Mobilitätseingeschränkter am Strand | © Pixabay

Invalidenversicherung (IV) – Wie melde ich mich an?

Mit einer Behinderung kann man gewisse Leistungen der Invalidenversicherung (IV) beziehen. Wie bei einer IV-Anmeldung vorgegangen werden muss, wird hier kurz erklärt. Zudem finden Sie wichtige Fragen und Antworten zur IV und die entsprechenden Formulare.

Hilft die Invalidenversicherung bei der Finanzierung eines Sprachcomputers oder bei der Unterstützung in der Ausbildung? Habe ich Anspruch auf eine IV-Rente oder eine Hilflosenentschädigung? Für die Beantwortung dieser Fragen sollten Sie zuerst wissen, welche Schritte Sie überhaupt unternehmen müssen um IV zu beantragen. 

Erstanmeldung bei der IV

Stellen Sie eine Beeinträchtigung an sich fest, konsultieren Sie einen Arzt oder eine Ärztin – eventuell einen Spezialisten oder eine Spezialistin (Achtung: Wenn Sie bei Ihrer Krankenversicherung im Hausarztmodell (HMO) sind, führt der Weg zum Spezialisten oder zur Spezialistin über die Hausarzt:in. Ansonsten müssen Sie die Arztkosten selbst tragen). Die medizinische Fachperson wird Sie darüber informieren, welche Möglichkeiten Sie haben, falls die Beeinträchtigung von Dauer ist.

Bei der IV können Sie sich ohne weiteres selbst anmelden, doch sollten Sie versuchen, der Empfehlung ihres Arztes, Ihrer Ärztin, zu folgen. Rät ihn die medizinische Fachperson vom Beziehen einer IV ab und teilt diesen Umstand auch der IV mit, wird Ihr Antrag mit grosser Wahrscheinlichkeit abgelehnt. Sollte Ihre persönliche Meinung von der der Ärzteschaft abweichen, können Sie eine Zweitmeinung einholen.

Bevor man Invalidenversicherungsleistungen beziehen kann, muss man sich bei der IV als Fall anmelden, meist geschieht dies auf Anraten der medizinischen Fachperson. Die Anmeldung ist relativ einfach. Füllen Sie das Anmeldeformular aus und legen Sie alle angeforderten Dokumente und Unterlagen bei (Achtung: Fehlen Unterlagen, kann es sein, dass der Antrag abgelehnt wird). 

Anmeldung von Kindern

Kinder mit einer Behinderung werden von ihren Eltern angemeldet. Dazu wird das Formular «001.003 - Anmeldung für Minderjährige: Medizinische Massnahmen, Berufliche Massnahmen und Hilfsmittel»  eingereicht. 

Hilflosenentschädigung und Intensivpflegezuschlag

Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung (HLE) und allenfalls auf einen Intensivpflegezuschlag (IPZ) haben Menschen, die in der Schweiz wohnhaft sind. Weiter darf die Hilflosigkeit nicht temporär sein, beziehungsweise muss ununterbrochen mindestens ein Jahr andauern. Wer Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung der obligatorischen Unfallversicherung oder der Militärversicherung hat, erhält keine Hilflosenentschädigung der IV. 

Minderjährige und volljährige Personen gelten als hilflos, wenn sie bei sechs definierten alltäglichen Lebensverrichtungen (An-/Auskleiden, Körperpflege, Essen, Verrichten der Notdurft, Fortbewegen, Aufstehen, Absitzen und Abliegen) dauernd auf Hilfe anderer Personen angewiesen sind, dauernde Pflege oder persönliche Überwachung benötigen.

Anmeldung – Leistungsbezüge

Beachten Sie, dass, auch wenn Sie bereits als Kind angemeldet waren, Sie sich bei Bezügen nach dem 20. Lebensjahr neu anmelden müssen. Reichen Sie dazu das Formular «Anmeldung für Erwachsene: Berufliche Integration/Rente» beziehungsweise «Anmeldung für Erwachsene: Hilfsmittel der IV» ein.

Möchten Sie weitere Leistungen beziehen, wie zum Beispiel die Finanzierung eines Hilfsmittels, können Sie einen entsprechenden Antrag einreichen. Je nach Hilfsmittel werden Sie dafür ein ärztliches Attest oder andere Fachunterlagen beilegen müssen. Welche Dokumente jeweils vonnöten sind, wird auf den Formularen angegeben. Sollten Sie sich dabei unsicher fühlen, fragen Sie Ihre Ärztin bzw. Ihren Arzt oder Ihren Hilfsmittelanbieter:in um Hilfe.

Der richtige Zeitpunkt für die Rentenanmeldung

Der Anspruch auf eine IV-Rente beginnt frühestens nach Ablauf einer einjährigen Wartezeit. Während dieses Jahres muss die Arbeitsunfähigkeit durchschnittlich mindestens 40 Prozent betragen. Nach Ablauf dieser Frist muss weiterhin eine Erwerbsunfähigkeit in mindestens gleichem Ausmass vorliegen.

Der Anspruch auf eine Rente entsteht frühestens sechs Monate nach dem Zeitpunkt der Anmeldung. Um finanzielle Engpässe vorzubeugen, empfehlen wir Ihnen sich frühzeitig anzumelden. Eine vorsorgliche Anmeldung ist nicht möglich. Anträge ohne attestierte Arbeitsunfähigkeit/Behinderung werden von der IV immer abgelehnt. 

Nahaufnahme eines Kalenders. | © pixabay

Bis Sie den vorläufigen Entscheid erhalten, kann einige Zeit vergehen. (Foto: Pixabay)

Arbeitsunfähigkeit ist nicht gleich Erwerbsunfähigkeit 

Beachten Sie, dass die IV zwischen Arbeitsunfähigkeit und Erwerbsunfähigkeit unterscheidet: Arbeitsunfähig ist, wer durch eine Gesundheitsbeeinträchtigung nicht mehr im bisherigen Beruf oder im bisherigen Aufgabenbereich arbeiten kann. Der Grad der Arbeitsunfähigkeit wird durch das medizinische Fachpersonal festgelegt. 

Erwerbsunfähig ist, wer durch eine Gesundheitsbeeinträchtigung auf dem gesamten infrage kommenden Arbeitsmarkt keine Erwerbsarbeit mehr ausüben kann. Für die Bemessung des Invaliditätsgrades ist ausschliesslich die Erwerbsunfähigkeit massgebend. Dieser wird von der IV-Stelle festgelegt. 

Geduld ist gefragt 

Nach Einreichen Ihres Antrags kann es zu wochenlangen Wartezeiten kommen. Beachten Sie dabei, dass dies nichts mit ihrem persönlichen Fall zu tun hat, sondern den Abläufen innerhalb der IV geschuldet ist. Natürlich können Sie aber versuchen den Prozess zu beschleunigen in dem Sie zwischendurch telefonisch oder per Email nach dem Stand der Dinge fragen oder ob gegebenenfalls noch weitere Unterlagen benötigt werden. 

Bei Sachleistungen (Hilfsmittel, berufliche Massnahmen) dauert der Entscheid ungefähr drei bis neun Monate. Bei Rentenleistungen dauert der Entscheid je nach Abklärungsaufwand sechs bis 24 Monate. 

IV-Antrag abgelehnt, was nun?

Nach Überprüfung Ihres Antrags erhalten Sie einen vorläufigen Bescheid. Auch wenn dieser negativ ausfällt und der Antrag (vorläufig) abgelehnt wurde, lassen Sie sich am Besten nicht entmutigen. Reichen Sie innerhalb von 30 Tagen schriftlich Rekurs ein

Sinnvoll kann es auch sein – vor Einreichung des Rekurses – jene Person, die Ihren Fall bearbeitet hat zu kontaktieren (Deren Name finden Sie auf dem vorläufigen Bescheid). Erkundigen Sie sich genau, weshalb der Antrag abgelehnt wurde. Auf dem vorläufigen Bescheid wird immer auch eine Begründung geliefert, doch ist der persönliche Kontakt manchmal Gold wert. Es kann gegebenenfalls nötig sein, mehrmals Rekurs einzureichen. Bitten Sie Ihre Ärztin bzw. Ihren Arzt oder Ihren/Ihre Hilfsmittelanbieter:in um Rat, ob sich ein Rekurs lohnt.

Wichtige Fragen und Antworten zur IV finden Sie hier
Alle wichtigen IV-Formulare zum Download finden Sie hier.  


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