Skip to Content Skip to Mainnavigation Skip to Meta Navigation Skip to Footer
Skip to Content Skip to Mainnavigation Skip to Meta Navigation Skip to Footer

Mit ADHS oder Autismus den Berufseinstieg meistern

Der Lehrstart bereitet vielen Jugendlichen Mühe. Der Eintritt in die «Erwachsenenwelt» ist zunächst ungewohnt und manchmal auch überfordernd. Für Jugendliche mit ADHS oder Autismus kann der Berufseinstieg besonders anspruchsvoll sein. Nicht selten entstehen Missverständnisse oder Konflikte. Wir zeigen, wo mögliche Stolpersteine liegen und wie mit dem notwendigen Wissen sowie einer offenen, zugewandten Haltung der Einstieg in die Berufswelt gelingt.

Zwei junge Mitarbeitende arbeiten konzentriert und im Team an Laptop und Tablet. | © pexels

In einem passenden, inklusiven Lernumfeld können Jugendliche mit ADHS oder Autismus ihr volles Potenzial entfalten. (pexels)

Für Jugendliche mit ADHS oder Autismus (auch ASS, kurz für Autismus-Spektrum-Störung, genannt) ist der Berufseinstieg eine enorme Herausforderung. Aber auch Lehrbetriebe sind gefordert: Statt die Jugendlichen «nur» fachlich auszubilden, haben sie die Verantwortung, Lernende umfassend zu begleiten und eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen. Ausbildungsverantwortliche Personen müssen deshalb möglichst gut auf die verschiedenen Diagnosen und individuellen Ausprägungen vorbereitet sein und eine positive, inklusive Unternehmenskultur fördern.

Augen auf bei der Berufswahl

Jugendliche mit ADHS oder Autismus haben sehr grosses Potenzial – solange die Lehre auf ihre Fähigkeiten und Stärken ausgerichtet ist. Deshalb ist es sehr wichtig, die Diagnose in die Berufswahl einzubeziehen und sich genügend Zeit für Berufsberatungen und Schnupperlehren zu nehmen. Auch ein Coaching oder Erfahrungsaustausch mit anderen Jugendlichen mit einer ähnlichen Diagnose kann helfen, den eigenen Weg zu finden. Hier finden Sie weitere Informationen zu passenden Berufen für Menschen mit ADHS sowie Fragen und Antworten rund um das Arbeiten mit Autismus.

So gelingt der Einstieg in die Lehre

Der Berufseinstieg bringt grosse Veränderungen mit sich. Plötzlich sind Jugendliche in der «Erwachsenenwelt» eingebunden. Viele Jugendliche fühlen sich anfangs verloren und unsicher, da noch keine stabilen Beziehungen zu Lehrpersonen oder Mitschüler:innen vorhanden sind. Und schlimmstenfalls zu merken, dass man aufgrund von ADHS oder Autismus nicht so richtig «ins System passt», kann zusätzlichen Stress erzeugen und Symptome verstärken. Umso wichtiger ist es, den Berufseinstieg behutsam anzugehen und viel Zeit in den Beziehungsaufbau zu stecken.

Offen sein und nicht beurteilen

Sowohl für die Jugendlichen als auch für die Berufsbildenden ist es hilfreich, möglichst offen mit der Diagnose umzugehen. Entscheidend ist dabei nicht zu schubladisieren oder pathologisieren, sondern offen Ausprägungen anzusprechen und aufzuklären. Schliesslich zeigt sich ADHS oder Autismus bei jedem Jugendlichen anders. Unter Umständen kann es auch sinnvoll sein, eine:n Jobcoach:in oder eine:n Case Manager:in hinzuzuziehen, um möglichst vorbehaltlos über die Diagnose zu informieren. In jedem Fall ist es jedoch wichtig, ADHS oder Autismus nicht als Defizit, sondern als eine natürliche neurologische Variante zu sehen. Neurodivergente Menschen können in einem passenden Umfeld sehr grosses Potenzial entfalten. Oder wie es Facharzt und Coach Dr. med. Heiner Lachenmeier erklärt:

«Ein guter Teil der Schwierigkeiten von Menschen mit ADHS resultiert nicht direkt aus der genetischen Kondition, sondern dadurch, dass weder sie selbst noch das Umfeld die unterschiedlichen Funktionsweisen kennen. So entstehen Missverständnisse, Eskalationen und Fehlentwicklungen.»

Herausforderungen frühzeitig ansprechen

Sollten Schwierigkeiten auftreten, ist es entsprechend hilfreich, diese möglichst früh anzusprechen und unangenehme Gespräche nicht aufzuschieben. Oft geschilderte Probleme im Zusammenhang mit ADHS oder Autismus sind:

  • Hohe Ablenkbarkeit
  • Impulsives Verhalten oder ungefilterte Gefühlsäusserungen
  • Missverständnisse
  • Leistungsschwankungen
  • Schwierigkeiten, Prioritäten zu setzen
  • Prokrastinieren

Menschen mit Autismus haben hingegen oft Probleme mit:

  • Überforderung, weil ihnen der Filter für Umweltreize fehlt
  • Soziale Interaktionen, weil sie sich nicht zugehörig fühlen/oder Mimik des Gegenübers nur schwer deuten können
  • Gefühlsäusserungen, weil sie Emotionen nicht immer deuten können

Strafen oder Schuldzuweisungen sind dabei nicht hilfreich, da sie das ohnehin schon geringe Selbstwertgefühl der Jugendlichen mit ADHS oder Autismus weiter schwächen. Vielmehr gilt es Lösungen zu suchen, die zum Beispiel in der Vergangenheit bereits erfolgreich angewendet wurden und die Jugendlichen immer einzubeziehen. Denn das Wichtigste ist, auch bei Problemen immer einander zugewandt zu bleiben, die Beziehung aufrechtzuerhalten und an die Fähigkeiten des Jugendlichen zu glauben. 

Verlierst du manchmal den Überblick?

Diese Tipps helfen Jugendlichen dabei, mit ADHS oder Autismus den Berufseinstieg zu meistern.

Zu den Tipps

Unterstützend und empathisch sein

Entscheidend ist, den Fokus immer wieder weg von den Schwierigkeiten, hin auf die Erfolgserlebnisse zu legen. Gerade in der herausfordernden Anfangsphase ist es für die Jugendlichen besonders wichtig, gesehen zu werden und Anerkennung zu erhalten. Statt Fehler zu analysieren, sollten vielmehr Erfolge gefeiert und die Schlüsse daraus gezogen werden: Warum hat es gut funktioniert? Was sollten wir nächstes Mal wieder so machen? Auch der Arbeitsplatz und das Arbeitsumfeld spielen dabei eine zentrale Rolle und entsprechende Anpassungswünsche sollten ernst genommen werden (zum Beispiel Noise-Cancelling-Kopfhörer, Arbeitsplatzausrichtung, Pausenregelung).

Konkrete Tipps für den Lehralltag

Obwohl es DEN «ADHS-ler» oder DEN Autisten nicht gibt, können gewisse Massnahmen helfen, Störungen zu verringern und den Lehralltag positiv zu gestalten:

  • Regelmässige Pausen und Bewegung: Möglichkeiten schaffen, regelmässig aufzustehen, sich zu bewegen oder Atemübungen zu machen
  • Klare und strukturierte Kommunikation: Aufträge schriftlich und möglichst klar kommunizieren, beugt Missverständnisse vor
  • Wenige, aber wichtige Regeln: Verständliche und übersichtliche Regeln für die Zusammenarbeit und das Verhalten festlegen und Grenzen aufzeigen
  • Abwechslung und Motivation: Für Abwechslung sorgen, keine zu repetitiven Tätigkeiten (Achtung: zu viel Abwechslung kann z.B. für Menschen mit Autismus wiederum herausfordernd sein)
  • Strukturierung der Arbeit: Erläuterung der Tages- oder Wochenstruktur, um Vorhersehbarkeit zu gewährleisten, aber auch um zu priorisieren
  • Organisation und Planung: Technische Hilfsmittel zur Visualisierung oder Planung nutzen, wie zum Beispiel Planungsapps oder Mindmaps
  • Offenheit für Anpassungen oder Nachteilsausgleich: Massnahmen, die nicht funktionieren, anpassen und auch Möglichkeiten des Nachteilsausgleichs prüfen (z.B. mehr Lernzeit, längere Prüfungszeit, zusätzliche Pausen)

Bei all den verschiedenen Massnahmen sowie vermutlich auch Misserfolgen und Enttäuschungen ist es wichtig, immer im selben Boot bleiben und das Ziel, den erfolgreichen Lehrabschluss, nie aus den Augen zu verlieren. Je stärker sich der Lehrbetrieb an die Arbeitsweise des Lernenden mit ADHS oder Autismus anpasst, desto bessere Leistungen kann diese:r erbringen und den Berufseinstieg nicht «trotz», sondern «mit» ADHS oder Autismus erfolgreich meistern!

Wertvolle Zusatzinformationen und Hilfsmittel

Hier finden Sie weitere wichtige Informationen sowie Anlaufstellen und Kurse:


Ist dieser Artikel lesenswert?

Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?