Im November 2023 war ich mit dem Fahrrad auf dem Weg von mir Zuhause zur Arbeit, wie jeden Tag. Ich fahre sehr viel und sehr gerne Fahrrad. Bei Fahrradtouren trage ich immer einen Helm, Kurzstrecke bis dato ohne Helm, was mir zum Verhängnis wurde. Ein Auto hat mir die Vorfahrt genommen, es kam zum Unfall. Die Folge: schweres Schädel-Hirn-Trauma, drei Tage Koma und Hirnblutungen. Ich sass die erste Zeit im Rollstuhl, konnte nicht laufen, hatte meinen Geruchs- und Geschmackssinn verloren, was der Alptraum im wahrsten Sinne des Wortes für mich war.
Diskussionen in der Community
Bis heute habe ich keine Erinnerungen an den Unfall. Mein Leben hat sich an diesem Tag komplett geändert. Lange Zeit wusste ich nicht, wie der Unfall passiert ist, ob es andere Beteiligte gab, oder ob ich selbst Schuld daran hatte. Da ich keine Erinnerung hatte, machte es für mich auch keinen Sinn, weswegen ich im Krankenhaus bin. Ich wollte aufstehen und zur Arbeit gehen. Nur ging das nicht und ich war mir sicher, das war alles nur ein Fehler. Wäre mir ein Unfall passiert, hätte ich mich doch daran erinnern sollen?
Die Zeit im Krankenhaus war das Schlimmste überhaupt. Im Bett zu liegen, realisieren, was am Körper alles nicht funktioniert und demnach nicht zu wissen, wie das Leben weitergeht. Kein Arzt konnte abschätzen, wie der Heilungsprozess verläuft und ob ich jemals überhaupt wieder arbeiten kann, geschweige denn in der Küche stehen und meiner Leidenschaft nachgehen.
Peer-Programm «Zweite Hilfe» – Austausch mit anderen Betroffenen
Es gibt Ereignisse, die alles verändern. Die plötzliche Konfrontation mit einer Behinderung oder Krankheit macht uns handlungsunfähig und hilflos. Wir stellen Ihnen Menschen zur Seite, die diesen Weg bereits gegangen sind – unsere Helfer:innen von «Zweite Hilfe». Erfahren Sie mehr über das Peer-Programm.
Ich habe mich zurück ins Leben gekämpft, ich kann wieder laufen, schmecken und riechen.
Ich bin Küchenchefin in einem Gourmetrestaurant, aus voller Überzeugung, Hingabe und Leidenschaft.
Geholfen hat mir in erster Linie meine Familie. Aber auch mein Ehrgeiz, meine Einstellung zum Leben und mein Dickschädel (mit wunderschönen Brüchen). Herausforderungen gibt es nach wie vor, Tag für Tag. Am Schwierigsten dabei ist der Glaube an sich selbst, der manchmal fehlt, da der Kopf oft genug Streiche spielt. Nicht zu wissen, ob das, was der Kopf einem sagt, richtig ist oder falsch, macht den Tagesablauf schwierig, mühsam und kostet Energie, die ich lieber für mein Team und die Gäste aufbringen möchte.
Ich reflektiere mehr, mich selbst, aber auch Situationen mit meinem Team.
Eine richtige Schlüsselsituation gibt es nicht. Eher eine Bestätigung.
Nach dem Unfall habe ich die Arbeitsstelle gewechselt, habe ein schon bestehendes, aber inaktives Restaurant neu eröffnet, das Team aufgebaut und nach 10 Monaten wurden wir mit einem Michelin Stern ausgezeichnet. Das war eine überwältigende Bestätigung, die ich gar nicht in Worte fassen kann.
« Mein Rat an jeden Einzelnen: Das Leben ist lebenswert! Niemals aufgeben, jeden Moment geniessen und das Beste daraus machen. Jeden Tag aufs Neue und nichts auf die lange Bank schieben. »
Cornelia ist auch Helferin unseres Angebots «Zweite Hilfe». Wir danken Cornelia für ihr Engagement und den Erfahrungsbericht.