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Resilienz bei chronischen Krankheiten

Wieso kann dieser Mensch besser mit seiner Diagnose umgehen als ich? Dies ist eine Frage, die sich viele Menschen mit einer chronischen Krankheit mit Sicherheit schon gestellt haben. Und es ist tatsächlich so. Es gibt Personen, die sich mit der Diagnose arrangieren und ein erfülltes Leben haben können. Aber es gibt auch Menschen, die grosse Mühe damit haben und immer wieder in psychische «Löcher» fallen. Gibt es ein Wort dafür, wie widerstandsfähig wir sind? Ja: Resilienz.

Drei Frauen in einem Raum: Eine Ärztin sitzt am Tisch und stempelt ein Dokument, zwei andere Frauen sitzen und stehen daneben, umarmen sich und lächeln. Auf dem Tisch liegen Papiere und ein Blutdruckmessgerät. Die Stimmung wirkt freundlich und unterstützend. | © pexels

Resilienz ist das Immunsystem der Seele und kann beim Umgang mit einer chronischen Krankheit helfen. (pexels)

In diesem Artikel möchte ich näher auf den Begriff Resilienz eingehen und zeigen, dass dieses Wort eine grosse Hilfe sein kann, vor allem in Situationen, in denen man das Gefühl hat, den Boden unter den Füssen zu verlieren.

Was ist Resilienz?

Das Wort Resilienz kommt aus dem lateinischen. Gleichgesetzt wird es oft mit Widerstandsfähigkeit. Das heisst, die Fähigkeit von Menschen, schwierige Lebenssituationen, wie zum Beispiel den Erhalt einer Diagnose ohne dauerhafte psychische Belastung zu überstehen oder sogar gestärkt daraus hervorzugehen. Da ist jeder Mensch verschieden. Die einen haben quasi eine sehr «dicke Haut», andere sind deutlich «dünnhäutiger».

Resilienz lernen

Oft kommt dann die Frage in einem auf: «Wieso kann sie oder er so gut mit dieser schwierigen Situation umgehen, aber ich dagegen gehe fast unter?» Darauf gibt eine beruhigende Antwort. Resilienz ist eine Fähigkeit, die man lernen, also trainieren und stärken kann. Daher wird Resilienz auch oft als Immunsystem der Psyche bezeichnet, da sie durch Stress oder äussere «Angreifer» stärker werden kann, genauso wie unser Immunsystem durch eine Impfung. Man wird immuner. Wie es gelingen kann, die eigene Resilienz zu stärken, werden wir nachfolgend betrachten.

Die 7 Säulen der Resilienz

Die 7 Säulen der Resilienz sind Schlüsselkompetenzen, die helfen, schwierige Situationen und Umstände zu bewältigen. Sie bilden das Fundament der psychischen Widerstandsfähigkeit:

Akzeptanz

Man akzeptiert Dinge, die nicht zu ändern sind. Dies hat einen grossen Vorteil. Man kann die Energie nutzen, um sich auf Sachen zu fokussieren, die zu ändern sind. Man kann beispielsweise seinen Alltag so verändern, dass er zu der neuen Situation passt. Dies bringt Sicherheit und senkt das Stressniveau deutlich. Man wird ruhiger und gelassener.

Optimismus

Wenn man krankheitsbedingte Einschränkungen hat, ist es oft so, dass man sich auf diese Dinge konzentriert, die nicht mehr möglich sind. Hilfreich ist es jedoch, wenn man sich mit den Dingen beschäftigt, die noch möglich sind. Ich weiss aus eigener Erfahrung, dass dies nicht einfach ist. Aber es hilft sehr, wenn man sich bewusst macht, was man in seinem Leben schon erreicht hat und dankbar ist für die Dinge, die möglich sind. Dies bringt viel Freude und Lebensqualität zurück.

Lösungsorientierung

Leider denken wir in Zeiten, in denen es uns nicht gut geht, viel zu oft an das Negative, also an das Problem. Dadurch bleibt man quasi gefangen in der «Problemzone». Wichtig wäre es aber, die Gedanken auf die Lösung zu lenken. Was kann ich ändern, was für Anpassungen sind möglich, um den Alltag wieder freundlich und «Freude schenkend» zu machen?

Opferrolle verlassen

Oft fühlt man sich, wenn man eine schwerwiegende Diagnose erhält, als Opfer. Man sucht nach den Schuldigen, die einem das angetan haben. Leider ist solches Denken eine Sackgasse. Als Opfer gibt man die Möglichkeit auf, selbst etwas für die momentane Situation zu tun. Wenn man sich aber in Erinnerung ruft, was man in seinem Leben schon alles geschafft hat, werden einem die eigenen Fähigkeiten wieder bewusst. So ist es möglich, selbst Lösungen und Wege zu finden, um den aktuellen Zustand zu verbessern.

Sieben stilisierte Figuren stehen vor sieben Tempelsäulen. Über ihnen steht „Die 7 Säulen der Resilienz“. Unter den Figuren steht: Akzeptanz Optimismus Lösungsorientierung Opferrolle verlassen Eigenverantwortung Netzwerke aufbauen Zukunft planen | © EnableMe / Stiftung MyHandicap Die 7 Säulen der Resilienz. (EnableMe / Stiftung MyHandicap)

Eigenverantwortung

Man kann in seinem Leben meistens nicht steuern, welchen schwierigen Situationen oder Umständen man begegnet. Was man aber selbst steuern kann, ist wie man mit damit umgeht. Ist man das Opfer, das gerettet werden muss oder nimmt man das Leben selbst in die Hand? Das zweite ist die deutlich bessere Wahl. Denn dadurch übernimmt man die Verantwortung für sich selbst und kann anfangen Dinge zu tun, die einem guttun und sich positiv auf den Verlauf der erhaltenen Diagnose auswirken. 

Netzwerk aufbauen

Ein soziales Netzwerk (Familie, Freunde, Selbsthilfegruppen) ist sehr wichtig für Austausch, Unterstützung oder einfach, wenn man Hilfe oder Trost braucht. Oft hilft es sehr, wenn man seine Gefühle, Ängste und Sorgen mit jemandem teilen kann, da so ein Teil der eigenen Last abgegeben wird. Zudem ist das Gefühl von Zugehörigkeit und Verbundenheit ein sehr wichtiges menschliches Grundbedürfnis. Dies zu stillen, bringt nur Vorteile mit sich.

Zukunft planen

Es ist wichtig, sich realistische Ziele für die Zukunft zu setzen. Dadurch richten wir unsere Gedanken nach vorne. Auch hier kann es vorkommen, dass gewisse Ziele nicht so erreicht werden können, wie wir uns das vorgestellt haben. Doch Ziele sind flexibel und können den jeweiligen Umständen angepasst werden. Dadurch können sie trotzdem erreicht werden, was sich sehr positiv auf unsere Psyche und dadurch auch auf unseren Körper auswirkt.

Der Austausch mit Mitmenschen

Mit anderen Menschen über die eigene Situation zu sprechen, kann sehr hilfreich sein. Zum einen kann man die Last, die man (er-)tragen muss, teilen. Zum anderen ist es häufig so, dass man Tipps bekommt, die einem vieles wieder einfacher machen. Und nicht zuletzt ist es einfach schön, mit anderen Menschen Zeit zu verbringen. Man muss nicht immer über Probleme sprechen, auch Ablenkung tut gut und bringt einen grossen Teil an Lebensqualität zurück. Vielfach ist die Zeit mit Menschen, die einem viel bedeuten, am wichtigsten. Ich selbst sage oft: «Man kann sich im Leben vieles kaufen, aber Gesundheit und Zeit sind unbezahlbar.»

Ich möchte hier noch auf die sehr hilfreichen persönlichen Peer-Austausche und unsere Community hinweisen.

Tipps zur Stärkung der Resilienz

Dies sind einige Tipps, wie man die eigene Resilienz verbessern kann. Es gibt sicher noch mehr Methoden. Wichtig ist, dass man diejenigen praktiziert, die  ein gutes Gefühl vermitteln. Eine Patentlösung gibt es nicht, aber für jeden Menschen den eigenen Weg und die passenden Methoden.

Hier sind nur ein paar der hilfreichen Dinge:

  • Achtsamkeitsübungen in die tägliche Routine integrieren
  • ein Tagebuch führen (zum Beispiel Erfolge und Misserfolge, psychisches Befinden)
  • Realistische Ziele definieren
  • Soziale Kontakte pflegen
  • Gesunde Dinge tun (ausgewogene Ernährung, Bewegung an der frischen Luft, genügend Schlaf)
  • ein Resilienztraining absolvieren (in Kursen oder Workshops)

Ich hoffe, ich konnte Ihnen das spannende Thema Resilienz etwas näher bringen und sie 
vielleicht sogar motivieren, an der eigenen Resilienz zu arbeiten. Es lohnt sich auf jeden Fall sehr.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und Freude.


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