Vernachlässigung von Geschwisterkinder

Geschwister von Kindern mit Behinderung, auch Geschwisterkinder genannt, sind genau wie die ganze Familie im Alltag zusätzlich herausgefordert. Sie als Eltern mögen sich fragen, wie Sie nebst der Betreuung und der Aufmerksamkeit für Ihr Kind mit Behinderung dem*n Geschwisterkind*ern gerecht werden können – und was dies praktisch gesehen überhaupt bedeutet. Hierfür gibt es unterschiedliche Ansätze.

Wichtig ist zu erkennen, dass Geschwisterkinder sehr wohl im Risiko stehen, vernachlässigt zu werden, vor allem aber ganz vielen Chancen gegenüberstehen dank Ihrer ganz eigenen Familienkonstellation. In diesem Artikel hat EnableMe unterschiedliche Aspekte des Geschwisterkind-Seins zusammengefasst, zusammen mit Tipps, um eine Überforderung, resultierend aus einer Vernachlässigung, zu vermeiden. 

Noch konkreter werden diese 6 Wünsche, die von einem Geschwisterkind stammen.

Unternehmen Sie einmal wöchentlich mit dem gesunden Kind etwas, damit es dieses Privileg geniessen kann. (Foto: Pixabay)

  1. Eltern sollten versuchen mindestens einmal wöchentlich nur mit dem gesunden Kind etwas Spannendes zu unternehmen beispielsweise eine Fahrradtour oder einen Besuch im Kletterpark. «Das ist für die Kinder ein wunderbares Privileg, das sie meist sehr geniessen, weil sie sonst oft zurückstecken». Kleineren Kindern sind eine Extraportion Kuscheln immer willkommen. 

  2. Eltern sollten ihre gesunden Kinder so oft wie möglich loben. Oft spüren sie, dass jeder kleinste Entwicklungsschritt ihres kranken Geschwisterteils mehr Anerkennung findet, als die eigenen Erfolge etwa in der Schule oder beim Sport.

  3. Wichtig sind für Ihre Kinder auch regelmässige Aktivitäten ausserhalb der Familie, wie etwa im Sportverein oder beim Malkurs. Die Kinder brauchen auch einmal andere Perspektiven, brauchen die Möglichkeit, auch mal abschalten zu können.

  4. Für die gesunden Geschwisterkinder ist es wichtig neben ihren Eltern auch andere Vertrauenspersonen aus der Familie zu haben – sei es etwa die Grosseltern oder Onkel und Tante. Diese Vertrauten kennen die besondere Familiensituation, haben häufiger als die gestressten Eltern ein offenes Ohr für die Sorgen der Kinder und können so zu einem wichtigen Verbündeten werden.

  5. Da die Geschwister von Kinder mit Behinderung oder chronischer Erkrankung einen grossen Gesprächsbedarf haben und sie sich kaum mit Freunden über ihre Probleme austauschen können, ist der Austausch mit anderen Kindern wichtig, um Verständnis zu bekommen. Zahlreiche Initiativen machen hierzu Angebote wie etwa Ferienfreizeiten für die Geschwister von Kinder mit Behinderung.

  6. Kinder spüren es, wenn es den Eltern auch gut geht. Deshalb achten Sie darauf, etwas für sich selbst zu tun und ausserhalb des häuslichen Umfeldes etwas gemeinsam zu unternehmen. «Achtsamkeit sich selbst gegenüber ist sehr wichtig, um die Lebensbatterie wieder aufzuladen. Diese positiven Impulse erlebt dann auch das gesunde Kind als Energiequelle» Um die unbeschwerten Stunden auch geniessen zu können, sollte jedoch eine zuverlässige Betreuung für das kranke Kind organisiert werden. Manchmal gibt es hilfsbereite Verwandte oder Nachbarn, die Ihre Familie gut kennen oder auch familienentlastende Dienste oder andere soziale Einrichtungen. 

Geschwisterkinder brauchen Anerkennung und Lob. (Foto: Pixabay)

Zusätzlich können noch folgende Punkte dazu dienen, dass Geschwisterkinder in erster Linie Kinder sein können: 

  • Eigenständige Entwicklung der Geschwister fördern
  • Keine dauerhaften Aufgaben als erwachsene Bezugspersonen übernehmen, wenn sie noch Kind sind
  • Tadel oder Kritik muss ausgeglichen sein, mit allen Kindern
  • Offenheit und Transparenz bei Ängsten der Geschwister und Fragen wie: Werde ich auch behindert?
  • Keinen übertriebenen (wenn auch gut gemeinten) Leistungsdruck; das Geschwisterkind muss nicht sämtliche Träume der Eltern für ihre Kinder erfüllen
  • Auf regelmässige Freiräume für die Geschwisterkinder achten; Zeiten einplanen, die Sie alleine mit den*m Geschwisterkind*ern verbringen, oder Zeiten, wo das Geschwisterkind für sich alleine sein kann, etwa beim Sport oder sonstigen Aktivitäten. 

Hier finden Sie weitere Informationen

Dieser Artikel gibt weitere Tipps, welche im Alltag sehr konkret einsetzbar sind. 

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