Peer-Austausch: Leben mit einer Endoprothese
Jan* ist 26 und Student. Nach der Diagnose eines gutartigen Riesenzelltumors im Oberschenkelknochen erhält er eine Endoprothese. Die Operation verläuft gut, doch die plötzliche Veränderung fällt ihm schwer. Was ihm fehlt, ist der Austausch mit jemandem, der selbst mit einer Endoprothese lebt. Auf der Suche nach Erfahrungsberichten stösst Jan auf das Peer-Programm von EnableMe.
Nach einer Operation muss sich Jan an das Leben mit Endoprothese gewöhnen. (pexels)
Die Projektleiterin vermittelt Jan einen Peer-Austausch mit Simon. Simon hat nach einer Krebserkrankung, im selben Alter, in dem Jan heute ist, dieselbe erhalten und lebt inzwischen seit über zehn Jahren damit. Zum ersten Mal spricht Jan mit jemandem, der aus eigener Erfahrung weiss, wie sich seine Situation anfühlt.
Peer-Programm «Zweite Hilfe» – Austausch mit anderen Betroffenen
Es gibt Ereignisse, die alles verändern. Die plötzliche Konfrontation mit einer Behinderung oder Krankheit macht uns handlungsunfähig und hilflos. Wir stellen Ihnen Menschen zur Seite, die diesen Weg bereits gegangen sind – unsere Helfer:innen von «Zweite Hilfe». Erfahren Sie mehr über das Peer-Programm.
In den ersten Wochen nach der Operation ist Jans Bein rund um die Uhr in seinem Kopf präsent, ein Zustand, der ihn enorm erschöpft und ihm die Akzeptanz zusätzlich erschwert. Simon kann ihm aus eigener Erfahrung bestätigen: Es gibt bessere und schlechtere Tage, und mit der Zeit wird das normal. Diese Worte bringen Jan ein grosses Stück näher an die Akzeptanz seiner neuen Realität.
« Nach dem Austausch ist es bei mir normaler geworden. Simons Erfahrung hat mich ein grosses Stück näher zur Normalität gebracht. »
Simon erzählt, wie er nach der Operation neue Wege gefunden hat: sportlich wie persönlich und heute ein erfülltes Leben mit Familie führt. Das gibt Jan Hoffnung: für seine Genesung, für sein Studium und für die Zeit nach der Reha. Der Austausch verändert auch Jans Blick auf die eigene Situation. Er spürt eine tiefe Dankbarkeit dafür, dass sein Tumor gutartig war, dass die Operation so gut verlaufen ist und dass er wieder gehen kann.
Zum Abschluss vereinbaren die beiden, nach Jans Reha erneut in Kontakt zu treten. Jan hat nun eine Ansprechperson, an die er sich jederzeit wenden kann, jemand, der ihn auf diesem Gebiet versteht wie kaum ein anderer.
Heute möchte Jan selbst Peer-Helfer werden und Menschen begleiten, die Ähnliches durchmachen und so weitergeben, was ihm geholfen hat.
« Es ist etwas ganz anderes, mit jemandem zu sprechen, der dasselbe erlebt hat – jemand, der nicht nur das Medizinische versteht, sondern weiss, wie es ist, damit im Alltag zu leben. »
*Aus Gründen der Vertraulichkeit haben wir den Namen geändert und ein Symbolbild verwendet. Die Erfahrungen von Jan sind real – und Ihre Spende macht solche Geschichten möglich.