Das autonome Nervensystem steuert viele lebenswichtige Körperfunktionen automatisch: Herzschlag, Blutdruck, Atmung und Verdauung. Bei einer Dysautonomie funktioniert diese Regulation nicht richtig. Die Folge sind vielfältige Symptome, die den Alltag der Betroffenen stark beeinträchtigen können.
Dysautonomie ist keine einzelne Krankheit, sondern ein Sammelbegriff für verschiedene Störungen des autonomen Nervensystems. Die Symptome können sehr unterschiedlich sein und reichen von Kreislaufproblemen über Magen-Darm-Beschwerden bis hin zu Störungen der Temperaturregulation. Da viele Organsysteme betroffen sind, erleben Betroffene ihre Beschwerden oft als schwer fassbar und wechselhaft.
Was ist Dysautonomie?
Unter Dysautonomie versteht man eine Fehlfunktion des autonomen Nervensystems (ANS) – jenes Teils des Nervensystems, der unbewusst Körperprozesse steuert. Normalerweise sorgt das ANS dafür, dass sich der Körper automatisch an verschiedene Situationen anpasst, etwa durch Anpassung des Blutdrucks oder der Herzfrequenz.
Bei einer Dysautonomie gelingt diese Regulation nicht mehr zuverlässig, was zu Über- oder Unterreaktionen des Körpers führt.
Formen von Dysautonomie
Dysautonomie kann in verschiedenen Formen auftreten. Zu den bekanntesten gehören:
- Posturales Tachykardie-Syndrom (POTS) – gekennzeichnet durch einen übermässigen Pulsanstieg beim Aufstehen.
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Neurokardiogene Synkope (NCS) – führt zu plötzlichem Blutdruckabfall und Ohnmachtsanfällen.
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Orthostatische Hypotonie – der Blutdruck sinkt beim Aufstehen, was Schwindel oder Schwäche verursacht.
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Multiple Systematrophie (MSA) – eine seltene, neurodegenerative Erkrankung mit schwerer Dysautonomie.
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Autonome Neuropathie – Schädigung der autonomen Nerven, oft als Folge anderer Erkrankungen (z. B. Diabetes).
Viele Betroffene zeigen Symptome, die sich nicht eindeutig einer Form zuordnen lassen oder Mischformen darstellen.
Ursachen von Dysautonomie
Die Ursachen können vielfältig sein. Manche Formen entstehen primär, also ohne bekannte Grunderkrankung, andere sind sekundär, das heisst Folge anderer Erkrankungen.
Mögliche Auslöser sind:
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Autoimmunerkrankungen
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Infektionen (z. B. nach einem Virusinfekt wie Epstein-Barr oder COVID-19)
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Neurologische oder endokrine Erkrankungen, also Störungen des Hormonsystems
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Genetische Faktoren
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Körperliche oder psychische Belastungen
Symptome einer Dysautonomie
Da das autonome Nervensystem viele Funktionen steuert, sind die Symptome breit gefächert. Typische Beschwerden können sein:
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Kreislaufprobleme (Schwindel, Herzrasen, Ohnmacht)
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Blutdruckschwankungen
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Müdigkeit und Erschöpfung
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Verdauungsstörungen
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Temperaturregulationsprobleme (z. B. starkes Schwitzen oder Frieren)
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Kopfschmerzen, Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen
Die Schwere und Kombination der Symptome kann von Tag zu Tag variieren. Viele Betroffene erleben Phasen mit starker Beeinträchtigung und andere mit relativ stabiler Funktion.
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Diagnose von Dysautonomie
Die Diagnose kann schwierig sein, da die Symptome unspezifisch sind und sich mit anderen Erkrankungen überschneiden. Fachpersonen nutzen verschiedene Tests, um die Funktion des autonomen Nervensystems zu überprüfen, darunter: (Tilt-Table-Test), Puls- und Blutdruckmessung im Liegen und Stehen, Schweisstests, Herzfrequenzvariabilitätsmessung.
Eine sorgfältige Anamnese ist entscheidend, um andere Ursachen auszuschliessen und das individuelle Muster der Symptome zu verstehen.
Behandlung und Therapieansätze
Eine Heilung ist bei den meisten Formen der Dysautonomie derzeit nicht möglich, aber die Symptome können durch gezielte Massnahmen deutlich verbessert werden.
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und den individuellen Beschwerden. Sie umfasst:
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Lebensstiländerungen (z. B. Flüssigkeits- und Salzaufnahme, Kompressionsstrümpfe)
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Physiotherapie und Kreislauftraining
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Medikamente zur Stabilisierung von Blutdruck und Herzfrequenz
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Psychologische Unterstützung bei chronischer Belastung
Ziel der Therapie ist es, die Lebensqualität zu verbessern und die Belastbarkeit zu steigern.
Dysautonomie: ein oft übersehener Zusammenhang
Dysautonomie wird häufig erst spät erkannt, weil die Beschwerden in viele medizinische Fachgebiete hineinreichen. Fachpersonen betonen zunehmend, wie wichtig ein ganzheitlicher Blick auf Körper und Nervensystem ist. Für viele Betroffene bedeutet eine Diagnose grosse Erleichterung, sie zeigt, dass ihre Symptome real sind und eine physiologische Ursache haben.