieses Gedankens sieht UNO-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen vor. Deren Ziel ist, die Chancengleichheit von Menschen mit Behinderung zu fördern und ihre Diskriminierung in der Gesellschaft zu unterbinden. Die einzelnen Staaten werden also dazu verpflichtet, ein inklusives Bildungssystem sicherzustellen. Dadurch haben Menschen mit Behinderungen gleichberechtigt mit Nichtbehinderten Zugang zu einem integrativen, hochwertigen und unentgeltlichen Grundschulunterricht und einer entsprechenden Sekundarschulbildung. 

Schüler sitzen in einem Klassenzimmer | © Gesellschaftsbilder

Bei der schulischen Inklusion geht es darum, ganze Schulsysteme so zu gestalten, dass sie integrativ wirken. (Foto: Gesellschaftsbilder)

Das Recht auf die integrative Schule, wie es mit der UNO-Behindertenkonvention verbunden ist, bedeutet jedoch nicht, dass jedes Kind mit einer Behinderung auch zwangsläufig integrativ oder inklusiv geschult werden muss. Wer auf eine besondere schulische Infrastruktur angewiesen ist und wenn alle beteiligten Parteien zum Schluss kommen, dass es zum Wohl des Kindes ist, einen Sonderschul-Unterricht zu besuchen, wird es dies auch weiterhin tun können. Im Zentrum soll immer das Wohl des Kindes stehen.

Behindertenquote als Lösung?

In manchen Ländern wie beispielsweise Deutschland kommt eine Behindertenquote zur Anwendung. Diese soll Menschen mit Behinderungen einen möglichst unkomplizierten Zugang zum Arbeitsmarkt verschaffen. Allerdings stellt sich Frage der Definition einer Behinderung und wer als Mensch mit Behinderung zählt. Eine Voraussetzung für eine Behindertenquote wäre also, dass klar abgrenzbar ist, wer als «behindert» zählt. Ausserdem müsste die Strafzahlung hinreichend gross sein, damit Unternehmen einen finanziellen Anreiz für die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung haben.