Ist Multiple Sklerose vererbbar?
Viele Menschen mit Multipler Sklerose stellen sich irgendwann eine sehr persönliche Frage: Kann ich meine Krankheit an meine Kinder weitergeben? Diese Sorge ist verständlich, besonders, wenn Sie eine Familie planen oder bereits Kinder haben.
Ist MS vererbbar? Eine Frage, die sich viele Paare mit Kinderwunsch stellen. (pexels)
Was verursacht Multiple Sklerose?
Bis heute ist nicht vollständig geklärt, warum Multiple Sklerose entsteht. Die Forschung geht davon aus, dass mehrere Faktoren zusammenwirken müssen, damit die Krankheit ausbricht. Eine Rolle spielen unter anderem:
- Genetische Veranlagung: Bestimmte Genvarianten können das Risiko für MS erhöhen, verursachen die Erkrankung jedoch nicht allein.
- Infektionen: Bestimmte Infektionen stehen mit einem erhöhten MS-Risiko in Zusammenhang.
- Vitamin-D-Spiegel: Ein niedriger Vitamin-D-Spiegel wird mit einem erhöhten Risiko für Multiple Sklerose in Verbindung gebracht.
- Rauchen und weitere Umweltfaktoren: Auch Lebensstil- und Umweltfaktoren werden mit der Entstehung von MS in Verbindung gebracht.
Gene können dazu beitragen, dass eine Person grundsätzlich MS entwickeln kann. Vermutlich löst jedoch erst eine Kombination verschiedener genetischer sowie Umwelt- und Lebensstilfaktoren die Erkrankung aus.
Multiple Sklerose ist keine Erbkrankheit
Eine der wichtigsten Botschaften lautet also: Multiple Sklerose ist keine klassische Erbkrankheit. Das bedeutet, sie wird nicht automatisch von Eltern auf Kinder übertragen, wie es bei bestimmten genetischen Erkrankungen der Fall ist.
Der Unterschied zu Erbkrankheiten
Bei klassischen Erbkrankheiten reicht oft eine Veränderung in einem einzelnen Gen aus, damit die Krankheit mit hoher Wahrscheinlichkeit auftritt. Ein bekanntes Beispiel ist die Hämophilie (auch Bluterkrankheit). Das veränderte Gen liegt auf dem X-Chromosom: Männer erkranken, wenn sie es erben, während Frauen meist gesund bleiben, das Gen aber weitergeben können. Umwelt oder Lebensstil spielen dabei kaum eine Rolle.
Bei MS ist die Situation anders. Es gibt nicht das eine «MS-Gen». Forschende haben inzwischen über 200 genetische Varianten identifiziert, die mit einem erhöhten Risiko in Verbindung stehen. Doch selbst wenn ein Kind mehrere dieser Varianten erbt, bedeutet das nicht automatisch, dass es erkrankt.
Babyglück mit Multipler Sklerose
Hilfreiche Informationen finden Betroffene auch in der Broschüre «Vertrauen in die Zukunft: Familienplanung mit MS», die in enger Zusammenarbeit mit MS-Patient:innen entstanden ist.
Wie hoch ist das Risiko für Ihre Kinder?
Konkrete Zahlen helfen, das Risiko besser einzuordnen.
Allgemeinbevölkerung: Das Risiko, im Laufe des Lebens an MS zu erkranken, liegt bei etwa 0,1 bis 0,2 Prozent. Das entspricht ein bis zwei von 1000 Personen.
Wenn ein Elternteil MS hat: Das Risiko für jedes Kind liegt bei etwa 2 bis 5 Prozent. Anders ausgedrückt: Mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 bis 98 Prozent wird Ihr Kind keine MS entwickeln.
Wenn beide Elternteile MS haben: In diesem sehr seltenen Fall wird das Risiko auf etwa 10 bis 20 Prozent geschätzt. Auch hier gilt: Die Mehrheit der Kinder bleibt gesund.
Diese Zahlen wirken auf den ersten Blick vielleicht beunruhigend. Viele andere Erkrankungen treten jedoch statistisch häufiger auf.
Umweltfaktoren beeinflussen das Risiko mit
Neben genetischen Faktoren spielen auch Umwelt- und Lebensstilfaktoren eine Rolle bei der Entstehung von Multipler Sklerose. Welche Faktoren die Erkrankung letztlich auslösen, ist jedoch noch nicht vollständig geklärt. Ein gesunder Lebensstil kann die allgemeine Gesundheit Ihres Kindes unterstützen. Dazu gehören zum Beispiel:
MS und Familie: Mut zur eigenen Entscheidung
Nach all den Informationen über Risiken und genetische Faktoren ist eine Botschaft besonders wichtig: MS ist kein Grund, auf Kinder zu verzichten.
Viele Betroffene von Multipler Sklerose führen ein erfülltes Familienleben und bekommen gesunde Kinder. Das Risiko für Ihre Kinder ist erhöht, aber deutlich geringer, als viele zunächst vermuten.
Die Entscheidung für oder gegen ein Kind sollte auf Ihren persönlichen Wünschen, Ihrer Lebenssituation und Ihren Möglichkeiten beruhen. Nicht auf Angst.
Wenn Sie sich intensiver mit dem Thema Schwangerschaft und MS beschäftigen möchten, finden Sie weiterführende Informationen in unserem Beitrag «Kinderwunsch und Schwangerschaft mit Multipler Sklerose».
FAQ: Häufige Fragen zum Thema Vererbung von Multipler Sklerose
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Ist Multiple Sklerose vererbbar?
Nein, Multiple Sklerose ist keine klassische Erbkrankheit. Sie wird nicht direkt von Eltern auf Kinder übertragen. Zwar können genetische Faktoren das Risiko erhöhen, doch sie allein verursachen die Krankheit nicht.
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Sollte ich wegen meiner MS auf Kinder verzichten?
Nein. Multiple Sklerose ist kein medizinischer Grund, auf Kinder zu verzichten. Das Risiko für Ihr Kind liegt bei 2 bis 5 Prozent, wenn ein Elternteil betroffen ist.
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Kann ich das Risiko für mein Kind senken?
Teilweise. Ein gesunder Lebensstil kann die allgemeine Gesundheit Ihres Kindes unterstützen. Welche Faktoren Multiple Sklerose letztlich auslösen, ist jedoch noch nicht vollständig geklärt.
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Gibt es einen Gentest für MS?
Nein. Es gibt keinen Gentest, der zuverlässig vorhersagen kann, ob jemand später an MS erkrankt. Die genetischen Zusammenhänge sind zu komplex und Umweltfaktoren spielen eine wichtige Rolle.
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Was, wenn mehrere Familienmitglieder MS haben?
Das Risiko ist in solchen Fällen etwas erhöht, bleibt aber meist im einstelligen Prozentbereich. Lassen Sie sich individuell neurologisch beraten, wenn Unsicherheiten bestehen.
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Was tun, wenn mein Kind Symptome zeigt?
Bei auffälligen Symptomen sollten Sie eine Neurologin oder einen Neurologen aufsuchen. Gleichzeitig gilt: MS im Kindes- und Jugendalter ist selten.