Eine Frau mit dunklen Locken sitzt vor dem Computer und hat den Kopf in die Hände gestützt, sie sieht verängstigt aus. Im Hintergrund ist ein Büro zu erkennen.

Angst vor der Arbeit: Lassen Sie sich nicht einschränken

Viele Menschen kennen das Gefühl, Angst vor der Arbeit zu haben und manche entwickeln regelrecht eine Phobie vor dem Arbeitsplatz. Doch wie entsteht diese Angststörung und was kann man dagegen tun?

Es ist Montagmorgen, der Wecker klingelt, draussen ist es noch dunkel und die Lust, zur Arbeit zu fahren, hält sich in Grenzen. Solche Situationen kennen wahrscheinlich alle. Jedoch gibt es auch Menschen, denen bereits der blosse Gedanke an die Arbeit grosse Panik bereiten kann. Die Angst vor der Arbeit kann Betroffene enorm belasten und das Leben stark einschränken – auch über die Arbeitszeit hinaus. Doch wann kann man von einer Arbeitsplatzphobie sprechen und was kann man selbst tun, um die Angst zu überwinden?

Was ist eine Arbeitsplatzphobie / Angst vor der Arbeit?

Geringe Motivation, Lustlosigkeit oder auch fehlende Freude gegenüber dem aktuellen Arbeitsplatz bedeuten noch lange keine Phobie vor der Arbeit. Eine Arbeitsphobie ist nämlich eine Angststörung und hat somit auch psychische Ursachen, die ihr zugrunde liegen. Sie zeigt sich vor allem durch eine ausgeprägte und beeinträchtigende Angst vor der Arbeit oder bestimmten Bereichen in diesem Umfeld, wie beispielsweise Kolleg:innen, Gegenständen oder Situationen. Dabei führt die Konfrontation mit dem Arbeitsplatz, beziehungsweise schon die blosse Vorstellung, zu Angstreaktionen. Dies wird oft auch Arbeitsplatzphobie genannt. Da sich die Angst meist schnell bessert, wenn man sich vom Arbeitsplatz entfernt, kommt es bei vielen Betroffenen zu häufigen Krankmeldungen. Je mehr man sich zurückzieht, anstatt die Ursache der Angst zu ergründen, desto mehr verschlimmert sie sich mit der Zeit: Ein Teufelskreis beginnt.

Dabei ist Arbeitsangst keine Seltenheit, hat sie doch insbesondere in den letzten Jahren zugenommen und hängt mit dem allgemeinen Anstieg psychischer Erkrankungen zusammen. Auf sie lassen sich einen nicht erheblichen Teil aller Krankschreibungen zurückführen. 

Angst vor der Arbeit: So äussert sie sich

Eine Person, die von Arbeitsphobie oder auch Arbeitsplatzphobie betroffen ist, entwickelt oftmals typische Angstsymptome, die kurz- und langfristig im Zusammenhang mit ihrer Arbeit auftreten können.

Darunter zählen:

  • Zittern, Schwitzen, Herzrasen, Kloss im Hals, Hitzewallungen oder Kälteschauer bis hin zur Entwicklung einer Panikattacke
  • Schlafstörungen beziehungsweise Schwierigkeiten beim Ein- und Durchschlafen
  • Häufiges Krankschreiben
  • Fluchtreaktionen in beklemmenden Situationen
  • Konzentrationsschwierigkeiten bei der Arbeit
  • Vergesslichkeit oder das Nichteinhalten von Fristen
  • Keine klare Grenze zwischen Arbeitsalltag und Privatleben
  • Verspannungen und Kopfschmerzen
  • Magenbeschwerden und Druckgefühl
  • Allgemein erhöhte Infektanfälligkeit

Da viele dieser Symptome auch andere – körperliche, wie psychische – Ursachen haben können, sollten sie immer durch Ärzt:innen oder Psychotherapeut:innen abgeklärt werden. 

Woher kommt die Angst vor Arbeit?

Ganz grundsätzlich betrachtet kann jede:r von Angst am Arbeitsplatz betroffen sein. Angstzustände entstehen zunächst immer durch die eigenen Erfahrungen, die man in seinem Arbeitsumfeld gesammelt hat. Dabei können insbesondere Probleme, Feindseligkeiten und Mobbing durch Kolleg:innen oder Chef:innen die Angst auslösen. Aber auch Stress durch mangelnde Unterstützung, eine zu hohe Arbeitsbelastung, Zeitdruck, das fehlende Gefühl von Sicherheit oder zu starkes Konkurrenzdenken im Team können zu Belastungen führen. Je länger und intensiver diese andauern, desto eher kann sich daraus eine Angst vor dem Job entwickeln.

© Pixabay

Konflikte im Team führen häufig zu Angst vor der Arbeit (Foto: Pixabay).

Des Weiteren spielt hier auch die eigene Persönlichkeit eine grosse Rolle. Menschen, die allgemein eher ängstlich sind, neigen auch schneller dazu, eine Arbeitsplatzphobie zu entwickeln. Insbesondere im Rahmen einer sozialen Phobie kann die Angst vor der Arbeit eine Begleiterscheinung sein. Doch auch äussere Umstände können das Angstempfinden beeinflussen. Zentrale Faktoren sind hierbei vor allem ein hohes Arbeitspensum, privater Stress in der Familie und Partnerschaft oder durch Pflegetätigkeiten und damit einhergehende Doppelbelastungen.

Doch nicht bei jeder Person, die von einer Arbeitsphobie betroffen ist, zeigt sich die Angst auf die gleiche Art und Weise. Einige Menschen entwickeln einen verstärkten Perfektionismus und erheben hohe Ansprüche an sich selbst. Andere wiederum entwickeln soziale Ängste beziehungsweise Angst vor bestimmten Personen, zum Beispiel vor Kolleg:innen oder dem Chef, der Chefin. Dies kann verschiedene Gründe haben. Einerseits kann sich eine Person auf der Arbeit ausgegrenzt oder unfair behandelt fühlen. In solchen Fällen ist es meist sinnvoll, zunächst ein klärendes Gespräch mit den jeweiligen Personen zu führen. Wenn dies nicht weiterhilft oder die Situation gar verschlimmert, kann nach weiteren Alternativen gesucht werden. Jedoch gibt es am Arbeitsplatz auch immer wieder Fälle von Mobbing oder sexueller Belästigung, was bei Betroffenen meist zu Panik gegenüber der Arbeit führt. Dann wird Hilfe von aussen notwendig, beispielsweise durch Vorgesetzte, den Betriebsrat oder die Personalabteilung. 

Panik vor der Arbeit überwinden

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie eine Person ihre Angst vor der Arbeit überwinden kann. Ein erster Schritt kann und sollte dabei immer ein persönliches Gespräch sein. Erste Anlaufstelle können zunächst Vorgesetzte sein, denn ein guter Chef oder eine gute Chefin sollte immer ein offenes Ohr für die Probleme der Mitarbeitenden haben. Zudem haben Vorgesetzte die Möglichkeit, Betroffenen Hilfsmittel zur Verfügung zu stellen oder die Rahmenbedingungen am Arbeitsplatz anzupassen. Dieser Schritt kann jedoch für manche einschüchternd sein, insbesondere wenn die Probleme von dem oder der Vorgesetzten ausgehen. In solchen Fällen bietet es sich an, das Gespräch zunächst mit Teamkolleg:innen zu suchen. Unter Umständen haben diese bereits ähnliche Erfahrungen gemacht und können wertvolle Tipps geben. Und selbst wenn nicht, tut es gut, sich jemandem anzuvertrauen, um über die eigenen Ängste und Probleme zu sprechen. 

Des Weiteren ist es wichtig, die eigenen Grenzen zu kennen und diese auch konsequent zu setzen. Das kann zum einen bedeuten, dass man lernt, Aufgaben zu delegieren und sich weniger Last auf die Schultern zu laden. In diesem Zusammenhang ist es auch wichtig, um Hilfe zu bitten, wenn man gerade nicht weiter weiss und sich rechtzeitig Pausen oder Urlaub zu nehmen, wenn man dies benötigt. Am Arbeitsplatz kann es auch hilfreich sein, To-do-Listen zu führen und Aufgaben damit klar zu priorisieren. Alles was nicht wichtig oder dringend ist, kann vorerst vernachlässigt werden. Es kann auch sinnvoll sein, sich beruflich neu zu orientieren. Idealerweise in einem weniger belastenden Beruf. 

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Ein Mann hält den Daumen hoch. | © Pexels / Rodnae Productions

Eine weitere Möglichkeit ist es, bewusste Entspannungsrituale in den Arbeitsalltag zu integrieren. So kann man beispielsweise Musik hören, morgens vor der Arbeit meditieren, kurze Pausen für Achtsamkeitsübungen einlegen, spezielle Atemtechniken erlernen oder in der Mittagspause einen Spaziergang durch den Park machen.

Wenn sich die Situation nicht bessert oder sich Angstsymptome gar verschlimmern, sollte der Weg immer zu professioneller medizinischer Hilfe führen. Denn Ängste sind mit der richtigen Therapie meist sehr gut behandelbar. Betroffene können sich dabei zunächst an ihren Hausarzt oder ihre Hausärztin wenden oder sich mit ihrem Anliegen direkt an Psychotherapeut:innen richten. Sobald nach Gesprächen und eventuellen Untersuchungen eine Diagnose gestellt wurde, kann mit einer geeigneten Therapie begonnen werden.

Im Normalfall wird bei phobischen Erkrankungen eine Konfrontationstherapie durchgeführt. Dies bedeutet, dass Patient:innen Schritt für Schritt in einem geschützten Rahmen mit der Ursache ihrer Angst konfrontiert werden und dadurch lernen, mit ihrer Angst umzugehen. Jedoch ist eine solche stufenweise Annäherung bei einer Arbeitsplatzphobie kaum möglich, da der/die Therapeut:in die Bedingungen am Arbeitsplatz weder steuern noch beeinflussen kann und das Risiko einer Verstärkung der Symptomatik dadurch hoch ist. Aus diesem Grund wird meist auf andere Verfahren gesetzt. Empfohlen werden dabei besonders verschiedene Formen der Verhaltenstherapie. Hier erlernen Patient:innen Bewältigungsstrategien und -kompetenzen, die ihnen helfen, in zukünftigen Situationen mit ihrer Angst umzugehen, ohne dass sie von ihr überwältigt werden. So können viele wieder angstfrei in ihren Job zurückkehren.

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In der Schweiz gibt es zahlreiche Stellen, die rund um die Uhr für Menschen in Krisensituationen da sind – vertraulich und kostenlos.

  • Dargebotene Hand: Telefon 143
  • Pro Juventute: Telefon und Chat 147

Die Angst vor der Arbeit kann das Leben von Betroffenen stark einschränken und die Lebensqualität deutlich mindern. Wenn Sie merken, dass Ihre Arbeit Ihnen zunehmend Angst bereitet, scheuen Sie sich nicht, Hilfe anzunehmen – auch professionelle. Diese können Coaches bieten, Psychiater:innen, Psycholog:innen oder der Hausarzt, die Hausärztin. Folgende Organisationen können Ihnen helfen, geeignete Therapeut:innen zu finden: Föderation der Schweizer Psychologinnen und Psychologen (FSP), Assoziation Schweizer Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten (ASP)  Schweizerische Berufsverband für angewandte Psychologie (SBAP).



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