Depression – eine weit unterschätzte Krankheit

Etwa 9 Prozent der Schweizer Bevölkerung leiden an einer Depression – wie definiert man diesen Begriff und was sind die Auslöser? Der folgende Artikel klärt auf.

Depression ist eine ernst zu nehmende psychische Erkrankung. Frühe Diagnose und Therapien sind wichtig, um wieder ein freudvolles und ausgeglichenes Leben zu führen. Wer an einer Depression erkrankt, leidet unter anhaltenden tiefen Verstimmungen, aus denen er sich in der Regel nicht mehr selbst befreien kann. Diese unterscheiden sich von «normalen» Gefühlen der Erschöpfung, Mutlosigkeit und Trauer, die als Reaktion auf konkrete Probleme entstanden sind. Solche «Tiefs» kennt jeder und diese gehen meist vorüber, sobald die auslösenden Ereignisse verarbeitet sind.

Eine unbehandelte Depression dagegen bessert sich in der Regel nicht von selbst. Sie kann unterschiedliche Ursachen haben und auch völlig unabhängig von äusseren Umständen auftreten. 

Ein deprimierter Mann sitzt unter einem Fenster. | © unsplash

Eine unbehandelte Depression bessert sich in der Regel nicht von selbst. (Foto: Unsplash)

Kombination mehrerer Einflüsse führen zur Depression

Depressionen haben in den meisten Fällen mehrere Ursachen. Körperliche und genetische Einflüsse treten mit psychischen und psychosozialen Auslösern in Wechselwirkung und verstärken sich gegenseitig. Aufgrund des sehr komplexen Zusammenspiels verschiedener Auslöser gibt es weder die «typische Depression» noch den «typischen Depressiven».

Zu den biologischen Ursachen zählen in erster Linie erbliche Faktoren: bestimmte Gene, die mit einem etwas erhöhten Risiko für eine Depression verbunden sind. Wer ein solches Gen geerbt hat, bekommt bei entsprechender Belastung im Laufe des Lebens eher eine Depression als ein anderer, welcher eine robustere Ausstattung geerbt hat.

Gründe können auch körperliche Auslöser, wie zum Beispiel der Hirnstoffwechsel, sein. Dieser kann aus dem Lot geraten und die Botenstoffe Serotonin und/oder Noradrenalin liegen nicht mehr in optimaler Konzentration vor. Ist das Gleichgewicht dieser Botenstoffe gestört, können Impulse zwischen den Hirnzellen nicht mehr richtig übertragen werden. Sinneseindrücke können nicht mehr richtig verarbeitet werden, die Gefühle und Gedanken der Betroffenen verändern sich. 

Krankheiten als Auslöser einer Depression

Aber auch Krankheiten wie Tumore, Gehirnverletzungen, Schlaganfall oder schwere Hormonstörungen können Depressionen mitverursachen. Oft lässt sich nicht klar abgrenzen, ob die Depression in solchen Fällen als Reaktion auf die Erkrankung entsteht oder umgekehrt – die Depression die auslösende Ursache dafür ist. Auch hier kann von einem Zusammenspiel physischer, psychischer und psychosozialen Faktoren ausgegangen werden. Körperliche Begleitsymptome wie Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit und Schlafstörung sind häufig. Weitere Beschwerden sind unter anderem ungeklärte Magen-Darm-Beschwerden, Appetitlosigkeit oder Hautveränderungen.

Ein nächster Punkt wäre die Reaktion auf Stress. Forschungen zeigen, dass bei chronischem Stress, einem akuten psychischen Trauma oder während einer Infektionserkrankung die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol erhöht ist. Die durch den Stress erhöhte Cortisolmenge kann Verhaltensänderungen wie Konzentrations-, Schlaf- und Appetitstörungen, Verlust des sexuellen Verlangens und eine verstärkte Angstreaktion, verursachen. All diese Verhaltensänderungen sind auch für Depressionen typisch. Für die Disbalance der Stresshormone spielt laut Expertenmeinung die Veranlagung des Menschen eine wichtige Rolle. Noch zu klären wäre, ob der Umgang mit Stress, Problemen, Krisen oder Verlusterlebnissen nicht effektiv erlernt wurde oder Erbanlagen in bestimmter Art und Weise zusammenwirken und damit die Krankheit begünstigen. 

Veränderte Lebensumstände können Depression fördern

Einschneidende Lebensereignisse, die mit einem Rollenwechsel oder Verlust zu tun haben, können das Risiko für eine Depressionserkrankung erhöhen. Schwere traumatische Kindheitserlebnisse, der Verlust enger Bezugspersonen, Missbrauch und Gewalt und auch emotionale Vernachlässigung. Auch die Berentung (besonders die erzwungene oder vorgezogene), die Geburt eines Kindes, Mobbing am Arbeitsplatz oder Verlust von sozialen Kontakten nach Unfällen oder Migration, sowie Konflikte im Familien- und Freundeskreis zählen dazu. Auch persönliche Eigenschaften wie extreme Leistungsorientierung, hohes Verantwortungsbewusstsein und eine stark selbstkritische, perfektionistische Haltung können die Anfälligkeit für Depressionen erhöhen. 
 
Tritt ein seelisches Tief regelmässig in den lichtärmeren Herbst- und Wintermonaten auf, kann es sich um eine Winterdepression handeln. Wer darunter leidet, ist nicht immer unbedingt niedergeschlagen und traurig. Er ist vor allem müde, abgeschlagen und lustlos. Typisch für eine solche saisonal abhängige Depression sind Heisshunger nach süssen, kalorienreichen Speisen und ein erhöhtes Schlafbedürfnis. 

Ein dunkler Wald während der Wintermonate | © pixabay

Tritt ein seelisches Tief in lichtärmeren Monaten auf, kann es sich um eine Winterdepression handeln. (Foto: Pixabay)

Stoffwechselerkrankungen und Depressionen

Bestimmte Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes, Schilddrüsenfunktionsstörungen, neurologische Erkrankungen wie die Parkinson-Krankheit oder Demenzen gehen oft mit ausgeprägten Stimmungstiefs und Depressionen einher. Auch Infektionserkrankungen wie eine Lungenentzündung und Herzerkrankungen wirken auf die Psyche.

Besonders anfällig für eine depressive Verstimmung sind ältere Menschen. Einschneidende Lebensveränderungen, Krankheiten und Medikamente beeinflussen in den höheren Jahren oft in vielfältiger Weise das Gemüt. Medikamente können ebenfalls für ein seelisches Tief verantwortlich sein. Dazu gehören einige Herz-Kreislaufmittel, Schlafmittel oder Medikamente gegen Allergien. Nicht zuletzt entwickeln alkohol- oder drogenabhängige Menschen teilweise anhaltende depressive Symptome.