Umgang mit einer Krebsdiagnose
Es gibt Momente, die das Leben von einer Sekunde auf die andere verändern. Die Schockdiagnose Krebs ist einer davon. Gestern hatten Sie noch ein ganz normales Leben, aber plötzlich wird alles durchgeschüttelt und auf den Kopf gestellt. Untersuchungen, das Warten auf Ergebnisse, Therapien, körperliche und psychische Symptome. Die Liste an Herausforderungen, die auf Sie zukommen können, ist lang und die Hürden erscheinen hoch, ja teilweise sogar fast unüberwindbar. Der Alltag, in dem Sie schon lange Zeit leben, hat sich schlagartig verändert.
Autor:in med. pract. Markus Schneider
Die Schockdiagnose Krebs ist mit der Unterstützung von Familie, Freunden und Fachpersonen leichter anzunehmen. (Canva)
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Zusammenfassung
- Eine Krebsdiagnose ist ein Schock und verändert das Leben stark.
- Körperliche und psychische Symptome treten häufig auf.
- Es ist wichtig, Hilfe anzunehmen und auf den eigenen Körper zu hören.
In diesem Artikel möchte ich die Auswirkungen einer Krebsdiagnose auf das alltägliche Leben beschreiben. Zusätzlich ist es mir ein Anliegen, mögliche Wege, mit diesen Veränderungen umzugehen, aufzuzeigen.
Schockdiagnose Krebs: und jetzt?
Als erstes bekommen Sie einen Termin bei einer Onkologin oder einem Onkologen. Diese haben sich auf Krebs spezialisiert. In diesem Termin geht es darum, die Diagnose zu erklären und zu besprechen. Dann werden Ihnen mögliche Therapien aufgezeigt, die bei der jeweiligen Tumorart zum gewünschten Erfolg, also zu einer Heilung führen können.
Behandlungsmethoden bei Krebs:
- Operation
- Chemotherapie
- Radiotherapie (Bestrahlung)
- Immuntherapie (im Faktenblatt des deutschen Krebsinformationszentrum erfahren Sie mehr)
- experimentelle Behandlungen
Diese Therapien können je nach Diagnose einzeln oder kombiniert eingesetzt werden. Es kann zum Beispiel sein, dass eine Operation reichen würde, dass Ihnen aber, um eine grösstmögliche Sicherheit zu erreichen, zusätzlich eine Chemo- oder Radiotherapie empfohlen wird.
Zu diesem Gespräch können Sie alleine gehen, aber es gibt oft besseren Halt, wenn Sie von einer vertrauten Person (Ehepartner:in, enger Freund:in) begleitet werden. Zudem hören vier Ohren mehr und besser als zwei. Schreiben Sie vor dem Gespräch Themen und Fragen auf, die Sie gerne besprechen möchten.
Krebsdiagnose: Auswirkungen auf die Psyche
Eine Krebsdiagnose macht mit der Psyche jedes Menschen etwas. Da wir nicht alle gleich sind, unterscheiden sich die Reaktionen von Mensch zu Mensch. Am häufigsten ist eindeutig ein Schock. Sie erhalten die Diagnose und sind plötzlich ernsthaft krank. Die eigene Zukunft gerät ins Wanken.
Auch gibt es die Reaktion des Verleugnens, im Sinne von:
« Das ist sicher eine Fehldiagnose, ich bekomme so etwas nicht. »
Es gibt aber auch Menschen, die so tun, als sei nichts passiert, die, meist vordergründig, «normal» weiterleben. Da steckt oft die Angst dahinter, dass es jemand erfahren könnte. Die häufigsten psychischen Symptome sind: Angst (vor dem, was auf Sie zukommt), Wut, Unsicherheit, Traurigkeit. Solche Belastungen sind nicht auf Krebs beschränkt: Auch andere chronische Krankheiten können die psychische Gesundheit stark beeinträchtigen. In unserem Artikel «Coping: Umgang mit schwierigen Diagnosen und Situationen» finden Sie hilfreiche Tipps.
Sehr wichtig ist: Diese Gefühle sind normal. Sie sollten sie nicht unterdrücken.
Sie können sich aber Hilfe suchen. Diese kann von Ärzt:innen, Psychoonkologie:innen (in unserem Artikel erfahren Sie, was Psychoonkologie genau ist) oder auch vom Sozialdienst kommen. Oft hilft es schon sehr, wenn Ihnen einfach jemand zuhört und Sie das, was Sie belastet, abladen können. Sie sind in dieser schweren Zeit nicht alleine.
Darüber sprechen hilft
Ein Leben mit chronischen Schmerzen bringt verschiedene Herausforderungen mit sich. Sie sind jedoch nicht alleine! Sich mit anderen Betroffenen auszutauschen hilft, neue Lösungen und Perspektiven zu finden. Teilen Sie Fragen und Herausforderungen bei einem persönlichen Peer-Austausch oder stellen Sie Ihre Fragen anonym und kostenlos in unserer Community.
Körperliche Auswirkungen von Krebs
Die Auswirkungen einer Krebsdiagnose auf den Körper sind abhängig von der Krebsart. Häufige Symptome sind:
- Schmerzen
- Übelkeit
- Gewichtsveränderungen
- Fatigue
- Schlafstörungen
- Nervosität
Auch die Therapie kann Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Magen-Darm-Beschwerden oder ein geschwächtes Immunsystem mit sich bringen.
Wichtig ist es, dass Sie auf Ihren eigenen Körper hören. Der Körper braucht mehr Ruhe und Erholung, eine gute Ernährung und sollte nicht überlastet werden. Anstatt an der frischen Luft durch den Wald zu joggen, ist jetzt ein gemütlicher Spaziergang viel hilfreicher und gibt Ihnen Energie, die in dieser Zeit sehr wichtig ist, anstatt sie zu nehmen. Der Körper braucht in dieser Zeit viel Energie und Aufmerksamkeit.
Soll ich weiterarbeiten?
Auch wenn es nach einer solchen Schockdiagnose nebensächlich erscheint: Die berufliche Situation kann früher oder später Kopfzerbrechen bereiten, zumal die finanziellen Folgen einer Krebserkrankung nicht absehbar sind. Ob und wie viel Sie arbeiten können, hängt von der Erkrankung, der Behandlung und Ihrem persönlichen Befinden ab. Tumor, Therapien, Termine und die psychische Belastung können viel Energie kosten. Deshalb kann es sinnvoll sein, das Arbeitspensum zu reduzieren oder vorübergehend ganz auszusetzen. Auch flexible Arbeitszeiten, Homeoffice oder Anpassungen am Arbeitsplatz können entlasten. Einen ausführlichen Ratgeber dazu bietet die Krebsliga.
Wenn eine Weiterarbeit nicht möglich ist, informieren Sie sich frühzeitig über Ihre Rechte und mögliche Unterstützung, etwa durch einen Jobcoach oder eine Wiedereingliederung.
Wen soll ich informieren?
Da sind Sie frei. Häufig werden Angehörige und enge Freund:innen informiert. Das sind auch die Personen, mit denen am häufigsten das Gespräch gesucht wird.
Ob Sie es Ihrem Arbeitgeber sagen, bleibt Ihnen überlassen (in unserem Artikel finden Sie Tipps zur Offenlegung einer Krankheit oder Behinderung am Arbeitsplatz). Oft kann es hilfreich sein, da Sie so das Fehlen über längere Zeit spezifischer begründen können. Wenn Sie nichts Genaues benennen möchten, können Sie statt der Diagnose auch ernsthafte Erkrankung sagen.
Ich hoffe, dieser Artikel kann Ihnen auf Ihrem eigenen Weg etwas weiterhelfen. Ich wünsche Ihnen sehr viel Kraft und Zuversicht.
Wir danken med. pract. Markus Schneider, Facharzt für Radioonkologie FMH, Praktischer Arzt FMH, Psychoonkologischer Berater SGPO ganz herzlich für den Fachartikel. Markus Schneider lebt seit 20 Jahren mit einer chronischen Krankheit und hat deshalb viel Erfahrung, was den Umgang mit unsichtbaren Symptomen betrifft.